Ein Lokführer der S6 bremst am Dienstagmorgen am Bahnhof Weilimdorf zu spät und muss durchfahren. Fahrgäste zeigen sich verwundert, die Deutsche Bahn entschuldigt sich.
Man stelle sich vor, man steht auf dem Bahnsteig und will in die S-Bahn einstiegen, aber diese fährt einfach an der Haltestelle vorbei. So geschehen am Donnerstagmorgen am Bahnhof Weilimdorf. Doch was war der Grund?
Um 7 Uhr warteten zahlreiche Fahrgäste auf die S6 aus Weil der Stadt in Richtung Schwabstraße. Doch als der Zug endlich kam, fuhr dieser zur großen Überraschung einfach weiter, ohne anzuhalten. Informationen über die Lautsprecher an der Haltestelle – Fehlanzeige. Um einen einfach ausrückenden Zug auf dem Weg zum eigentlichen Einsatzort, konnte es sich nicht handeln. Schließlich saßen etliche Passagiere in der S-Bahn.
Keine Notbremse um Fahrgäste nicht zu gefährden
Die Auflösung ist denkbar einfach und hat ausnahmsweise nichts mit den Sperrungen und Problemen im Rahmen von Stuttgart 21 zu tun: „Der Lokführer hat den Bremsvorgang einfach zu spät eingeleitet, sodass er nicht mehr rechtzeitig halten konnte“, erklärt ein Bahnsprecher. Obwohl dieser seine Unaufmerksamkeit gleich bemerkte, sei es auf dem kurzen Streckenabschnitt nicht mehr möglich gewesen, dies zu korrigieren. Denn die S-Bahnen benötigen einen langen Anhalteweg. Zum einen hätten durch eine sofort eingeleitete Notbremsung die Fahrgäste im Zug gefährdet werden können. Zum anderen sei es den S-Bahnen nicht einfach möglich, rückwärts zu fahren, um den Bahnsteig doch noch zu erreichen. „Das ist mit einem enormen Sicherheitsaufwand verbunden“, betont der Bahnsprecher. Und hätte sehr viel Zeit in Anspruch genommen, sodass auch der Zeitplan der nachfolgenden Züge aus dem Takt geraten wäre.
„Wir können uns für die Unannehmlichkeiten bei den Fahrgästen, die in Weilimdorf aus- oder zusteigen wollten, nur entschuldigen“, bedauert der Bahnsprecher. Die Pendler am Bahnsteig in Weilimdorf mussten auf den nächsten Zug 15 weitere Minuten warten, die Fahrgäste, welche dort aussteigen wollten, einen Umweg in Kauf nehmen.
Der Lokführer muss übrigens keine Konsequenzen fürchten, „schließlich hat er kein Haltesignal überfahren“, erläutert der Bahnsprecher. Sein Missgeschick wird er aber sicher nicht so schnell vergessen – wie auch die Fahrgäste.