Die Saison ist gelaufen? Von wegen. Der VfB Stuttgart kann im wichtigen Medienranking noch klettern oder fallen. Welche Mannschaften das Hoeneß-Team bei welchen Abschlussplatzierungen überholt und um wie viel Geld es geht.
Zwei Spieltage noch und sechs Punkte Rückstand: Rein theoretisch besteht für die VfB Stuttgart ja noch die Chance, in der Bundesliga ins vordere Tabellendrittel vorzustoßen und sich für den internationalen Wettbewerb zu qualifizieren. Realistisch betrachtet aber ist der Zug wohl abgefahren – und der Einzug in die Europa League nur noch durch den Sieg im DFB-Pokal-Endspiel am 24. Mai möglich. Sind die letzten beiden Ligaspiele gegen den FC Augsburg an diesem Sonntag (19.30 Uhr) und bei RB Leipzig also reine Nebensache? Allenfalls dazu da, um sich für das große Finale in Form zu bringen? Finanziell auf gar keinen Fall. Denn: In der wichtigen TV-Tabelle kann die Mannschaft von Sebastian Hoeneß von ihrem derzeitigen zehnten Rang je nach Ausgang der laufenden Saison noch klettern oder fallen – wobei es um eine Menge Geld geht.
Die wesentlichen Zahlen vorneweg: 1,12 Milliarden Euro schüttet die Deutsche Fußball-Liga (DFL) pro Saison an die 36 Proficlubs der beiden höchsten Spielklassen aus – in einem Verhältnis von 80:20 zwischen erster und zweiter Liga. Bis 2029 gilt dieser Vertrag mit den Anbietern wie Sky oder DAZN, die sich die Übertragungsrechte bis 2029 gesichert haben.
An der TSG Hoffenheim wird der VfB sicher vorbeiziehen
Nun stellt sich natürlich die Frage, welcher Verein wie viel vom Kuchen abbekommt. Während 50 Prozent der Summe in der jeweiligen Liga zu gleichen Teilen an die Vereine ausgeschüttet werden, erfolgt die Verteilung der anderen Hälfte nach einem recht komplizierten Schlüssel. Das mit Abstand wichtigste Kriterium ist dabei die Fünfjahreswertung. Die Platzierung der zuletzt gespielten Saison zählt dabei am meisten (fünffach), die am längsten zurückliegende am wenigsten (einfach).
Im anstehenden Sommer fällt also die Saison 2019/20 aus der Wertung – was für den VfB eine gute Nachricht ist, da die Stuttgarter in besagter Spielzeit Zweitligist waren und gar keine Punkte fürs Erstliga-Ranking gesammelt haben. Deshalb bietet sich in dieser Saison eine Riesenchance – auch jetzt noch, trotz des Abrutschens auf Platz zehn im Verlauf der Rückrunde.
Fest steht dabei bereits: An der TSG Hoffenheim wird der VfB im TV-Ranking vorbeiziehen – dafür reicht es, am Ende dieser Bundesliga-Spielzeit mindestens einen Platz vor den Kraichgauern zu landen. Das wird der Fall sein, da die Stuttgarter im schlechtesten Fall Zwölfter werden und die Hoffenheimer im besten Fall auf Platz 13 abschließen.
Darüber hinaus stehen die Stuttgarter Chancen gut, auch den VfL Wolfsburg im Medienranking hinter sich zu lassen. Dafür würde es sogar reichen, diese Saison maximal einen Platz hinter den Wölfen zu beenden. Diese sind seit Wochen im Tief, haben sich am Wochenende von ihrem Trainer Ralph Hasenhüttl getrennt und liegen fünf Punkte hinter dem Hoeneß-Team. Vieles spricht also dafür, dass der VfB auch eine zweite Mannschaft in der TV-Tabelle hinter sich lässt. Richtig knapp wird es dagegen im Fernduell mit Union Berlin. Derzeit rangiert der VfB drei Plätze vor den Köpenickern – halten Nick Woltemade und Co. die Elf von Trainer Steffen Baumgart auf mindestens zwei Plätzen Abstand, ziehen sie auch an ihnen im Medienranking vorbei.
Mainz und Gladbach können den VfB noch überholen
Was das alles bringen würde? Eine beträchtliche Summe. Da jeder Platz etwa 2,5 Millionen Euro ausmacht, kann der VfB in der kommenden Saison von der DFL im besten Fall 7,5 Millionen Euro zusätzlich erhalten – und die Einnahmen aus den nationalen Erlösen damit von derzeit rund 52 Millionen Euro auf knapp 60 steigern.
Es droht aber auch Gefahr von hinten – vom FSV Mainz 05 und von Borussia Mönchengladbach. Landen die Mainzer in dieser Saison mindestens drei Plätze vor dem VfB, ziehen sie im Medienranking an ihm vorbei. Momentan trennt exakt dieser Abstand beide Mannschaften – der Ausgang ist also völlig offen. Die Gladbacher hingegen müssten in zwei Wochen schon vier Plätze besser als die Stuttgarter dastehen – derzeit ist es nur einer. Es müsste daher einiges passieren an den letzten beiden Spieltagen, im Bereich des Möglichen ist es aber.
Damit geht es für den VfB im Saisonfinale um nicht weniger als zwei Fünf-Millionen-Euro-Fragen: Überholt er Wolfsburg und Union im Medienranking? Und hält er Mainz und Gladbach auf Distanz? Von der Antwort hängen in Summe zehn Millionen Euro ab – für den Bundesligisten ohne Wenn und Aber ein relevanter Betrag, der im Transfersommer zusätzlichen Spielraum schaffen könnte. Es steht also viel auf dem Spiel für den VfB Stuttgart in den kommenden Wochen. Nicht nur im Pokalfinale, auch in der Liga.