So präsentiert sich der Eduard-Pfeiffer-Platz in Ostheim heute: viel Kopfsteinpflaster für den Verkehr und viele geparkte Autos, aber kaum Aufenthaltsqualität für die Fußgänger. Foto: Brand

Der Eduard-Pfeiffer-Platz in Ostheim ist zwar architektonisch eine Augenweide, bietet aber nur für geparkte Autos Aufenthaltsqualität und kaum für die Fußgänger und Anwohner. Bei einem Bürgerinformationsabend zur Umgestaltung wird viel erklärt, aber auch Kritik geäußert.

Der Eduard-Pfeiffer-Platz in Ostheim im Stuttgarter Osten soll umgestaltet werden. Das gefällt nicht allen, auch weil die Zahl der Parkplätze und die Verkehrsfläche dadurch kleiner werden. Bei einem gut besuchten Bürgerinformationsabend am Montag haben Planer der Stadt Stuttgart eine neue Variante vorgestellt. Ein Stimmungsbild unter den Anwesenden ergab eine Mehrheit für eine Umgestaltung.

 

Das Herz von Ostheim Der Eduard-Pfeiffer-Platz ist die architektonische Mitte von Ostheim. Eduard Pfeiffer war Bankier und Sozialreformer und gründete im Jahr 1866 den „Verein für das Wohl der arbeitenden Klassen“, den heutigen Bau- und Wohnungsverein Stuttgart. Ein Ziel war neuer Wohnraum für die Arbeiterklasse. 1890 beschloss der Verein mit seinem Vorstand Pfeiffer das Siedlungsprojekt „Billige Wohnungen für kleine Leute” mit vier Siedlungen in Stuttgart. Ostheim ist eine davon. Hier entstanden in den Jahren 1891 bis 1901 rund 1300 Wohnungen. Die Siedlung steht unter Denkmal- und Ensembleschutz.

Wunsch nach einer Umgestaltung Der Platz hat sich vor allem im Sommer dank neuer Anziehungspunkte wie der Schleckerei (selbst gemachtes Eis) und Schwarzmahler (Kaffeerösterei) zu einem Treffpunkt entwickel. Allerdings sind die Gehwege für die Warteschlangen oft zu schmal. Als dann die Wanderbaumallee, ein Projekt der Stadt, bei dem eine kleine grüne Oase mit Aufenthaltsmöglichkeiten angeboten wird, dort Station machte, war das für einige Lokalpolitiker der Anlass, den Eduard-Pfeiffer-Platz auf die Liste der Step-Projekte zu setzen. Step steht für die Stadtentwicklungspauschale, mit der das Lebensumfeld und die Aufenthaltsqualität verbessert werden soll. Der Bezirksbeirat Stuttgart-Ost beschloss die Liste mit dem Platz im Jahr 2019 mehrheitlich. 2021 stimmte erneut eine Mehrheit im Bezirksbeirat für eine Umgestaltung des Platzes. Seitdem beschäftigen sich das Stadtplanungsamt, der Denkmalschutz, die Verkehrsbehörde und andere intensiv mit dem Platz. In einer Beschreibung der Stadtplaner heißt es: „Er wirkt hinsichtlich seiner Verkehrsfläche überdimensioniert, kahl und bietet keinerlei Aufenthaltsmöglichkeiten. Vom Durchgangsverkehr wird er zum Teil als Abkürzung benutzt.“ Erste Überlegungen stellten sie im September den Bürgern vor. Die dort geäußerten Kritikpunkte wurden in die Planvariante 7a eingearbeitet.

„Gehwegnasen“ zur Verkehrsberuhigung Die Planer schlagen den Bau großer sogenannter Gehwegnasen ähnlich wie am Schützenplatz im Kernerviertel vor. Dort gibt es eine Art halbierten Kreisverkehr. Dafür wird die Fahrbahn verschwenkt und mit vier Metern Durchfahrtsbreite deutlich schmaler. Außerdem sollen sechs Bäume gepflanzt, Sitzbänke und Sitzzylinder aufgestellt sowie Radbügel angebracht werden. Im Vergleich zur im September vorgestellten Planung wurden nach Anregungen der Anwohner Sitzwürfel in Sitzzylinder umgewandelt, die Zahl der Radständer reduziert, Leuchten und Sitzbänke den historischen Vorbildern angenähert, Kurzzeitparkplätze vorgesehen.

Die Kritik Einige Kritiker lehnen es grundsätzlich ab, den Platz umzugestalten. Sie verweisen dabei unter anderem auf den Denkmalschutz. Hans Georg Keitel vom Landesdenkmalamt wies am Montag darauf hin, dass der Denkmalschutz eingebunden war und dass es auch dessen Aufgabe sei, Plätze weiterzuentwickeln, wie es auch mit anderen geschützten Plätzen schon geschehen sei. Der Hinweis der Planer auf Anpassungserfordernisse in Städten durch den Klimawandel wurde vom CDU-Bezirksbeirat und Vorsitzenden des Handels- und Gewerbevereins Stuttgart-Ost zurückgewiesen: „Glauben Sie, dass diese sechs Bäume das Stadtklima retten? Oder das Weltklima?” Ein Hauptkritikpunkt war – neben dem Thema Parkplätze – auch, dass Anwohner sich schlecht und zu spät informiert fühlen. Für die Veranstaltung im September seien sie erst eine Woche vorher eingeladen worden, von den Beschlüssen im Bezirksbeirat wussten viele nichts. Das nahmen die Vertreter der Stadt und des Bezirksbeirats als Hausaufgabe mit.

Das Ergebnis In vier Gruppen konnten die mehr als 70 Teilnehmenden am Montag die Planvariante genauer anschauen, weitere Vorschläge machen und per grünen Klebepunkten Zustimmung oder Ablehnung signalisieren. Hermann-Lambert Oediger von der Abteilung Stadtentwicklung im Stadtplanungsamt nahm ein Stimmungsbild mit einer Mehrheit für eine Umgestaltung mit. Er sagte aber auch: „Wir sind am Anfang eines Planungsprozesses.” Bis zu einer Verwirklichung würden noch einige Jahre vergehen. Und: „Letztlich entscheiden die politischen Gremien, ob der Platz umgestaltet wird oder nicht.”