Fast die Hälfte der Menschen im Land fürchten, dass Stuttgart ein zweites Detroit werden könnte. Das hat eine neue Umfrage im Auftrag baden-württembergischer Tageszeitungen ergeben.
Die angespannte wirtschaftliche Lage der Industrie im Südwesten löst bei vielen Menschen im Land Abstiegssorgen aus. 28 Prozent der Befragten im aktuellen BaWü-Check befürchten, dass es ihnen in fünf Jahren wirtschaftlich schlechter gehen wird als heute. Etwa 34 Prozent glauben, dass sich nichts ändert. Lediglich 22 Prozent halten eine persönliche Verbesserung für möglich. Das ist das Ergebnis des aktuellen BaWü-Checks, einer Umfrage des Instituts für Demoskopie in Allensbach im Auftrag der baden-württembergischen Tageszeitungen.
Die nicht abreißenden Hiobsbotschaften der Automobilhersteller, ihrer Zulieferer und der Maschinenbauer verstärken damit die Krisenstimmung der Menschen. Selbst der erfolgsverwöhnte Luxusautohersteller Porsche droht seit voriger Woche mit einem umfangreichen Sparpaket. Die Bosch-Belegschaft muss betriebsbedingte Kündigungen fürchten, wenn 2027 das Jobsicherungsprogramm endet. Jüngste Schreckensnachricht ist der Abbau von bis zu 2500 Stellen bei Voith. Die Wirtschaftsflaute wirkt sich auch auf andere Branchen aus: Das Statistische Landesamt dürfte in diesem Jahr voraussichtlich die höchste Zahl an Insolvenzen seit 2009 verzeichnen; besonders betroffen sind Bau, Handel, Gastgewerbe und freie Berufe.
Wird Stuttgart zum zweiten Detroit?
Der gute Ruf der Autoindustrie als jahrzehntelanger Wohlstandsgarant ist ramponiert: 57 Prozent der Befragten im BaWü-Check gaben an, dass sie die Situation der Branche stark oder sehr stark beunruhigt. 45 Prozent treibt die Sorge um, dass der Region Stuttgart ein ähnlicher Niedergang droht wie der US-Autostadt Detroit. An die Landesregierung adressiert wünscht sich die große Mehrheit mehr Einsatz für den Wirtschaftsstandort. Alle großen Parteien haben das Thema Wirtschaft und Wohlstandssicherung vor der Landtagswahl am 8. März 2026 ganz oben auf ihrer Agenda.
Die Außensicht ist dagegen deutlich weniger pessimistisch: Der EVP-Fraktionsvorsitzende im Europarlament, Manfred Weber, sieht Baden-Württemberg und Bayern als Vorbilder beim Thema Innovation. „Der Süden ist Innovationsmotor in Deutschland. Diesen Spirit brauchen wir für ganz Europa“, sagte der CSU-Politiker unserer Zeitung. Der Vorstand der EVP-Fraktion tagt zurzeit in Heidelberg und fordert eine Innovationsoffensive in der EU.