Jubel beim frisch gebackenen Meister. Von links: Trainer Andras Krenhardt, Alexandra Schankula, Fatme El Haj Ibrahim, Elisa Bao Chau Nguyen und Rhea Zhu Chen. Foto: Günter Bergmann

Das Tischtennisteam des DJK Sportbund Stuttgart macht mit zwei Heimsiegen vorzeitig den erstmaligen Aufstieg in die zweite Liga perfekt. Dabei war intern eigentlich schon ein Verzicht beschlossen.

In der bisherigen Abteilungsgeschichte waren es vorwiegend die Tischtennis-Männer, die beim DJK Sportbund Stuttgart für die Schlagzeilen gesorgt haben: Neun Jahre lang – als die höchste Spielklasse noch Oberliga und nicht Bundesliga hieß – waren sie von 1957 bis 1966 in Deutschland erstklassig. Die Höhepunkte waren eine nationale Vizemeisterschaft 1964 und der Gewinn des Europapokals ein Jahr später. Nach dem freiwilligen Rückzug der Männer im vergangenen Sommer von der dritten in die fünfte Liga ist aber spätestens jetzt die interne Wachablösung perfekt: Seit diesem Sonntag feiern die Frauen.

 

Mit einem 6:3-Sieg tags zuvor im Spitzenspiel gegen den BSC Rapid Chemnitz war der Weg bereitet. Keine 24 Stunden später haben die Stuttgarterinnen dann alles klar gemacht: Nach dem 6:1 ebenfalls in eigener Halle gegen die Leutzscher Füchse stehen Alexandra Schankula (40), Elisa Bao Chau Nguyen (16), Fatme El Haj Ibrahim (15) und Rhea Zhu Chen (14) bereits zwei Spieltage vor dem Saisonende als Meister der dritten Liga Süd fest. Dies bedeutet den erstmaligen Zweitliga-Aufstieg der Sportbund-Frauen.

„Wir haben schon vor der Saison betont, dass wir eine gute Mannschaft haben und unter den Top drei mitspielen wollen. Dass unsere überwiegend sehr junge Mannschaft aber so unglaublich souverän durchmarschiert, hat uns doch überrascht“, sagt Thomas Walter, seit mehreren Jahrzehnten die treibende Kraft in der Abteilung. 13 Siege, zwei Unentschieden und nur eine Niederlage (im Hinspiel in Leipzig) haben die drei Teenager und ihre erstligaerfahrene Anführerin Schankula in den bisherigen 16 Saisonspielen gesammelt. Dabei hatten sie in personeller Hinsicht auch das Glück des Tüchtigen. „Wir waren in der Hinrunde die einzige Mannschaft, die alle neun Spiele in der gleichen Besetzung absolvieren konnte“, sagt Schankula. Anderen erging es schlechter. Beispiel TSV Dachau II. Der Verfolger musste in den beiden direkten Duellen ohne seine Topspielerin Naomi Pranjkovic antreten.

Am seidenen Faden hing das Thema „Aufstieg“ letztlich weniger aus sportlichen Aspekten. Kurz bevor der Frist zur Einreichung der Zweitliga-Lizenzunterlagen ablief, war im Verein eigentlich schon die Entscheidung gefallen, zu verzichten. „Der Hauptgrund für den Gang in die zweite Bundesliga war ja, Elisa Nguyen dort eine adäquate Spielchance zu geben, und das hat sich ja zwischenzeitlich leider erledigt gehabt“, sagt die Mannschaftsführerin Schankula. Zur Erläuterung: Im Januar hatte das Toptalent des Kaders die Verantwortlichen dann darüber informiert, dass sie im Sommer zum Erstligisten TTC 1946 Weinheim wechseln wird. Für Nguyen macht dies auch in logistischer Hinsicht Sinn. Die Jugend-Mannschaftseuropameisterin lebt in Ettlingen bei Karlsruhe.

Nach ausführlicher Beratung haben Walter, Schankula und Co. aber doch entschieden, den Sprung nach oben zu wagen und sich nach ein oder zwei Neuzugängen umzuschauen. „Damit sollten wir eine Klasse höher gut mithalten können“, sagt Schankula, die selbst unter ihrem Geburtsnamen Urban mit dem TSV Betzingen und der SV Böblingen schon eineinhalb Jahrzehnte lang in den höchsten deutschen Ligen unterwegs war. „Wenn wir es nicht wagen würden, wäre die Mannschaft vermutlich komplett auseinander gebrochen“, sagt Walter.

Mit eben zwei potenziellen Zugängen, darunter einer neuen Nummer eins, steht er in aussichtsreichen Verhandlungen. Das finanzielle Risiko für den Gang in die zweite Liga hält Walter dabei für überschaubar. Was die Fahrtwege anbelangt, geht es künftig nicht mehr dreimal nach Sachsen, dafür in der deutschlandweit eingleisigen Spielklasse jeweils zweimal nach Bayern, Hessen, Nordrhein-Westfalen und auch Niedersachsen. „Der Etat wird sich um eine Summe im vierstelligen Bereich erhöhen, einen Teil der weiten Auswärtsfahrten können wir mit zwei Spielen an einem Wochenende machen“, sagt Walter.

Rund ein Drittel der Spielerinnen in der zweiten Liga sind Vollprofis. Der Sportbund selbst wird voraussichtlich auf Akteurinnen verzichten, die ausschließlich auf die Karte Tischtennis setzen. Und fürs Erste steht nun wie gesagt eh noch anderes auf dem Programm: Party-Time, Aufstiegsfeier.