Tote Stuttgarter 2025: Diese Menschen hinterlassen große Lücken in der Landeshauptstadt

Radiolegende Matthias Holtmann ist im November im Alter von 75 Jahren gestorben. Er prägte das Lebensgefühl einer ganzen Generation im Südwesten.
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Ohne Gudrun Schretzmeier wäre das Theaterhaus nicht das, was es heute ist. Die Kostüm- und Bühnenbildnerin gründete die Institution nicht nur mit, sondern blieb Stuttgart stets verbunden – obwohl sie weltweit an Produktionen mitgewirkt hatte. Für Gauthier Dance stattete sie fast alle Tanzproduktionen aus. Schretzmeier wurde 84 Jahre alt und starb im September, nachdem sie zuvor schwer erkrankt war.
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Claus Peymann gilt als einer der bedeutendsten Theaterregisseure seiner Zeit. Auch in Stuttgart hat er Geschichte geschrieben. Das Staatstheater Stuttgart ließ ihn am Ende seiner Zeit in der Landeshauptstadt 1979 nur unter Tränen während des Abschiedsapplauses gehen. Der „Theaterpapst“ Peymann wurde 88 Jahre alt und starb in Berlin.
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Peter Beye (rechts), im Bild mit Joseph Beuys, war zwischen 1969 und 1994 Direktor der Stuttgarter Staatsgalerie. Sein Anteil daran, dass das Kunstmuseum als eines der deutschlandweit bedeutendsten gilt, kann gar nicht hoch genug eingeschätzt werden. Beye starb im November im Alter von 93 Jahren in Stuttgart.
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Frank Laufenberg galt seit 1960 als Radiopionier. „Deutschland verliert einen der profiliertesten und erfolgreichesten Radio-DJs der Nachkriegszeit“, sagt sein wenig später verstorbener SWR-Kollege Matthias Holtmann nach Laufenbergs Tod im Juli unserer Redaktion. Laufenberg galt als wandelndes Poplexikon. Er wurde 80 Jahre alt.
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Die Sopranistin Beate Ritter wurde nur 41 Jahre alt. Nachdem sie sechs Jahre bis 2024 im Dienst der Stuttgarter Staatsoper stand, war sie weltweit gefragt – brachte sie doch sowohl herausragende darstellerische als auch gesangliche Qualitäten mit. Im Juni schockierte ihre Todesnachricht die Kulturszene.
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Kaum einer konnte tanzen wie er: Ballet-Star Ray Barra. Für ihn hat John Cranko die Rolle des Romeo choreografiert. Der ehemalige Erste Solist des Stuttgarter Balletts starb mit 95 Jahren am 26. März. Ein Achillessehnenriss beendete die Karriere des Tänzers vorzeitig im Alter von 36 Jahren.
Ken Bell
Der Maler Jürgen Leippert hatte im Oktober 2025 erst sein Atelier geschlossen und ein Interview mit unserer Zeitung geführt, bevor er wenige Tage später an den Folgen eines Schlaganfalls starb. Leippert, in Bad Cannstatt aufgewachsen, wurde unter Kreativen zeitlebens geschätzt. Er wurde 81 Jahre alt.
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Thomas Kelleins Name wird immer mit dem Stirling-Bau der Stuttgarter Staatsgalerie verwoben sein, der 1984 eröffnete. Der Kunsthistoriker wirkte in mannigfaltiger Weise in Stuttgart, formierte unter anderem die Mercedes-Benz-Kunstsammlung neu. Kellein starb nach schwerer Krankheit im September im Alter von 70 Jahren.
Bergos AG
Michael Schüller prägte über Jahrzehnte hinweg Stuttgarts Musicalszene. Besonders die Umstände des 1966 in Darmstadt geborenen Produzenten machen betroffen: Ende September verunglückte Schüller mit dem Motorrad. Seine Mitternachtskonzerte im SI-Centrum galten als Kulttreffs in Stuttgart – eine seine großen Leidenschaften als Musiker war das Schlagzeug.
Musicalpeople
Gabriel Feltz hat als Chefdirigent den Stuttgarter Philharmonikern zu ganz neuer Qualität verholfen. Beobachter bewerteten seine Zeit dort ab den frühen 2000ern als „Blütezeit“ des Orchesters. Feltz ist im September unerwartet im Essener Universitätsklinikum verstorben. Er wurde nur 54 Jahre alt.
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Er brachte Größen wie Topas, Andy Häussler und Roxanne das Zaubern bei: Eberhard Riese, der Ehrenpräsident des Magischen Zirkels Stuttgarts. Besonders der erfolgreiche Zauberer-Nachwuchs im Kessel ist sich einig, dass Riese, der bis zu seiner Pensionierung auch Lehrer für Mathe, Deutsch und Geschichte war, Stuttgart zur Zaubermetropole gemacht hat. Er starb im Alter von 73 Jahren.
privat
Der Wahl-Stuttgarter Dietmar Henneka prägte die Werbefotografie Jahrzehnte lang. Vor allem Autos wusste er in Szene zu setzen, arbeitete für Mercedes-Benz, Porsche und viele andere. Ganz bescheiden war er nicht immer: „Unbescheidenerweise“, stand auf seiner Homepage, habe er „ziemlich viele Auszeichnungen“ erhalten. Henneka ist im Alter von 83 Jahren gestorben.
