2011 war der große Tag: Bud Spencer reiste nach Schwäbisch Gmünd und taufte die Badeanstalt: „Bud-Spencer-Freibad“. Foto: Heino Schütte

In Schwäbisch Gmünd ist die Trauer um Bud Spencer besonders groß, denn die Stadt verbindet etwas Besonderes mit dem Italo-Schauspieler. Das Gmünder Freibad trägt seinen Namen – und die Geschichte dahinter kennt jedes Kind in der Stadt.

Schwäbisch Gmünd - Die Nachricht vom Tod des weltweit bekannten italo-amerikanischen Filmstars Bud Spencer hat in Schwäbisch Gmünd besondere Betroffenheit und Trauer ausgelöst. Denn es gibt eine besondere Verbundenheit zwischen der Stauferstadt und Bud Spencer: das Gmünder Freibad trägt seinen Namen.

Die Bud-Spencer-Saga kennt in Schwäbisch Gmünd jedes Kind. Stolz wird sie vor allem von den Veteranen und Zeitzeugen des örtlichen Schwimmvereins an die folgenden Generationen weitergereicht. Tatsächlich: Beinahe wäre Bud Spencer in den 50er-Jahren durch zwei Auftritte als erfolgreicher Schwimmsportler sogar Italo-Schwabe statt Italo-Amerikaner geworden.

Es war ein sensationelles Ereignis, als am 7. und 8. Juli des Jahres 1951 im Freibad der Stadt Schwäbisch Gmünd erstmals nach dem Zweiten Weltkrieg ein Länderkampf Deutschland gegen Italien ausgetragen wurde. Tausende waren auf den Beinen. Der Süddeutsche Rundfunk stationierte sogar einen damals hochmodernen Übertragungswagen im Freibad, um live im Rundfunk über das Ereignis zu berichten. Mitglied im italienischen Team war der spätere Olympia-Teilnehmer Bud Spencer, der damals bürgerlich profan unter dem Namen Carlo Pedersoli auftrat.

Sommerromanze mit Gmünder Bäckerstochter

Schlank und kräftig gebaut war der Römer. Ein Blickfang natürlich vor allem für die Frauenwelt. Carlo Pedersoli schwamm in Schwäbisch Gmünd nicht nur Europarekord, der gut aussehende Athlet hatte auch Zeit und Muse sich in eine hübsche Gmünder Bäckerstochter zu vergucken. Nur eine „Sommerromanze“ sei’s gewesen, erzählte die später nach Amerika ausgewanderte und zwischenzeitlich verstorbene Gmünderin eher bescheiden. Ein tiefsinniges und vornehm schweigendes Lächeln ging stets über Bud-Spencers-Gesicht, als er bei seinem letzten Besuch in Gmünd immer wieder auf das Techtelmechtel angesprochen wurde. Es darf davon auszugehen sein, dass ihm die leckeren Briegel und Brezeln vom „Schalla-Bäck“ aus der Bocksgasse (heute ein Handy-Laden) besonders gut geschmeckt haben.

Zeitsprung: Genau 60 Jahre später. In Schwäbisch Gmünd steht die größte und teuerste Tunnelbaustelle kurz vor ihrer Fertigstellung. Das Regierungspräsidium überlässt es vertrauensvoll der Stadt und ihren Bürgern, einen Namen für das Jahrhundertbauwerk auszuwählen. Oberbürgermeister Richard Arnold meint es gut und basisdemokratisch: Leichtsinnigerweise ruft er über die sozialen Netzwerke dazu auf, Namensvorschläge zu unterbreiten. Wie aus dem Nichts wurde der Ruf nach einem Bud-Spencer-Tunnel laut. Überraschenderweise gaben sich vor allem junge Leute als Bud-Spencer-Fans zu erkennen und gaben sodann via Internet weit mehr als 100 000 Voten für „Bud-Spencer-Tunnel“ab.

Riesiger Medienrummel für Bud-Bad

Stadtverwaltung, Gemeinderat und Regierungspräsidium wurde das nun zu bunt. Das Thema wurde emotional diskutiert, beherrschte sogar wochenlang die Kommunalpolitik. Es kam sogar zu Demonstrationen und Kundgebungen vor dem Rathaus. Schließlich zu einer denkwürdigen Gemeinderatssitzung in der Stadthalle, die von hunderten Zuhörern und etwa 50 Journalisten und Kamerateams vor allem auch aus Italien und Amerika verfolgt wurde. Geschickt fädelten Oberbürgermeister Richard Arnold und Bud Spencer einen Kompromiss ein, womit sie die erhitzten Gemüter im wahrsten Sinne des Wortes „abkühlten“: Nicht der Tunnel, sondern das Freibadsollte den großen Namen des Sympathieträgers ganzer Kino- und Fernsehgenerationen tragen. Bud Spencer wurde aus Rom live in die Gemeinderatssitzung zugeschaltet, damit er weltweit Freude und Zustimmung kundtun konnte, um die Krise in Schwäbisch Gmünd beizulegen. Am 2. Dezember 2011 dann der große Tag: Bud Spencer reiste nach Schwäbisch Gmünd, besuchte seine historischen Carlo-Pedersoli-Wirkungsstätten und taufte die Badeanstalt: „Bud-Spencer-Freibad“ oder im Volksmund auch kurz und bündig „Bud-Bad“ genannt.

Aus dem Taufakt wurde ein weltweit beachtetes Volksfest mit einem riesigen Medienrummel. Schon ein Jahr später war Bud Spencer erneut zu Gast, um den Gmündern zum 850-jährigen Stadtjubiläum zu gratulieren. Bei allen Gelegenheiten erlebten die Bürger in ihrer Stadt den Weltstar als einen herzensguten, bescheidenen, liebenswürdigen und weltoffenen Menschen. Nur einmal wurde er beim Empfang im Rathaus von einem skeptischen Stirnrunzeln befallen, als ihm eine mit unbekannten schwäbischen Maultaschen belegte Pizza serviert wurde.

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