An diesem Donnerstag spielt der TVB Stuttgart bei der SG Flensburg-Handewitt. Es ist auch das Vater-Sohn-Duell von TVB-Co-Trainer Danijel Grgic und SG-Neuzugang Marko Grgic.
Es wird eine Premiere. Noch nie standen sich Danijel Grgic (48) und sein Sohn Marko (21) als Gegner gegenüber. „Ich spiele ja nicht, wir kommen uns auf dem Feld nicht in die Quere. Von daher wird es bestimmt nicht so schlimm“, sagt Danijel Grgic mit einem Schmunzeln. Er ist Co-Trainer beim TVB Stuttgart, Marko spielt für die SG Flensburg-Handewitt. An diesem Donnerstag (20 Uhr) treffen die beiden Teams in der Handball-Bundesliga in Flensburg aufeinander.
Bis zum Sommer gingen Vater und Sohn praktisch Hand in Hand auch durch die Handballwelt. „Bis auf meine Trainertätigkeit bei HB Esch in Luxenburg waren wir immer im selben Verein, meistens war ich sein Trainer“, erzählt Danijel Grgic. Bei der HG Saarlouis (bis 2022) und beim ThSV Eisenach (2022 bis 2025) standen sie Seite an Seite.
Flachsen statt Fachsimpeln
Jetzt kommt es erstmals zu einem Duell. Funkstille herrscht deswegen im Vorfeld nicht. Es wird weniger über Taktik fachgesimpelt, sondern eher geflachst. „Marko meint, die SG gewinne ganz easy, weil er uns so gut kennt“, verrät der Papa. Er selbst, TVB-Chefcoach Mischa Kaufmann, die Spieler Simone Mengon und Ivan Snajder verdienten vergangene Saison allesamt noch ihre Brötchen in Eisenach, wie eben auch Marko.
Mit dem ThSV holten sie im April diesen Jahres in Flensburg ein völlig überraschendes 39:39 – mit zwölf Grgic-Toren. „Marko darf gerne wieder zwölf Buden machen, wenn wir mit dem TVB einen oder zwei Punkte mitnehmen, ist alles in Ordnung“, sagt Danijel Grgic, der Optimismus versprüht: „Wir haben bei unserer Auftaktniederlage gegen Hamburg nicht unser wahres Gesicht gezeigt und können’s besser.“ Zudem sei gegen „große Mannschaften“ eher zu Saisonbeginn etwas zu holen. Das machte die HSG Wetzlar am ersten Spieltag beim 33:33 vor – eben gegen Flensburg.
Rückmeldungen per WhatsApp
Wie immer, gab es auch nach dieser Partie von Vater Grgic ein ausführliches Feedback. Meistens läuft das via WhatsApp. Lob sei selten dabei, eher Korrekturen, Verbesserungsoptionen. „Keiner kennt ihn so gut wie ich, an seiner Körpersprache kann ich schon viel erkennen“, sagt der Papa. In Wetzlar machte Grgic fünf Tore, leistete sich drei Fehlwürfe und zwei technische Fehler. In der Abwehr gab es noch Abstimmungsprobleme. Aber an ihm habe es nicht gelegen, dass es für die SG nicht zum Sieg reichte. „Man muss die Kirche im Dorf lassen. Marko wird am 11. September erst 22 und muss bei diesem Spitzenteam erst noch seinen Platz finden“, sagt Danijel Grgic.
Überhaupt sei die Ausnahmesaison vom Vorjahr nicht zu wiederholen. Da brach der Olympia-Silbermedaillengewinner von Paris (27 A-Länderspiele) praktisch alle Rekorde. Mit 301 Toren (davon 85 Siebenmeter) krönte sich der 1,97 Meter große Rückraumspieler zum Bundesliga-Torschützenkönig. Das entspricht einem Schnitt von 8,9 Toren pro Spiel. Nur der legendäre Koreaner Kyung Shin-Yoon erzielte in der Saison 2000/01 mehr Treffer (324). Damals spielten allerdings noch 20 Mannschaften in der höchsten deutschen Spielklasse.
Interne Weltklasse-Konkurrenz
Kein Wunder, dass die Topclubs Europas den Senkrechtstarter des deutschen Handballs jagten. Nach einem wochenlangen Tauziehen ging der spektakuläre Transfer nach Flensburg dann doch über die Bühne – gegen eine Ablösesumme von kolportierten rund 450 000 Euro. Beim amtierenden European-League-Champion kann er sich mit den Besten messen. Auch intern. Mit Simon Pytlik (24) und Lasse Möller (29) spielen zwei dänische Ausnahmekönner im linken Rückraum. „Hier in Flensburg bin ich nur einer von vielen“, sagt Marko Grgic mit Blick auf die Weltklasse-Konkurrenz auf seiner Position.
Ob diese Entwicklung abzusehen war? Ja und Nein, muss die Antwort lauten. Zum einen sind ihm die Handballgene durch die Eltern vorgegeben. Der Papa war früher kroatischer Nationalspieler, die aus Mecklenburg-Vorpommern stammende Mutter Ina spielte früher immerhin dritte Liga. Beide haben sich während Grgics Zeit beim Stralsunder HV kennengelernt. Bereits mit 17 gab der Filius sein Debüt in der dritten Liga bei der HG Saarlouis, für die noch heute sein Halbbruder Tom Paetow (30) spielt.
Nie in Jugend-Nationalteam
Aber Marko war nie Teil einer Jugendnationalmannschaft – keine U18, keine U20, keine U21. Warum er durchs Sichtungsraster fiel? „Vielleicht weil er nie in einem Internat oder Stützpunkt war“, vermutet der Papa. Mit Talent, Fleiß und eisernem Willen arbeitete er sich auch so ganz nach oben, schloss nebenbei eine Ausbildung zum Bankkaufmann ab. Schon in den Poesiealben seiner Mitschüler in der Grundschule schrieb er zu der Klassiker-Frage „Was möchtest du später einmal werden?“: „Ein großer Handballer.“
Freundin Mia mit in Flensburg
In Flensburg will er sich weiterentwickeln. Freundin Mia (Tochter von Ex-Handball-Nationalspieler Sven Lakenmacher) ist mit in den hohen Norden gezogen. Der Vertrag läuft bis 2029. Ob irgendwann auch mal ein Wechsel nach Stuttgart denkbar ist? „Wenn wir in ein paar Jahren vielleicht international spielen, warum nicht“, sagt Danijel Grgic. Schon in diesem Sommer zum Vorjahres-16. zu wechseln, hätte wenig Sinn ergeben, zumal Grgic weiß: „Nach Stuttgart hätte Eisenach ihn nicht einmal für fünf Millionen Euro gehen lassen.“