Wilhelm Betz
Der ehemalige Stuttgarter Bau- und Umweltbürgermeister Matthias Hahn (SPD) gilt vielen als Architekt der sozialen Stadt. Der S21-Skeptiker hat viele auch heute noch geschätzte Projekte vorangebracht – entscheidend beteiligt war er beispielsweise an der Aufwertung des Marienplatzes, früher eine Schmuddelecke, heute pulsiert dort das Leben. Hahn wurde 77 Jahre alt.
Lichtgut/Leif Piechowski
Die ehemalige Grünen-Stadträtin Hilde Mezger konnte als gläubige Christin, gestandene Bäuerin, Hausfrau und Mutter eine bemerkenswerte Breite der Gesellschaft abholen. 25 Jahre lang prägte sie Kommunalpolitik im Stuttgarter Gemeinderat mit. Sie setze sich dort vor allem für die Schwachen und für ökologische Belange ein. Mezger starb Anfang März im Alter von 84 Jahren.
Archiv Norbert J. Leven
Ohne ihn würde es das Stadtpalais in seiner jetzigen Form vermutlich nicht geben: Jahrelang kämpfte Wolfgang Müller als Vorsitzender der Initiative Stadtgeschichte für das Museum – und es hat sich ausgezahlt. Im Januar 2025 ist er kurz vor seinem 90. Geburtstag gestorben.
privat
Der Polizeibeamte Willi Burger (Mitte) wird unter anderem für die Fußball-WM 2006 in Erinnerung bleiben – denn er war für die Sicherheit verantwortlich. Als Pensionär wurde er damals von Wolfgang Schäuble persönlich gebeten, das Sicherheitskonzept zu beaufsichtigen. Am 30. Oktober ist der Rutesheimer im Alter vom 86 Jahren überraschend verstorben.
Simon Granville
Theodor Prinzig war Vorsitzender im spektakulärsten Prozess der deutschen Rechtsgeschichte: dem Stammheimer Baader-Meinhof-Prozess. Im April ist der Jurist im Alter von 99 Jahren gestorben. Prinzig unterliefen in dem 192 Verhandlungstage dauernden Mammutprozess Verfahrensfehler, sodass das Urteil – lebenslange Freiheitsstrafen für Andreas Baader, Gudrun Ensslin und Jan-Carl Raspe – von seinem Nachfolger Eberhard Foth verkündet wurde. Prinzig war Vorsitzender Richter des Großen Strafsenats am Oberlandesgericht Stuttgart.
Imago/Arnulf Hettrich
Volkmar Mair (rechts, im Bild mit Tochter Stephanie Mair-Huydts), gründete mit der Mediengruppe MairDumont (Marco Polo) den größten Reiseverlag der Welt in Ostfildern. Das Reisen war für ihn nicht nur ein Geschäft, sondern auch eine Leidenschaft: Mair umsegelte etwa das Kap Horn und erkundete an Bord eines russischen Eisbrechers den Nordpol. Im April ist er im Alter von 93 Jahren gestorben.
Ines Rudel
Tilman Todenhöfer arbeitete 40 Jahre lang bei Bosch, elf davon als Mitglied der Geschäftsführung. Er verantwortete damals die Bereiche Personal und Recht. Am 9. Januar 2025 ist er im Alter von 81 Jahren gestorben.
Bosch
In der Region Stuttgart galt Klaus Kienle als „Oldtimerkönig“, Mercedes-Flügeltürer waren seine Spezialität als Restaurator. In seinen letzten Lebensjahren litt der gute Ruf des Autohändlers aufgrund von Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Stuttgart wegen des Verdachts auf Betrug. Kienle starb im Alter von 77 Jahren in seinem Leonberger Wohnhaus.
Simon Granville
Generationen junger Menschen in Möhringen und Oberaichen hat sie als Lehrerin und in der Kirchengemeindearbeit Rückenwind gegeben. Roswitha Stroezel war Jahrzehnte lang, zeitweise als Konrektorin, an der Salzäckerschule in Stuttgart-Möhringen tätig, erst nach 31 Jahren Engagement ließ sie die Kirchengemeinderatsarbeit ruhen. Stroezel verstarb im Januar 2025.
Matthias Stroezel
Schulleiter Wolfgang Krause begleitet unzählige junge Menschen durch die Schulzeit. Am Echterdinger Gymnasiums unterrichtete er über 30 Jahre lang, mehr als zwei Jahrzehnte war er dort Rektor. Wolfgang Krause ist Anfang August mit 66 Jahren gestorben.
Michael Werner
Der Stuttgart Arzt Suso Lederle war ein überregional bekannter Internist. Seine Kompetenz war nicht nur viele Jahre als Teamarzt bei den Stuttgarter Kickers gefragt, auch im privaten wie öffentlich-rechtlichen TV wurde er immer wieder zurate gezogen. Erst im Sommer 2024 hatte der Hausarzt seine Praxis in Stuttgart aufgegeben. Lederle wurde 74 Jahre alt.
