Der Turner aus Ludwigsburg ist der jüngste Turner der deutschen Olympiariege. Am Samstag feierte Timo Eder sein Debüt in Paris. Das war durchwachsen – soll sich aber in vier Jahren auszahlen.
Die Arena in Paris-Bercy hat schier unfassbare Ausmaße, die Atmosphäre ist eine ganz spezielle – und der Bundestrainer der deutschen Turner wusste: Auf den Jüngsten seiner Riege muss er sich etwas mehr kümmern als um die anderen. „Den Timo“, sagte Waleri Belenki, musste ich ein bisschen mehr betreuen.“ Hat es sich ausgezahlt?
Die Beurteilung fällt ein wenig schwer. Denn dafür dass Timo der jüngste männliche Turner der deutschen Riege ist, hat er sich nicht schlecht geschlagen in der Qualifikation. „Es lief nicht alles perfekt“, sagte er, bilanzierte aber: „Es war schön“ – das Ergebnis für das Team war es allerdings eher nicht.
Die deutsche Riege verpasste das Mannschaftsfinale, wurde Elfte und sicherte sich darüber hinaus lediglich zwei Plätze in den Finals. Nils Dunkel rutschte als 24. der Mehrkampfqualifikation gerade so in den Endkampf des Sechskampfs, der am kommenden Mittwoch stattfindet. Und, das war die positivste Nachricht des Tages: Der Medaillentraum von Lukas Dauser lebt weiter.
Nach Silber in Tokio 2021 und dem WM-Titel im vergangenen Jahr war der 31-Jährige sogar als Gold-Favorit gehandelt worden – ehe er sich wenige Wochen vor den Spielen von Paris am rechten Bizeps verletzte. Das Comeback wurde zur Punktlandung, nun war er glücklich, das Finale am Barren erreicht zu haben. Dauser geht als Fünfter des Vorkampfs ins Rennen am 5. August. Weit voraus ist aber lediglich der Chinese Jingyuan Zou.
Nicht nur Olympia-Qualifikation, sondern auch Abitur
Dauser turnte aufgrund der Verletzung nur an zwei Geräten, weshalb der deutschen Mannschaft wichtige Punkte fehlten – und weshalb Youngster Timo Eder gleich bei seiner Premiere bei Olympia einen Sechskampf hinlegen musste. Besonders der Patzer am Pauschenpferd ärgerte den Turner vom MTV Ludwigsburg, der sich in diesem Jahr nicht nur für die Sommerspiele qualifizierte, sondern fast nebenbei auch noch sein Abitur bestand. Auf die EM im Frühjahr verzichtete er deswegen, nachdem er beim DTB-Pokal im März in Stuttgart erstmals bei den Senioren stark aufgetrumpft hatte.
„Vor den Übungen am Boden und am Pferd war die Nervosität schon groß“, gab er zu, „ansonsten war es aber ganz stabil.“ Trotz der Patzer gab es auch vom Bundestrainer „ein großes Lob“ für den 19-Jährigen – auch wenn Belenki einräumte: „Er braucht noch Zeit.“ In Paris habe er nun aber bereits „wichtige Erfahrungen sammeln“ können. Froh macht den Coach bei Timo Eder vor allem der Blick in die Zukunft.
„Er hat noch Steigerungspotenzial und eine große Karriere vor sich“, sagte Waleri Belenki. Und auch Timo Eder hat noch lange nicht genug. „Ich hoffe“, sagte er und dachte schon an die Spiele 2028, „dass ich das noch einmal erleben kann.“ Los Angeles wird dann wohl wieder ein gewaltiges Erlebnis. Timo Eder wäre aber sicher besser darauf vorbereitet als in Paris.