Noch prangt der vertraute Name Mack am Laden. Foto: Simon Granville

Die traditionsreiche Metzgerei Mack ist Geschichte. Auch wenn das Firmenschild außen noch prangt, wird der Betrieb bereits von Armin Häfele geführt. Das hat besondere Gründe.

Er habe sich ein Bein gebrochen, er habe Grippe: Vieles werde spekuliert, seit die Metzgerei länger als geplant nach den Faschingsferien geschlossen blieb, sagt Steffen Mack. Er bekommt das alles mit. Doch dass seine Metzgerei nach der traditionellen Schließung in der Faschingswoche zunächst nicht wieder öffnete, hat einen ganz anderen Grund. „Ich habe Leukämie“, sagt der Metzgermeister.

 

Steffen Mack geht offensiv um mit der Information, um Gerüchten entgegenzutreten, und um seine Familie und seine Mitarbeiter zu schützen. Denn inzwischen hat die Metzgerei in der Gerlinger Ortsmitte wieder geöffnet. Seine Mitarbeiter machen weiter, jedoch unter neuer Leitung. Der Metzgermeister Armin Häfele aus Winnenden im Rems-Murr-Kreis führt seinen Betrieb weiter.

Steffen Mack: „Es gibt immer nur einen Häuptling in einem Stamm“

Steffen Mack selbst fokussiert sich nun auf seine Genesung. Auf keinen Fall werde er aber in seinen Beruf zurückkehren, dessen ist sich der 58-Jährige sicher. An das bisherige Tagespensum ist vorerst ohnehin nicht zu denken. Mit ihm hat sich seine Familie ebenfalls aus dem Metzgerei-Unternehmen zurückgezogen. Einerseits, um den Ehemann und Vater zur Seite zu stehen, andererseits, um dem Nachfolger Armin Häfele nicht im Weg zu stehen. „Es gibt immer nur einen Häuptling in einem Stamm. Anders funktioniert es nicht“, sagt Steffen Mack.

Der 49-jährige Häfele hat die Metzgerei Mack und dessen neun Mitarbeiter binnen weniger Tage übernommen. Über Dritte war der Kontakt zustande gekommen, die Familien kannten sich vorher nicht.

Schnell haben sich die Familien Mack und Häfele verständigt: Sie eint die Wichtigkeit der Familientradition, beide Betriebe sind in dritter Generation. Nach der Einigung und Entscheidung für Gerlingen zögerte Armin Häfele nicht, die Metzgerei wieder zu öffnen. „Sonst wären die Mitarbeiter weg gewesen, aber auch die Kunden.“ Häfele schlachtet und produziert selbst. 40 Mitarbeiter hat er, der im elterlichen Betrieb groß geworden ist, seither beschäftigt.

Betriebsgröße entscheidet, wer wirtschaftlich bestehen kann

Steffen Mack hat den Betrieb von seinem Vater Heinrich übernommen. Der hatte zunächst in der Metzgerei seiner Schwiegereltern in Ludwigsburg gearbeitet, ehe er sich mit seiner Frau in Gerlingen selbstständig machte. Heinrich Mack starb im vergangenen Jahr – da hatte sein Sohn längst den Betrieb übernommen. Dass mit seiner Generation das Ende der vergleichsweise kleinen, familiengeführten Metzgerei kommen würde, hat Steffen Mack vorausgesehen: Um wirtschaftlich bestehen zu können, zähle vor allem die Betriebsgröße. Seine beiden Kinder schlugen beruflich andere Wege ein, selbst wenn sie im Hintergrund in der Metzgerei tätig waren.

Steffen Mack in der Metzgerei im Jahr 2018 Foto: StZN

Macks Sohn Nicolai, ein studierter Wirtschaftswissenschaftler, hatte zwar Einblick in die Metzgerei, dadurch, dass er im Büro mitarbeitete. Aber auch für den Doktoranden an der Uni Hohenheim war es klar, jetzt vollständig aus dem Betrieb auszusteigen. Er koordiniert in diesen Tagen noch vieles, was mit der Metzgerei zu tun hat. Vor allem aber würdigt er den Zusammenhalt der Mitarbeiter und betont die Geschlossenheit, mit der sich die Familie der Situation stelle. „Das zu sehen, ist superschön.“