Achim Zweygarth
Im Stuttgarter Westen hat es wahrscheinlich keine bekanntere Buchhändlerin als Marie-Luise Zeuch gegeben. Noch mit 89 Jahren führte sie das Geschäft, in dem auch Spielwaren erhältlich waren. Aus Altersgründen hatte sie geplant, Schluss zu machen. Kurz vor dem geplanten Ausverkauf erschütterte ihre Todesnachricht im September viele Stuttgarter.
Lichtgut/Leif Piechowski
Bereits im Januar 2025 musste Stuttgart von Josefa Fuchs Abschied nehmen. Die „gute Seele des Perkins Park“ wurde nur 48 Jahre alt, stand zwei Jahrzehnte in dem Club am Killesberg an der Kasse. „Jo“, wie sie von den meisten genannt wurde, zeigte trotz ihrer nur 1,50 Meter Körpergröße Durchsetzungsvermögen an der Tür – die bulligen Türsteher brauchte sie oft gar nicht, wenn es mal Ärger hab. Sie hinterlässt einen damals 21-Jährigen Sohn. Als mögliche Todesursache wurde aus ihrem Umfeld Herzversagen genannt.
privat
Babis Katranis (rechts) machte die Waldschenke Sieben Linden in Stuttgart zu einer Institution. Das Ausflugslokal war für leckere schwäbische Kreationen bekannt – ganz besonders für seine Maultaschenvarianten. Im November starb er völlig überraschend im Alter von nur 58 Jahren.
Lichtgut
Viele Jahre lang war der Imbiss Zum Zum an der Bolzstraße für Stuttgarts Feiernde eine der ersten Adressen für einen Nachtsnack. Das Zum Zum gibt es schon lange nicht mehr, die Nachricht, dass die damalige Wirtin Nada Popek im Januar 2025 mit 85 Jahren starb, berührt trotzdem viele Nachtschwärmer, die die Zeit noch miterlebt hatten. Das Stadtmagazin „Lift“ ernannte die Kroatin in den 1990ern gar zur „Mutter Teresa der Szene“; Popek lud Obdachlose zu Glühwein und Göckele ein.
Thomas Hörner
Der Möhringer Landwirt Klaus Brodbeck war über den Stadtbezirk hinaus bekannt. „Bauer Klaus“, wie ihn viele nannten, ist am 9. September im Alter von nur 62 Jahren verstorben – vermutlich infolge eines Herzinfarkts. Brodbeck baute seinen Hof zu einem Biohof um und engagierte sich in verschiedenen Bereichen ehrenamtlich.
Robin Rudel
Mit Ursula Schwab hat Stuttgart eine ganz besondere Boutiquenbesitzerin in Stuttgart verloren, die an vielen Standorten in der Landeshauptstadt und im Umland Geschäfte führte. Manche nannten sie die „Grande Dame der Stuttgarter Modewelt“. Zuletzt konzentrierte sie sich auf den Standort Sillenbuch. Schwab zog sich aus gesundheitlichen Gründen mit 72 Jahren ins Private zurück, zwei Jahre später verstarb sie.
Caroline Holowiecki
Roland Mall (am Ball) hat viele Wegbegleiter bis zuletzt mit seiner Fitness beeindruckt. Viele Jahre kickte er für den VfB, zeitweise auch in der Nationalmannschaft. Dem Club mit dem Brustring blieb er auch nach seiner Profikarriere noch in der Traditionself verbunden. Mall starb im April unerwartet im Alter von 73 Jahren. Ein Aneurysma hat ihn wohl das Leben gekostet.
Pressefoto Baumann
Der Rockfabrik-Gründer Roland Bock war streng genommen kein Stuttgarter, sondern hat vor allem Ludwigsburg mit der Institution „Rofa“ bereichert. Und da es in Stuttgart keine vergleichbare Institution gab, zog es immer viele Nachtschwärmer in den Nachbarlandkreis. Bock führte ein wildes Leben – war Millionär und pleite, begnadeter Ringer, der sogar mal mit einem Stier gekämpft hatte. Er starb im Dezember und wurde 81 Jahre alt.
Pressefoto Baumann
Das Jahr 2025 war für Stuttgart wieder ein bewegtes – bei vielen Entwicklungen ist noch nicht abzusehen, wohin sie führen werden. Aber es gab auch wieder viel Endgültiges. Stuttgarter, die in den vergangenen zwölf Monaten verstarben und Lücken hinterlassen, die nicht einfach zu füllen sind: Weil sie die Stadt ganz individuell und einzigartig prägten. Sei es im öffentlichen Leben wie in Politik, Kultur und Sport oder Menschen, die Stuttgart im Kleinen zu der besonderen Stadt machen, die sie ist – ob sie nun Stuttgarter im Herzen waren oder ihre Namen auf andere Weise untrennbar mit der Stadt verbunden bleiben werden.
An dieser Stelle wollen wir noch einmal Menschen würdigen, die Stuttgart schmerzlich vermissen wird. Wir haben einige von ihnen – ohne Anspruch auf Vollständigkeit – in unserer Bildergalerie gelistet.