Die Zahl der Unfälle in Stuttgart ist im Vergleich zum Vorjahr wieder leicht gestiegen. (Archivbild) Foto: Andreas Rosar Fotoagentur-Stuttg/Andreas Rosar Fotoagentur-Stuttg

Die Gesamtzahl der Unfälle liegt immer noch unter dem Niveau der Zeit vor den Corona-Lockdowns. Drastisch gestiegen ist die Zahl der Stadtbahnunfälle, bei denen es so viele Verletzte wie noch nie gab.

Augen auf im Straßenverkehr, das kann nie schaden. Denn im vergangenen Jahr ist in der Landeshauptstadt die Zahl der Unfälle im Vergleich zum Vorjahr wieder leicht gestiegen. 22 962 Unfälle geschahen, das sind 2,3 Prozent mehr als 2023. Ein kleiner Trost: Auf lange Sicht sinkt die Zahl der Karambolagen dennoch. Die Zahlen aus Lockdown-Zeiten während der Pandemie (2021: 20 074) werden zwar nicht mehr zu erreichen sein. Kontinuierlich stiegen die Werte wieder, seit nicht mehr zu Hause gearbeitet wird und das öffentliche Leben weitgehend stillstand. Aber wenn man weiter zurückblickt, ist die Tendenz deutlich: Im Jahr 2017 lag der Wert noch bei 26 824 Unfällen im Jahr, die Jahre danach – bis zur Corona-Delle – ebenfalls immer deutlich über 25 000. Ein Überblick über die Entwicklung in einzelnen Bereichen.

 

Besonders gefährdet: Fahrradfahrer und Fußgänger

Nach wie vor gilt: Wer keine schützende Fahrgastzelle um sich hat, hat das größte Risiko, verletzt zu werden. Bei den Radfahrenden unterscheidet die Polizei zwischen mit Muskelkraft betriebenen Zweirädern und Pedelecs. Die „normalen“ Radfahrenden sind etwas seltener in Unfälle verwickelt gewesen: 436 hatten Unfälle im vergangenen Jahr (2023: 444). Bei den Pedelecs ist es zu einem neuen Höchstwert gekommen: 218 (2023: 178; 2017: 54) Unfälle passierten mit den Rädern mit elektrischer Unterstützung beim Treten. Das ist insofern wenig verwunderlich, da immer mehr Radfahrende, vor allem beim Pendeln, auf Pedelecs setzen. Die Unfallzahl in Relation zu der Anzahl der Pedelecs in der Stadt zu setzen, geht jedoch nicht. Zwar ist allgemein klar, dass immer mehr verkauft werden. Wie viele davon aber in der Stadt herumfahren, ist mangels Registrierung nicht zu klären. Verletzt wurden 302 Radfahrer und 284 Pedelecfahrer, bei letzteren kam ein Mensch ums Leben.

E-Scooter und andere Kleinstfahrzeuge

Nicht alles was Spaß macht oder gerade nützlich erscheint, ist immer auch sicher. Das gilt zum Beispiel für Menschen, die in der Stadt feiern waren und für die letzten Meter des Heimwegs einen der Leih-E-Scooter verwenden: Alkohol- beziehungsweise Drogeneinfluss gehört hier nach wie vor zu den Hauptursachen – neben „Fehlern bei der Fahrbahnbenutzung“, sprich auf Gehwegen oder in Fußgängerzonen zu fahren. Bei 20 Unfällen mit Verletzten kam es zu Kopfverletzungen. Freiwillig einen Helm hätten aber nur fünf verunglückte Personen getragen. Die Polizei weist darauf hin, dass – ähnlich wie beim Radfahren – ein Helm auch auf den Scootern ein sinnvoller Schutz ist.

Besonders tragisch: Auch das Fahren mit E-Skateboards wird zur Mode, obwohl diese nicht für den Straßenverkehr zugelassen sind. Dass dies gefährlich werden kann, belegt ein tödlicher Unfall. Ein 24-Jähriger stürzte in der Adventszeit in Bad Cannstatt damit und starb wenig später im Krankenhaus an den Verletzungen. Die weiterhin hohe Zahl der Unfälle mit E-Scootern wird von der Polizei als wichtiges Thema eingeordnet: „Die Konsequenzen für die Schwerpunkte polizeilicher Verkehrssicherheitsarbeit für das Jahr 2025 werden hier sehr deutlich“, heißt es dazu. Sprich: Man wird die Kleinstfahrzeuge stärker in den Blick nehmen.

Stärkster Anstieg: Unfälle mit Stadtbahnen

Ein Thema sticht heraus in der aktuellen Unfallbilanz für 2024: Es sind deutlich mehr Stadtbahnunfälle geschehen als in den Jahren zuvor, nämlich 107. Das sind fast 41 Prozent mehr als im Vorjahr. Zuletzt waren es 2017 (112) und 2018 (118) mehr. Allerdings ist nicht nur die Zahl der Unfälle erschreckend hoch, sondern auch die Zahl der Verletzten: Das waren 108 Personen, ein Mensch starb bei einem Stadtbahnunfall. Ein Faktor ist dabei der besonders schwere Unfall zwischen zwei Stadtbahnen, der im Februar 2024 passierte. Aus noch ungeklärten Gründen fuhr eine Stadtbahnführerin in Wangen mit ihrer Bahn auf eine andere auf. 15 Personen wurden verletzt, zwei von ihnen schwer. Laut der Polizei ist der Unfall nicht nur wegen der immensen Auswirkungen ein außergewöhnlicher. Es sei zudem überaus selten, dass die Stadtbahnführerinnen oder -führer Unfälle verursachten. Meist sind es andere Verkehrsteilnehmer – wie Autofahrer, die unerlaubt abbiegen oder wenden und dabei nicht auf die in gleiche Richtung fahrenden Bahnen achten. Wenn Fußgänger involviert sind, sei oft Unachtsamkeit im Spiel. An oberirdischen Haltestellen geschahen 15 Unfälle mit Fußgängern (2023: elf).

Unfallschwerpunkte im Stadtgebiet

Angesichts der Gesamtzahl der Unfälle sind die Zahlen der Zusammenstöße, die an den Unfallschwerpunkten geschehen, vergleichsweise niedrig. Seit Jahren sind es immer die gleichen Stellen, die die Hitliste anführen. Auf Platz eins liegt der Gebhard-Müller-Platz beim Bahnhof mit 17 Unfällen (2023: 24). Im Osten sind es die Gaisburger Brücke mit zwölf und die Ecke Cannstatter/Heilmannstraße auch mit zwölf Unfällen.