Warum man Briten, die uns Deutsche von Haus aus unlustig finden, keinesfalls widersprechen sollte. Unser Kolumnist KNITZ erklärt’s.
Aus der Zeitungskolumne der Schriftstellerin Elisabeth Kabatek hat KNITZ neulich von einem Lauschangriff erfahren. Nicht die Autorin war die Angegriffene. Sie war selbst Akteurin des Lauschangriffs.
Weniger militärisch ausgedrückt geht die Geschichte so: In einem indischen Restaurant in Wales wurde Frau Kabatek Ohrenzeugin einer Unterhaltung von vier Menschen, die sie als durchaus gebildet eingestuft hätte. Die Gruppe redete über dies und das und kam irgendwann auf deutschen Humor zu sprechen. Schnell war man sich, wenig überraschend, einig, dass die Deutschen keinen Humor besäßen. Der freundlichste Satz, der in dem Zusammenhang wohl gefallen ist, war der: „Zumindest ist der Humor ganz anders als unserer.“
Ein bissle gewurmt hat Frau Kabatek die Unterhaltung schon – und so hat sie sich hinterher überlegte, ob sie nicht hätte hingehen und auf ihrem Handy den Sketch „Dinner for one“ abspielen sollen. Die Nummer, beim NDR in Hamburg aufgenommen, kennt auf der Insel kein Mensch.
KNITZ ist heilfroh, dass Frau Kabatek das nicht getan hat. Das Schlimmste, was man machen kann, ist krampfhaft einen Beweis liefern zu wollen, dass wir fei auch ganz schön lustig sein können. Womöglich sogar ohne Alkohol.
Auf keinen Fall die Klischees der Briten über uns zerstören
Wie so was in die Hose gehen kann, zeigt der US-Spielfilm „Good Morning, Vietnam“ von 1987: Leutnant Steven Hauk soll den anarchischen Radiomoderator Adrian Cronauer, gespielt von Robin Williams, ersetzen. Leider wollen Hauks ins Mikrofon skandierten Witze bei der Truppe nicht zünden. Alle wissen das, bis auf den Soldaten Hauk, der stramm vor seinem Vorgesetzten steht und im Kasernenton brüllt: „Sir, in my heart, I know I’m funny.“ (Sir, tief in meinem Herzen weiß ich, dass ich lustig bin). Immerhin: Für KNITZ ist das die witzigste Szene in einem nicht gerade pointenarmen Film.
KNITZ rät also: Auf keinen Fall die Klischees der Briten über uns zerstören. Das würde etlichen deutschen Komikern, die in Großbritannien ihr Auskommen haben, die Geschäftsgrundlage entziehen. Sie alle leben bestens von der Vorstellung der Briten, dass der Deutsche auch heute noch zum Lachen in den Führerbunker geht.
Damit das so bleibt, empfiehlt der Comedian Christian Schulte-Loh, beim Aufenthalt auf der Insel stets im Stechschritt über die Straße zu gehen. Er selbst macht sein britisches Publikum mit urdeutschen Sitten wie dem „Stoßlüften“ vertraut.
Wie schee das Klischee ist, weiß auch der Komiker Otto Kuhnle, wohnhaft in Berlin, geboren in Schwäbisch Gmünd. Bei einem Gastspiel vor Jahren in London schlug ihm schallendes Gelächter entgegen, als er sich mit „Hello, my name is Otto Kuhnle and I am a German Comedian“ (Hallo, ich heiße Otto Kuhnle und bin deutscher Komiker) vorstellte. Dabei war das gar nicht als Witz gedacht.
Zurück ins indische Restaurant und zu Frau Kabatek. Wer weiß, vielleicht hätte KNITZ doch Widerspruch angemeldet. Aber dann so: Er wäre an den Nachbartisch herangetreten und hätte erklärt, dass Charly Chaplins grandiose Satire „Der große Diktator“ ohne Hitler nicht mal halb so lustig gewesen wäre. Gut, der war gebürtiger Österreicher. Aber das muss man den Briten ja nicht auf die Nase binden.