Spannende Torwartfrage beim VfB: Alexander Nübel geht – und ein externer Kandidat hat bei der sportlichen Leitung offensichtlich bessere Karten als Eigengewächs Dennis Seimen.
Am Ende blieb es dem Chefcoach Sebastian Hoeneß vorbehalten, die drei erfolgreichen Spielzeiten seines Stammkeepers Alexander Nübel beim VfB Stuttgart mit viel Lob abzumoderieren: „Es hat enorm Spaß gemacht. Und auch, wenn wir uns dafür entschieden haben, ich werde ihn vermissen“, sagte der Trainer über seine scheidende Nummer eins: „Er ist ein großartiger Torwart – aber er ist auch ein großartiger Mensch, an den ich immer gerne denken werde.“
Alexander Nübel verlässt also den Verein, sodass die Stuttgarter für die kommende Saison eine neue Nummer eins im Tor präsentieren müssen. Für ein weiteres Leihgeschäft mit dem FC Bayern, bei dem Nübel noch einen Vertrag bis Sommer 2030 besitzt, hätte man sich beim VfB auch für eine dann vierte Spielzeit noch einmal erwärmen können. Doch dazu kam ein klares „Nein“ aus München. Ein Kauf des Torhüters, der allein rund elf Millionen Euro pro Saison verdient, kam aus finanziellen Aspekten für die Stuttgarter auch mit Blick auf eine Ablösesumme nie infrage.
Also trennen sich die Wege – und jeder Club hat seine Hausaufgaben zu machen: Da sind zunächst die Bayern, die für Alexander Nübel, der in den FCB-Planungen keine Rolle spielt, einen potenten Käufer oder neuen Partner für ein Leihgeschäft finden müssen. Und es gibt den VfB, bei dem sich die Suche nach der neuen Nummer eins rund ums DFB-Pokalfinale in Berlin bereits zur Top-Personalie entwickelt hatte – und zwar vor der Verkündung des Nübel-Abschieds durch den Trainer Hoeneß.
Denn nach Informationen unserer Redaktion ist der lang gehegte Plan, das aktuell an den SC Paderborn entliehene Torhüter-Eigengewächs Dennis Seimen zur Nummer eins für die neue Saison zu machen, mächtig ins Wackeln geraten (wir berichteten). Dabei treffen beim VfB intern zwei Sichtweisen aufeinander.
Die Sportchefs sind einer Meinung
Da sind zunächst die sportlich Verantwortlichen um Sebastian Hoeneß sowie den Sportvorstand Fabian Wohlgemuth und den Sportdirektor Christian Gentner. Dieses letztlich in Kaderfragen entscheidende Trio ist sich in seiner Auffassung offenbar einig, dass es für die kommende Runde zu riskant sei, mit Seimen einen 20-jährigen Keeper ohne ein einziges Erstligaspiel zum Stammtorhüter eines Champions-League-Clubs zu machen.
Trotz allen Talents und der Tatsache, dass der aus Heilbronn stammende Seimen bislang jede Hürde (dritte Liga mit dem VfB II, dann zweite Liga in Paderborn) mit Bravour gemeistert hat. Vielmehr soll offensichtlich ein externer neuer Stammkeeper her, der bereits Erfahrung in der ersten Liga und bestenfalls auf der europäischen Bühne besitzt.
„Wir werden uns in der kommenden Woche auch mit der Torwartfrage beschäftigen“, sagte der Vorstandsboss Alexander Wehrle im Anschluss an das Pokalfinale in Berlin. Schließlich sollte unter anderem das Relegations-Rückspiel des SC Paderborn gegen den VfL Wolfsburg (Hinspiel 0:0) an diesem Montagabend (20.30 Uhr/Sat1) abgewartet werden. Der Hintergrund hierbei: Sollte Paderborn in die erste Liga aufsteigen, könnte man Dennis Seimen für eine weitere Saison verleihen – und der junge Torhüter könnte auf diesem Weg Erstligaerfahrung sammeln.
Dieser Plan ist aber bei den Gremien des VfB, allen voran der Mehrheit des Aufsichtsrates, auf wenig Gegenliebe gestoßen. Denn hier befürchtet man, dass Seimen mit der Verpflichtung einer externen Nummer eins auch langfristig die Chancen im Stuttgarter Tor verbaut würden. Zudem wird der Aspekt, dass es sich bei dem Keeper um einen Spieler aus dem eigenen Nachwuchsleistungszentrum (NLZ) handelt, also einem Profi mit Stallgeruch, ebenfalls sehr hoch angesiedelt.
Schließlich hat der VfB schon sehr lange keinen hausgemachten Spieler in seiner Profielf präsentiert, der eine lokale Identifikationsfigur fürs Publikum wäre. Dazu gesellt sich der finanzielle Aspekt. Dennis Seimen kostet anders als ein externer neuer Keeper keine Ablösesumme - und ist zudem vom Gehalt her die günstigere Alternative.
Doch Hoeneß, Wohlgemuth und Gentner müssen in erster Linie den sportlichen Erfolg im Blick haben. Das Risiko, mit einem jungen Keeper, dem in seinem Entwicklungsprozess möglicherweise mehrere Fehler in Serie unterlaufen, in der Bundesliga und der Königsklasse auf Topniveau performen zu müssen, ist ihnen offenkundig deutlich zu groß.
Also werden die Alternativen geprüft, ehe in dieser Woche die diversen Gremien des VfB gleich zu mehreren Sitzungen zusammen kommen. Der Augsburger Torwart Finn Dahmen (28 Jahre, 97 Bundesligaspiele), mit dem der FCA vor seinem Vertragsende 2027 in diesem Sommer letztmals eine Ablöse generieren könnte, wäre möglicherweise eine Option. Eine andere wäre Noah Atubolu, der den SC Freiburg verlassen wird.
Oder kommt womöglich mit dem Bietigheimer Bernd Leno vom FC Fulham ein alter Bekannter zurück zum VfB? Leno (9 A-Länderspiele) besitzt durch seine Zeit bei Bayer Leverkusen und dem FC Arsenal reichlich internationale Erfahrung. Mit 34 Jahren ist er zudem in einem Fußballeralter, in dem er Seimen die Zukunft nicht langfristig verbauen würde.