Elefanten in freier Wildbahn zu erleben, steht auf der Wunschliste von Namibia-Reisenden weit oben. Der imposante Dickhäuter ist des Touristen Freud’, aber oft auch des Bauern Leid. Mehrere Projekte in dem südwestafrikanischen Land bemühen sich um die friedliche Koexistenz von Mensch und Tier.
Der Jeep bahnt sich holpernd einen Weg durch das ausgetrocknete Flussbett des Ugab. Die Landschaft im Damaraland ist ein Traum in rotem Granit, mit rund geschliffenen Riesenmurmeln, welche die Natur zu oft aberwitzigen Gebilden aufgestapelt hat. Eine Affenbande tobt in einem der zotteligen Anabäume. Der Fluss führt bis zum Atlantik in gut 150 Kilometer Entfernung und dorthin ergießt er sich auch – wenn er denn mal vollläuft. Der Boden ist übersät mit weißen Steinen, Quarzen, die vom Mineralienreichtum des Landes zeugen.
Die Alten schlafen, die Jugend tollt herum
Im graugrünen Buschland neben dem Flussbett entdeckt Charles Moloto die ersten Elefantenspuren, runde Tapser im sandigen Boden. Sein Kollege Mattias Kangumbe weist auf einen ziemlich abgenagten Mopanebaum hin: „Die Elefanten fressen das sehr gerne, die Blätter als Wasserersatz, aber auch die Rinde.“ Wenig später führt frischer Elefantendung auf die Erfolgsspur: Im Schatten der Bäume hält eine ganze Gruppe Elefanten Siesta. Die Alten schlafen, fressen oder bewerfen sich mit Sand gegen die Mücken. Die Jugend tollt übermütig herum, unauffällig beobachtet von den Müttern. Charles und Mattias kennen die meisten Tiere, denn sie gehören zum Team der Elefantenschutz-Organisation Ehra.
Mit Waffengewalt gegen Elefanten
„Die Elefanten hier verschwanden, als 1975 Siedler kamen und Farmen einrichteten. Aber als alles fertig war, kamen die Elefanten zurück und holten sich auf den Farmen Wasser, Obst und Gemüse – natürlich ohne Rücksicht auf Bäume, Zäune oder Mauern“, erzählt Charles. Die Farmer wehrten sich mit Waffengewalt. Die drohende Ausrottung der Elefanten rief die Freiwilligen-Organisation Ehra (Elephant Human Relations Aid) auf den Plan, die sich seit 2003 um ein funktionierendes Miteinander bemüht. Zum einen durch Aufklärung, zum anderen durch praktische Tipps. „Wir haben Mauern um das Wasser herum gebaut und Wasserlöcher für die Elefanten geschaffen“, sagt Mattias. „Gebt dem Elefanten Raum, dann macht er nix“, heißt sein Credo. Dass die neuen Brunnen mit dem Strom von Solarpaneelen pumpen und damit die Farmer keinen Diesel mehr kosten, habe allerdings auch bei der Akzeptanz geholfen, sagt er augenzwinkernd.
Farmer Daniel, der Rinder, Ziegen, Schweine und Hühner hält, hat grobe Steinwürfel um seinen Wassertank aus Plastik gehäuft. Sein Gemüsegarten ist ummauert, zudem sind die Beete umrahmt von einem kleinen Wall aus Elefantendung, auf dem roter Pfeffer wächst. Das trickst den feinen Geruchssinn der Elefanten aus. Meistens jedenfalls. Und wenn nicht? „Die Elefanten tragen einen Chip und wir schlagen Alarm, wenn einer das Flussbett verlässt und in Richtung einer Farm marschiert. Dort hilft entweder die Festbeleuchtung oder der Elefantenjäger kommt und treibt ihn weg“, berichtet Charles.
Auf dem Stundenplan steht Elefantenwissen
Lebensnah gestaltet sich auch die Aufklärung. Nach dem Motto „Über die Kinder erzieht man die Eltern“ funktioniert das Projekt an einer nahen Schule, wo Ehra-Mitarbeiter Elefantenwissen unterrichten. Zum Beispiel, dass die Elefanten im Damaraland wüstenadaptierte Elefanten sind. Sie können deutlich länger als ihre Kollegen im Etosha-Nationalpark ohne Wasser auskommen und haben dickere Füße für die Sandmärsche und längere Beine, um weitere Strecken zum nächsten Wasser zu laufen.
509 Kinder zwischen 6 und 16 Jahren werden hier von Lehrerin Marcella Tjizumane und nur 13 Kollegen betreut. „Zur Zeit sind Schule und Internat komplett voll“, sagt die Lehrerin und seufzt – um sich sofort wieder der fröhlichen Schar, die sie umringt, zuzuwenden. Hier eine Streicheleinheit, dort ein aufmunterndes Lächeln, da eine freundliche Ermahnung – die gute Seele der Schule scheint überall zu sein. Nur 40 Kinder kommen aus der dünn besiedelten direkten Umgebung und laufen abends kilometerweit nach Hause, der Rest wohnt im Internat. Für sie beginnt gerade die erste Essensschicht und obwohl der Lärm im offenen Speisesaal ohrenbetäubend ist, herrscht höchste Disziplin beim Anstehen für Maisbrei, Toastbrot und ein Ei.
