Angesagt: Ton in Ton, edel und mit einem besonderen Accessoire. Foto: Katrin Maier-Sohn

Das Stuttgarter Frühlingsfest auf dem Cannstatter Wasen hat begonnen. Wir haben zwei Modeexpertinnen gefragt, was man dieses Jahr im Bierzelt tragen sollte – und was so gar nicht geht.

Die Zeiten, in denen die Schwaben mit Jeans und T-Shirt auf den Cannstatter Wasen gegangen sind, sind lange vorbei. Wer das Bierzelt besucht, trägt heutzutage Tracht, so ist das nun mal. Doch von der Rocklänge über die Schuhauswahl bis hin zum Männerhemd – bei der Outfitwahl kann man so einiges falsch machen. Schnell fällt auf, wer trendbewusst auf der Bierbank schunkelt oder nur das alte Dirndl von vor zehn Jahren rausgekramt hat. Wir haben mit Modedesignerin Sonja Grau, Personal Shopperin aus dem bayerischen Senden und Claudia Ennemoser, Verkäuferin bei „Amadeus“ auf dem Stuttgarter Frühlingsfest, über die Trachten-Trends 2026 gesprochen.

 

Welche Dirndltrends gibt es in diesem Frühjahr?

Sonja Grau: Stil und Eleganz sind angesagt. Diesen Trend finde ich persönlich sehr schön. Die Tradition wird bewahrt, sie wird aber ihren klassischen, manches Mal gar langweiligen Ausdruck verlieren. Die Materialien sind in dieser Saison wundervoll. Oftmals ist es ein Materialmix, zum Beispiel aus Seide, Leinen und Baumwolle, angenehm zu tragen und ohne starken Knittereffekt. Die Materialien schmeicheln und haben eine nahezu unschlagbare edle Ausstrahlung. Bei der Schürze sollte man auf eine Seidentaftschürze zurückgreifen. Sie sitzt gut und auch die Schleife, welche für den Flirtfaktor sehr wichtig ist, sitzt bei der Seidentaftschürze am besten. Sie bleibt den ganzen Tag in Form, so, wie sie gebunden worden ist.

Welche Farben sind angesagt?

Claudia Ennemoser: In diesem Jahr wird wieder viel Ton in Ton getragen. Pastell- und Grüntöne sind sehr beliebt. Häufig haben die Blusen den gleichen Farbton wie das Dirndl, also alles eher schlicht und edel.

Sonja Grau: Ja, und bei den Blusen ist Transparenz ein großes Thema. Dann oftmals mit kleinen Details, zum Beispiel kleinen Stickereien. Die Ärmel sind in dieser Saison puffig, flügelig, schräg geschnitten oder auch bis zur Ellbogenbeuge reichend. Bei nicht transparenten Blusen ist der Ausschnitt recht tief.

Was ist ein Dirndl-No-Go?

Claudia Ennemoser: Ganz kurze Dirndl sind out, das trägt man nicht mehr. Angesagt ist alles, was übers Knie reicht, insbesondere die sogenannten Midi-Dirndl. Und auch Spitzenschürzen gehören eher der Vergangenheit an, da setzt man auch auf etwas Schlichtes.

Was trägt Frau sonst?

Sonja Grau: In dieser Saison sieht man neben der dreiteiligen Dirndl-Kombination aus Dirndl, Bluse und Schürze auch Dirndl in Gänze, also sogenannte Dirndlkleider. Oftmals sind sie mit einem tiefen Ausschnitt versehen und verfügen über eine Schmuck-Stein-Knopfleiste. Die Ärmel sind meist Puffärmel.

Und was trägt der Mann?

Claudia Ennemoser: Der Mann trägt nach wie vor Lederhose. Dazu am besten ein Hemd und eine Weste. Zur Weste passen am besten weiße Hemden. Die früher mal sehr verbreiteten rot-weißen Karohemden werden heutzutage überwiegend nur noch von den Touristen gekauft und getragen.

Sonja Grau: Stickereien an der Lederhose sind sehr beliebt. Die Lederhose in kurz oder knieumspielend liegt im Trend, die lange Lederhose hingegen ist out. Die ärmellose Weste und der Janker dürfen gerne Farbe haben: Blau, grün, grau, orange, rot, gelb - für die Trachten-Männerwelt sind diese Farben sehr im Trend. Langweilig war gestern! Wichtig ist nur, dass das Outfit am Ende Stil hat.

Jedes Jahr eine wichtige Frage: Welche Schuhe sind die richtigen zur Tracht?

Sonja Grau: Sneaker sind ein modischer Begleiter für den Mann.

Claudia Ennemoser: Bei Frauen aber eher nicht. Hier bieten sich Stiefeletten mit kleinem Absatz an.

Im vergangenen Jahr wurde viel Haarreif getragen. Gibt es in diesem Jahr auch ein beliebtes Accessoire?

Claudia Ennemoser: Ja, das gibt es tatsächlich. Besonders gut kommen Tücher an, also kleinere Nickitücher. Diese kann man klassisch um den Hals knoten oder man bindet sie in seine Dirndlschleife mit ein.