Der Überfall ereignete sich am Mittwoch gegen kurz nach 22 Uhr. Foto: SDMG

Drei bewaffnete Räuber überfallen einen Discounter am Stadtrand von Stuttgart und versetzen zwei Mitarbeiterinnen in Angst und Schrecken. Waren es wieder junge Männer?

Sie sind maskiert, ganz offensichtlich junge Männer, und sie haben Schusswaffen. Und sie warten bis kurz nach Ladenschluss, ehe sie zwei Mitarbeiterinnen des Netto-Supermarkts am Ortsrand von Plieningen in Angst und Schrecken versetzen.

 

Ein Trio hat am Mittwoch kurz nach 22 Uhr bei einem Raubüberfall auf einen Discounter im Bereich Bernhäuser Straße und Dr.-Steinheil-Weg die Tageseinnahmen in Höhe von mehreren Tausend Euro erbeutet.

Die drei Unbekannten begnügen sich nicht mit dem Geld aus der Kasse, als sie eine 27 Jahre alte Mitarbeiterin mit ihren Schusswaffen bedrohen und Bargeld fordern. Laut Polizei lassen sich die Räuber von der Frau auch noch ins Büro einer 49 Jahre alten Kollegin bringen, wo sie das Geld aus dem Tresor fordern. Die Beute, offenbar noch kein fünfstelliger Betrag, stecken die Täter in einen Rucksack. Auf dem Weg nach draußen nehmen sie noch weitere Geldscheine aus einer Kasse mit und flüchten durch den Haupteingang.

Auch wenn sie maskiert waren: „Die Betroffenen hatten den Eindruck, dass es sich um jüngere Männer handelte“, sagt Polizeisprecherin Kara Starke. Die Täter sollen etwa 1,70 bis 1,75 Meter groß sein, trugen komplett schwarze Kleidung und waren mit Sturmhauben und Kapuzen vermummt. Um keine Fingerspuren zu hinterlassen, sollen sie Einweghandschuhe getragen haben. Bei einem waren blonde Haare zu sehen, er hatten den Rucksack dabei. Bei einem anderen fielen dunkle Haare und dunkle Augen auf.

Polizeihubschrauber über Stuttgart-Plieningen im Einsatz

Der betroffene Netto-Supermarkt liegt am südlichen Rand des Stadtbezirks Plieningen – mit einigen fußläufigen Fluchtmöglichkeiten in das Gewerbegebiet Entenäcker. Die Autobahnauffahrt Richtung Karlsruhe kann mit dem Auto nach 800 Metern erreicht werden. Für die Polizei ist der Tatort weit fernab der nächsten Dienststelle – aber die Station der Polizeihubschrauberstaffel am nahen Flughafen ist nur 2,5 Kilometer Luftlinie entfernt.

Freilich: Auch mit Blick von oben konnte von den flüchtigen Tätern keine Spur entdeckt werden. Wer Verdächtiges beobachtet hat, kann sich unter der Rufnummer 0711 / 89 90 -57 78 bei der Kriminalpolizei melden.

Bewaffnete Raubüberfälle auf Supermärkte sind meist das Werk Jugendlicher und Heranwachsender, wie andere Fälle zeigen. Erst vor drei Monaten haben die Beamten des Raubdezernats zwei Tatverdächtige ermittelt, die Ende April 2025 einen Discounter am Krötenweg in Weilimdorf überfallen hatten. Auch damals hatten die Täter sehr spät zugeschlagen. Die Kassiererin wurde mit einer Pistole und einem Hammer bedroht, sie gab daraufhin etwa 1000 Euro heraus. Die Polizei fasste zunächst zwei verdächtigte 16- und 18-Jährige, musste sie aber wieder auf freien Fuß setzen. Erst im November war für die Ermittler klar, dass es zwei junge Männer im Alter von 19 und 22 Jahre gewesen sein mussten. Der eine saß zu dieser Zeit bereits in anderer Sache in Haft, der andere in einer psychiatrischen Einrichtung.

Der jüngste ermittelte Täter ist erst 15

Auch in der Region sahen sich Mitarbeiter von Supermärkten wiederholt einer Schusswaffe gegenüber. Nach einem Überfall im Juni 2024 in Wendlingen (Kreis Esslingen) wurde ein erst 15-Jähriger ermittelt. Geklärt werden konnten auch zwei bewaffnete Raubüberfälle auf Netto-Märkte in Ditzingen (Kreis Ludwigsburg) im November 2023. Die Kripo ermittelte vier junge Männer im Alter von 17, 18 und 19 Jahren – gegen sie erging Haftbefehl.

Immerhin gibt es einen statistischen Trost: Die Zahl der Raubstraftaten im Land ist im vergangenen Jahr deutlich zurückgegangen. Wie das Innenministerium am Donnerstag, dem Tag nach dem Überfall in Plieningen, mitteilte, sank die Zahl der Raubdelikte im Südwesten auf 3271 Fälle – ein Minus von 12,5 Prozent. Mehr als 72 Prozent aller Fälle konnten geklärt werden.