Diese Katze hat ein Zuhause und Glück gehabt. Freilebende Katzen müssen sich hingegen selbst durchschlagen und sind oft krank (Symbolbild). Foto: Sina Schuldt/dpa

Die Katzenpopulation in Waiblingen steigt ständig, viele Tiere sind krank. Die Stadt will deshalb eine Katzenschutzverordnung erlassen. Welche Folgen hat das für Halter und Katzen?

Die Zahl ist schwindelerregend: Aus einer unkastrierten Katze können in zehn Jahren theoretisch bis zu 200 Millionen Nachkommen entstehen. Das hat der Deutsche Tierschutzbund errechnet. In Waiblingen (Rems-Murr-Kreis) will man der ständig steigenden Katzenpopulation und den damit einhergehenden Problemen nun mit einer neuen Verordnung begegnen.

 

Die Initiative zu der kommunalen Katzenschutzverordnung geht von der Gemeinderatsfraktion Die Grünen aus. Sie fordert, dass Katzen, die auf Waiblinger Markung Freigang haben, kastriert werden müssen. Sollte eine Mehrheit des Gemeinderats zustimmen, so müssten Freigänger-Katzen zudem künftig entweder mit einer Tätowierung oder einem Mikrochip gekennzeichnet sein und von ihren Eigentümern in einem Haustierregister wie beispielsweise Tasso oder Findefix registriert werden.

„Das ist der einzig richtige Weg“, sagt die erste Vorsitzende des Tierschutzvereins Waiblingen und Umgebung, Annemarie Werner, zu dem Vorstoß. In den vergangenen Jahren hatte der Waiblinger Tierschutzverein immer wieder an Halter appelliert, ihre Tiere kastrieren zu lassen und als Lockmittel einen finanziellen Zuschuss zur Operation zugesagt. Viel Wirkung zeigte das zum Bedauern der Tierschützerinnen und Tierschützer jedoch nicht.

„Das Tierleid ist immens“: Streunerkatzen in Waiblingen leiden

„Das Tierleid ist immens“, sagt Annemarie Werner über das Schicksal von freilebenden Streunerkatzen, die oft Nachkommen von nicht kastrierten Freigänger-Hauskatzen sind. Wild geborene Kätzchen haben denkbar schlechte Startbedingungen. Viele leiden an Krankheiten wie Katzenseuche und Katzenschnupfen, die unbehandelt oft zum Tod führen. Die Sterblichkeitsrate innerhalb der ersten Lebensmonate der Kitten beziffert der Deutsche Tierschutzbund mit 75 Prozent.

In Hessen war rund zehn Jahre lang ein Katzenkastrationsmobil unterwegs, das freilebende Katzen kastrierte. Foto: dpa

Der bundesweit tätige Verein plädiert für eine Kastrationspflicht, um die unkontrollierte Vermehrung zu verringern: „Wenn möglichst alle Straßen- und Freigängerkatzen aus Privathaushalten kastriert werden, reduziert dies die Straßenkatzenpopulation nachhaltig. Damit sinkt die Zahl jener Katzen, die um ihr Überleben kämpfen müssen.“ Eine Kastration sei auch im Interesse von Katzenbesitzern, argumentieren Tierschützer. Liebestolle Kater legen oft große Strecken zurück und laufen Gefahr, unter die Räder zu kommen.

Erfolgreiche Katzenschutzverordnung in Berglen

In gut 200 Kommunen in Baden-Württemberg gilt bereits eine Katzenschutz- oder Kastrationsverordnung. Im Rems-Murr-Kreis haben sie bisher nur Berglen – als erste baden-württembergische Gemeinde – und die Stadt Winnenden eingeführt. Berglens Bürgermeister Holger Niederberger spricht von guten Erfahrungen mit der Verordnung. Sie habe sich bewährt und vereinfache die Arbeit des Tierschutzvereins Berglen. Dieser darf beispielsweise nicht gekennzeichnete Katzen, die er aufgreift, deutlich rascher kastrieren lassen als früher.

Die Verordnung für Waiblingen sieht vor, dass unkastrierte, nicht gekennzeichnete und registrierte Freigänger-Katzen, deren Halter nicht binnen 48 Stunden identifiziert werden können, auf Kosten des Halters kastriert werden dürfen. Nach der Operation soll die Katze dort, wo sie aufgegriffen wurde, wieder freigelassen werden. Auf Antrag, so steht es im Entwurf, kann die Stadt Waiblingen Ausnahmen von der Kastrationspflicht zulassen.

Auf Waiblinger Gemarkung haben die Ehrenamtlichen im vergangenen Jahr 80 freilebende Katzen eingefangen, medizinisch versorgt, kastriert und gekennzeichnet. Allein die Tierarzt- und Futterkosten schlagen mit rund 13.000 Euro zu Buche, der große Zeitaufwand der Ehrenamtlichen bleibt dabei unberücksichtigt. Die tatsächliche Zahl der Straßenkatzen liege weit höher, betont die Tierschutzvereins-Vorsitzende Annemarie Werner: „Wir würden uns tierisch freuen, wenn die Verordnung kommt.“