Aus dem sonnendurchglühten Damaraland führt die Fahrt gen Norden durch endlose staubige Weiten mit graugrünen Büschen und mannshohen Termitenhügeln, die aussehen wie Trutzburgen aus einem Fantasyfilm. Dann wird der Bewuchs dichter, die ersten Bäume tauchen auf, bis in den Etosha Heights lichter Wald die hügelige Landschaft sprenkelt. Hier, in unmittelbarer Nachbarschaft des Etosha-Nationalparks, forscht man ebenfalls am Verhalten der Elefanten.
Der „Elefantenpapst“ wirbt für Toleranz
Auch Professor Morgan Hauptfleisch geht es darum, die Interessen von Tier und Mensch unter einen Hut zu bringen. Denn die im Schutz des Etosha-Nationalparks lebenden Elefanten wandern auf der Suche nach Wasser auch in die bewohnte Nachbarschaft – „bis zu 40 Kilometer am Tag“, weiß Namibias „Elefantenpapst“. Die Grenzen des Parks verlassen sollen die Tiere durchaus, zum Erhalt der genetischen Vielfalt und wegen der zunehmenden Dürren. „Wir wollen Toleranz schaffen bei der Bevölkerung“, sagt Hauptfleisch. Wer Wildtiere auf seinem Gelände akzeptiert, solle davon auch profitieren.
Konkret heißt das, dass Wildreservate entstehen, in denen sich die Elefanten frei bewegen können. Wie sie das tun, untersucht Morgans Monitoring-Projekt zum Wildwechsel im Etosha-Gebiet. Daran arbeiten Studenten aus Namibia, Potsdam und Glasgow mit. Der Gegenwert für die Landbesitzer ist, dass sie ausgewählte alte Elefanten für den Abschuss an Trophäenjäger verkaufen dürfen und in ihren Reservaten Touristen beherbergen und Pirschfahrten anbieten können.
Giraffenmänner kämpfen mit den Hörnern
Diese Safaris stehen denen im Nationalpark wenig nach: Grevin, der Guide der Safarihoek Lodge nahe Anderson Gate, lenkt den Jeep umsichtig zwischen Felsbrocken und von Elefanten niedergetrampelten Korkeichen hindurch. Kaptauben kreischen, die Insektenwelt summt und sirrt. Dann tauchen Giraffen auf, die Grevin anhand der Hörner identifiziert: „Die mit den dickeren Hörnern sind Männer, sie kämpfen damit.“
Hüpfende Springböcke und ein knurrender Erdwolf
Als Nächstes kreuzt eine Art Fasan den Weg. Der Guide nennt die Vögel „Suicide Chicken“, weil sie scheinbar todesmutig in wildem Zickzack durch die Gegend rennen. An Baumskeletten hängen die kunstvollen Nester des Webervogels, den sandigen Boden überziehen Tierspuren. Ein Erdwolf verlässt knurrend seine Sandkuhle, eine ganze Kompanie Springböcke hüpft herum und auch der Oryx, das Wappentier Namibias, lässt sich blicken. Und am Wasserloch warten schon die Elefanten.
Anreise
Ab Frankfurt mit Ethiopian Airlines mit Umstieg in Addis Abeba, www.ethiopian-airlines.com oder mit Eurowings Discover, www.eurowings.com
Unterkunft
In Windhuk: Avani Windhoek Hotel & Casino, DZ/F ab 79 Euro, www.avanihotels.com Beim Etosha-Nationalpark: Safarihoek Lodge, DZ/HP ab 236 Euro, www.naturalselection.travel/camps/safarihoek/ Im Damaraland: Ozondjou Trails Camp, 3 Tage, 2 Nächte VP incl. Programm 450 Euro pro Person im Doppelzimmer, www.namibia-tracks-and-trails.com/tented-camp/ozondjou-trails/ In Swakopmund: The Delight, DZ/F ab 83 Euro, www.store.gondwana-collection.com
Veranstalter
Enchanting Travels bietet maßgeschneiderte Touren in Namibia an, bspw. 10 Tage „Verborgene Schätze in Namibias Norden“ ab 6390 Euro inkl. Verpflegung, Fahrten, Safari etc. zzgl. Flug pro Person. www.enchantingtravels.com/de/ Touren in Namibia bieten auch Dertour, www.dertour.de und Berge & Meer, www.berge-meer.de
Allgemeine Informationen
Tourismusbehörde Namibia, https://visitnamibia.com.na/