Eberspächer mit Stammsitz in Esslingen ist zu 90 Prozent ein Autozulieferer. Das macht Zukunftsaussagen auch mit Blick auf Arbeitsplätze schwierig.
Eine längerfristige Routenplanung fällt dem Autozulieferer Eberspächer mit Stammsitz in Esslingen schwer. Wo es etwa mit Blick auf die Jobs hingeht, kann der geschäftsführende Gesellschafter Martin Peters nicht mit Sicherheit sagen.
Nur für den Standort Esslingen ist die Fahrtrichtung klar: Bis Ende 2027 sind betriebsbedingte Kündigungen für die etwa 1000 dort Beschäftigten nur im gegenseitigen Einvernehmen möglich. Für die anderen Standorte aber kann Peters keine Jobgarantieren geben.
Eberspächer beschäftigt weltweit etwa 10 700 Menschen
Insgesamt stehen nach Angaben des Familienunternehmens etwa 10 700 Menschen, darunter fast 900 Ingenieure, bei Eberspächer in Lohn und Brot. Der Hersteller von Fahrzeugelektronik,Klimasystemen und Abgastechnik unterhält weltweit 80 Standorte und 40 Produktionsstätten in mehr als 30 Ländern. „Zu der Entwicklung der Arbeitsplätze dort sind Aussagen in heutiger Zeit schwierig zu treffen“, sagt Martin Peters.
Die Märkte und die geopolitischen Gegebenheiten würden sich zu schnell für verlässliche Angaben ändern. Daher müssten manchmal auch schwierige Entscheidungen getroffen werden. Aktuell gebe es aber keine Planungen, Standorte infrage zu stellen oder gar komplett zu schließen. Das sei bisher auch nicht passiert. Lediglich die Fertigung sei an einzelnen Standorten eingestellt worden: Im Herbst soll die Produktion in Herxheim in der Nähe von Landau in der Pfalz wegen der eingebrochenen Kundennachfrage nach E-Fahrzeugen beendet werden.
Gremium mit Arbeitnehmervertretern bei Eberspächer Esslingen
In Esslingen aber sind die Jobs laut dem Geschäftsführer für die nächsten zweieinhalb Jahre gesichert. In Absprache mit der IG Metall wurde ein Ergänzungstarifvertrag geschlossen, der auch eine übergangsweise Einschränkung des Urlaubs- und Weihnachtsgeldes sowie eine Steigerung der Arbeitszeit um zwei auf nun 37 Stunden vorsieht.
Ein Kernpunkt des Abkommens mit der Gewerkschaft war die Einrichtung eines Lenkungskreises, dem auch Arbeitnehmervertreter angehören. Da das Gremium seine Arbeit gerade erst aufnimmt, kann Jörg Steins, bei Eberspächer für das operative Geschäft zuständig, noch wenig zur Funktionsweise sagen. Es solle die künftige Ausrichtung des Standorts aktiv mitgestalten, zu den Aufgaben gehöre auch die Sammlung von Ideen oder das Schaffen von Angeboten zur Weiterbildung. Vorentscheidungen könnten hier getroffen werden. Der Kreis werde sich mit möglichen Innovationen und zukunftsrelevanten Fragestellungen beschäftigen. Oberstes Ziel sei die Sicherung und Weiterentwicklung des Standorts Esslingen: „Wir sitzen schließlich alle gemeinsam in einem Boot.“ Da sei es selbstverständlich, dass auch die Arbeitnehmervertretung miteinbezogen werde.
Eberspächer bereitet sich auf mögliche US-Strafzölle vor
Denn der Konjunkturmotor der Autoindustrie stottert. Die ersten fünf Monate des laufenden Jahres würden sich ungefähr an den Zahlen von 2024 für den gleichen Zeitraum orientieren, gibt Martin Peters preis. Den Nettoumsatz für das Vorjahr gibt Eberspächer mit etwa 2,7 Milliarden Euro an, der Bruttoumsatz belaufe sich auf gut 5,3 Milliarden Euro. Schwierigkeiten bereite das verzögerte Wachstum bei der Elektromobilität und die geopolitische Lage. Auf mögliche Zölle aus den USA würde sich das Unternehmen einstellen, sagt Jörg Steins. Mehrere Mitarbeitende seien mit dem Entwickeln diverser Szenarien in Reaktion darauf beschäftigt. Weitere Zahlen möchte das vor 160 Jahren gegründete Traditionsunternehmen nicht öffentlich machen.
Zu 90 Prozent ist Eberspächer Esslingen ein Automobilzulieferer
Es werde aber nicht allein mit E-Mobilität Gas gegeben. Der Verbrenner sei noch kein Modell für den Schrottplatz. In manchen Regionen würde es hier noch ein Wachstum geben – nicht in Europa, aber beispielsweise in Asien. Etwa 40 Prozent des Umsatzes von Eberspächer werde unabhängig vom Verbrenner erwirtschaftet. Nach wie vor sei die Firma zu 90 Prozent ein Automobilzulieferer. Erste Ansätze für alternative Geschäftsfelder etwa im medizinischen Bereich seien aber gestartet. Doch wohin die Route führt, könne angesichts sich schnell wandelnder Märkte nur schwer vorhergesagt werden.