Der VfB Stuttgart siegt auch gegen den HSV – doch die Fans üben auch Kritik. Foto: AFP

Der VfB feiert einen Kantersieg gegen den HSV. Doch die Fans sind zwiegespalten: Die einen bejubeln die starke Leistung, die anderen verzweifeln am Chancenwucher.

Ein klarer Sieg und Platz drei in der Tabelle – eigentlich könnte die Welt für VfB-Fans nach dem 4:0 gegen den Hamburger SV perfekt sein. Doch in den sozialen Medien zeigt sich: Ganz so einfach ist es nicht. Während viele zwar die starke Leistung ihrer Mannschaft feiern, üben andere deutliche Kritik an den zahlreich vergebenen Chancen und individuellen Schwächen.

 

Bevor überhaupt der Ball rollte, sorgten die Fans im Stadion für einen emotionalen Moment. Mit einer spektakulären Choreografie stimmten beide Fanlager ihre Teams auf das Traditionsduell ein. „Die Liebe höret nimmer auf“ war in der Cannstatter Kurve zu lesen, dazu prangte die Grabkapelle in Gold über einem weiß-roten Fahnenmeer. Die Bilder der Choreo gingen in den sozialen Netzwerken viral und sorgten für Begeisterung.

Auf dem Platz dominierte der VfB von Anfang an. Angelo Stiller (22.), Chris Führich (32.), Maximilian Mittelstädt (56.) und Bilal El Khannouss (86.) trafen vor 60.000 Zuschauern. Doch während ein Fan auf X schrieb: „Deutlicher und verdienter Sieg. Ich werde mich nicht über Platz 3 und nen 4:0-Heimsieg beschweren“, haderten viele andere mit dem, was liegen blieb.

Die Cannstatter Kurve vor Spielbeginn gegen den HSV Foto: Katharina Kausche/dpa

„Ey langsam ist es mal Zeit das 3:0 zu machen. Geisteskranker Chancenwucher heute“, klagte ein Nutzer bereits während des Spiels. Ein anderer rechnete vor: „Muss 8:0 oder höher stehen, unglaubliche Verschwendung.“ Tatsächlich vergaben die Stuttgarter eine Chance nach der anderen. HSV-Keeper Daniel Heuer Fernandes zeigte einige Paraden, Mittelstädt traf den Pfosten, Demirovic’ Treffer zählte wegen Abseits nicht.

„Ich glaube kaum, dass wir das Ding noch aus der Hand geben, aber es ist schon gottlos, wie viele Chancen wir hier liegen lassen“, fasste ein Fan die Gefühlslage treffend zusammen. Und dass bei einem Spiel, in dem das Torverhältnis im engen Kampf um die Champions-League-Plätze entscheidend sein könnte: „Diese Chancenverwertung ist die reinste Katastrophe. Dieses Spiel musst du auch mal mit 6:0 oder 7:0 gewinnen.“

Besonders ins Visier nahmen die Fans Deniz Undav. Der Stürmer, der eigentlich zu den Leistungsträgern zählt, verschoss in der 82. Minute einen Foulelfmeter kläglich und kassierte zudem seine fünfte Gelbe Karte – er wird damit beim Süd-Schlager gegen Bayern München fehlen.

„Wie Nagelsmann Undav in die Krise geredet hat, ist beispiellos. Wann trennt sich der DFB von diesem Schwätzer?“, wetterte ein Fan in Richtung Bundestrainer. Ein anderer ergänzte: „Undav hat auf der Tribüne Nagelsmann gesehen... Kann man ihm nicht übel nehmen.“

Trotz aller Kritik: Der VfB steht auf Platz drei, hat vier Punkte Vorsprung auf den Fünften und dürfte mit Selbstvertrauen zum Topspiel gegen Bayern München reisen – wenn auch ohne den gesperrten Undav. Die VfB-Fans werden ihre Mannschaft kritisch begleiten – mit der Liebe, die wie in der Choreo verkündet, „nimmer aufhöret“. Aber eben auch mit klaren Worten, wenn die Chancenverwertung nicht stimmt.