Ruben Reisig gehört zu den Führungsspielern von Regionalliga-Spitzenreiter TSG Hoffenheim II. Wie blickt der Mittelfeldspieler dem Duell mit seinem Ex-Club Stuttgarter Kickers entgegen? Was will der 29-Jährige in seiner Karriere noch erreichen?
Ruben Reisig ist ohnehin ein optimistischer, lebensfroher, gut gelaunter Typ. Doch derzeit sind bei dem Mittelfeldspieler der TSG 1899 Hoffenheim II die Hochgefühle besonders ausgeprägt: Vor gut einem Monat wurde der 29-Jährige erstmals Papa eines Sohnes, und mit seinem Verein steht er ziemlich souverän an der Tabellenspitze der Fußball-Regionalliga.
„Alle wollen aufsteigen“
„Privat und sportlich. Alles passt sehr gut“, bestätigt Reisig vor dem Duell mit seinem Ex-Club Stuttgarter Kickers an diesem Sonntag (14 Uhr/Dietmar-Hopp-Stadion/Livestream). „Alle sind heiß bei uns, alle wollen aufsteigen. Für jeden von uns bietet die dritte Liga eine noch bessere Plattform.“
Hoffenheims Polster
Dass mit einem Sieg gegen die Blauen der Aufstieg zum Greifen nah wäre, so weit will Reisig nicht gehen. Auf die Kickers würde der Vorsprung dann 14 Punkte betragen, der Tabellenzweite SGV Freiberg hat die Drittliga-Lizenz nicht beantragt. Kickers Offenbach (aktuell sieben Punkte hinter der TSG) und der FSV Frankfurt (neun Punkte hinter der TSG) hecheln ebenfalls hinterher.
„In Hoffenheim hat man in den vergangenen zwei Jahren im Endspurt immer gepatzt. Deshalb sind wir wachsam“, warnt Reisig vor zu viel Optimismus: „Selbst wenn wir am Sonntag die Kickers schlagen, sind wir noch lange nicht durch.“
Seine zwei Jahre in Degerloch von 2020 bis 2022 bezeichnet der Sohn eines deutschen Vaters und einer ghanaischen Mutter als eine „brutal schöne Zeit“. Unvergessen wie er nach dem WFV-Pokal-Sieg 2022 im Finale gegen den SSV Ulm 1846 mit der Kickers-Fahne im Sprinttempo eine Ehrenrunde im Gazi-Stadion drehte. Da es danach nicht zum Aufstieg reichte, griff eine Klausel, wonach er gegen eine Ablösesumme wechseln konnte.
SGV Freiberg zahlte Ablöse
Zumal das Angebot der damaligen sportlichen Leitung der Kickers keine allzu große Wertschätzung zum Ausdruck brachte, nahm Reisig die Offerte von Regionalliga-Aufsteiger SGV Freiberg an. Nach zwei Jahren beim SGV zog es ihn im Sommer 2024 zur TSG Hoffenheim II, wo sich der körperlich robuste und wuchtige 1,93-Meter-Mann auch taktisch und spielerisch noch einmal weiterentwickelte.
„Die Bedingungen sind überragend. Ich konnte dort noch ein paar Prozent Leistung draufpacken“, sagt Reisig. Ein Beispiel ist der Footbonaut, ein High-Tech-Trainingsgerät das hilft, Reaktionsgeschwindigkeit, Ballkontrolle und Passgenauigkeit zu verbessern.
Lob für Kickers-Fans
Nur dass eben sowohl in Freiberg als auch in Hoffenheim so wenige Fans die Mannschaft unterstützen, findet er schade: „So geile Fans wie sie die Blauen als Traditionsverein haben, das ist schon etwas Besonderes in dieser Liga.“
Bleibt die Frage, wo Reisig in der kommenden Saison am Ball sein wird. Sein Vertrag in Hoffenheim läuft aus. Der Verein und Coach Vincent Wagner wollen ihn unbedingt halten. Im Fall des Aufstiegs ist ein Verbleib auch durchaus wahrscheinlich, zumal sich die junge Familie in Sinsheim wohl fühlt. Auch wenn es längst Anfragen von Drittligisten gibt und er sich auch bei Zweitligisten im Blickfeld befindet. „Mal schauen, was ich mache. Aber auch wenn ich langsam auf die 30 zugehe, ich bin so fit wie noch nie in meiner Karriere und weiß eines: Ich bin noch lange nicht fertig.“