Obwohl der VfB Stuttgart die Wechsel von Serhou Guirassy und Waldemar Anton nach Dortmund verkraften muss, ist die Stimmung beim Trainingsstart optimistisch. „Man kann hier weiter viele positive Dinge entwickeln“, sagt der Trainer Sebastian Hoeneß.
Im benachbarten EM-Stadion herrscht an diesem Donnerstagvormittag mit Blick auf die Vorbereitung des Viertelfinales zwischen Deutschland und Spanien am Freitag (18 Uhr/ARD) eifrige Betriebsamkeit, als auch der Fußball-Bundesligist VfB Stuttgart einen Gang höher schaltet. Der Rasen ist kurz vor dem Trainingsstart in die neue Saison auf dem Clubgelände noch einmal bewässert worden, als der Trainer Sebastian Hoeneß seine Spieler um 10.30 Uhr zum Auftakt der neuen Saison erstmals aus der Kabine lässt.
Sechseinhalb Wochen sind es noch, bis die Cannstatter am Samstag, 17. August, im Supercup beim deutschen Meister Bayer Leverkusen zu ihrem ersten Pflichtspiel antreten. Insgesamt 24 Feldspieler sowie drei Torhüter bietet der VfB zum ersten Training auf – darunter die sieben Neuzugänge Jeff Chabot und Justin Diehl (beide 1. FC Köln), Ramon Hendriks (Feyenoord Rotterdam), Yannik Keitel (SC Freiburg), Nick Woltemade (Werder Bremen), Frans Krätzig (Bayern München/Leihe) sowie Torhüter Stefan Drljaca (Dynamo Dresden), während Fabian Rieder (Stade Rennes/Leihe) mit der Schweiz noch bei der EM im Einsatz ist. Von der zweiten Mannschaft sind Jarzinho Malanga, Luca Raimund, Raul Paula, Moussa Cissé und Christopher Olivier dabei.
„Die letzte Saison lässt sich nicht kopieren“, lautet die zentrale Botschaft des Chefcoaches Hoeneß, der rasch hinzufügt: „An meiner Überzeugung, dass man hier viele positive Dinge entwickeln kann, hat sich aber nichts geändert.“ Das sieht auch Fabian Wohlgemuth so, der wie der Trainer am Vormittag in der Kabine zur Mannschaft gesprochen hat. „Ich habe viel Schwung und Tatendrang bei den Spielern gespürt“, sagt der VfB-Sportvorstand: „Wir gehen voller Überzeugung in die neue Runde, dass wieder Besonderes passieren kann.“
Neuzugang Justin Diehl führt sich gut ein
Also geht es auf dem Platz in einem Trainingsspiel auf engem Raum mit zwei großen Toren auch gleich zur Sache. Dabei führt sich unter anderem der Ex-Kölner Justin Diehl mit zwei stramm erzielten Treffern gleich einmal gut ein. In Josha Vagnoman und Nikolas Nartey sind auch zwei zum Ende der Vorsaison verletzte Spieler wieder am Ball.
Auf die beiden Schweizer EM-Fahrer Rieder und Leonidas Stergiou muss der VfB in der Vorbereitung vorerst verzichten, genauso wie auf das DFB-Quartett des Clubs mit Maximilian Mittelstädt, Chris Führich, Deniz Undav und Waldemar Anton, wobei gerade die sportliche Zukunft der letzten zwei trotz Abwesenheit auch zum Saisonstart ein Thema ist. „Er war ein großartiger Kapitän, hat sich mit Haut und Haaren reingehauen. Ich hätte mir gewünscht, dass er bleibt“, sagt Sebastian Hoeneß zum Wechsel von Waldemar Anton zu Borussia Dortmund. Dessen Management hat genauso wie das von Serhou Guirassy (ebenfalls zum BVB) dem VfB inzwischen offiziell mitgeteilt, dass man den Verein verlassen werde.
„Natürlich war ich auch erst mal sauer, dass sich das so entwickelt“, sagt Hoeneß zum Abgang des Trios Guirassy, Anton und Hiroki Ito (zum FC Bayern): „Aber ich denke positiv. Wir sind in der Lage, neue individuelle Qualität zum einen selber zu entwickeln – und auch von außen dazu zu führen.“ Derweil kann der Sportvorstand Wohlgemuth die Emotionen der Fans bis zu einem gewissen Grad verstehen: „Ich verstehe ihre Sorge, wenn ein erfolgreiches Team auseinandergerissen wird.“ Dass die wirtschaftlich Großen der Liga sich bei den kleineren Clubs bedienten, sei allerdings „Teil der Nahrungskette in diesem Geschäft“.
Demirovic bleibt ein heißer Kandidat
Und so könnte der Vizemeister seinerseits beim FC Augsburg, dem Elften der abgelaufenen Bundesliga-Saison, fündig werden. Während der Verbleib des zuletzt ausgeliehenen Deniz Undav bei den Stuttgarter Managern um Wohlgemuth oberste Priorität genießt („Wir tun sehr viel dafür, dass er weiter unser Spieler ist“), ist Ermedin Demirovic bei der Suche nach einem zentralen Stürmer ein ziemlich heißer Kandidat. „Er hat eine starke Saison gespielt“, sagt Fabian Wohlgemuth über den 26-Jährigen, der für die Augsburger in der Vorsaison auf 15 Tore und zehn Vorlagen kam. „Wir wissen, dass er in der Bundesliga funktioniert“, sagt der VfB-Sportvorstand weiter. Bleibt allein die Frage, ob der VfB Stuttgart den Doppelpack Undav und Demirovic wirtschaftlich gestemmt bekommt. Auch vor dem Hintergrund, dass dem Kader unter anderem in der Innenverteidigung noch Erfahrung zugeführt werden soll.