Werbung für den neuen Preisdeckel: Landesverkehrsminister Winfried Hermann (Mitte), flankiert (v.l.n.r) von den Verbundchefs und -chefinnen Alexander Pischon (Karlsruhe), Simone Stahl (Freiburg), Cornelia Christian und Jan Neidhardt (beide Stuttgart). Foto: /Franziska Kraufmann

Auf seiner letzten Pressekonferenz als Verkehrsminister treibt Winfried Hermann (Grüne) noch einmal eine bisher zäh vorankommende Innovation für den Fahrkartenkauf voran.

Für Landesverkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) war es wohl die letzte Pressekonferenz nach 15 Jahren Amtszeit. Stunden vor seiner offiziellen Abschiedsfeier in der Staatsgalerie präsentierte er noch einmal eines seiner Lieblingsprojekte – das in den vergangenen drei Jahren einen zähen Start hatte. CiCoBW heißt eine App-Funktion, die Fahrkarten quer durch Baden-Württemberg ohne Blick auf Tarifzonen und Verbundgrenzen kaufen lässt.

 

Einfach wischen – und das Ticket ist gekauft

Beim Einsteigen auf dem Smartphone wischen, beim Aussteigen auf dieselbe Weise auschecken – und automatisch erhält man den günstigsten Fahrpreis. Wer das Auschecken einmal vergisst muss keine Angst haben, dass die Kosten weiterlaufen. Das System erkennt durch GPS-Ortsbestimmung, dass man ausgestiegen ist.

Neu ist, dass es nun eine Garantie gibt, dass es nicht nur einen auf Tagesbasis berechneten Preisdeckel gibt, sondern man seit Anfang April nie mehr als 72 Euro im Monat bezahlt, egal wie oft man fährt. „Wir haben da nur auf einen gewissen Preisabstand zum Deutschlandticket geachtet“, sagt Hermann. Das kostet aktuell 63 Euro im Monat, ausschließlich im Abo.

CicoBW soll hingegen Gelegenheitsfahrer locken, die sich nicht an ein solches Abo binden wollen, weil sie nicht kalkulieren können, wie oft sie fahren. Wenn man in einem Monat öfter als erwartet mit Bus und Bahn unterwegs ist, muss man nun dennoch keine Sorge mehr haben, dass die Kosten davonlaufen.

Der Verkehrs- und Tarifverbund Stuttgart (VVS) hat Mitte März die Funktion ohne Pressemitteilung und Werbekampagne als Update seiner Fahrplan-App ausgerollt. Ein solcher stiller Start sei bei anfangs eventuell noch fehleranfälligen IT-Upgrades dieser Art üblich, sagte bei der Präsentation des neuen Preisdeckels VVS-Chefin Cornelia Christian. Von Anfang Mai an werde man die neue Funktion aber offensiv bewerben.

Leiser Start beim VVS

Dieser unauffällige Start ist typisch für das 2023 gestartete Projekt – das damals in den Schatten des nur eineinhalb Monate davor eingeführten Deutschlandtickets geriet. Auf einen Schlag verschwand damit ein guter Teil der eigentlich anvisierten Zielgruppe, denn ein Abo wurde auch für einen Teil der Gelegenheitsfahrer attraktiv. Heute sind vier von fünf Menschen im Nahverkehr des Landes mit dem Deutschlandticket unterwegs.

Und auch solange man eine separate App herunterladen musste, zündete sie bei den ihre regionalen Apps gewohnten Nutzern nicht. Erst nach fast drei Jahren haben nun nicht nur der VVS, sondern auch der Karlsruher Verkehrsverbund (KVV) und der Regio-Verkehrsverbund Freiburg (RVF) die Funktion in ihre Apps integriert. Die beiden letztgenannten Verbünde kooperieren mit dem Schweizer Startup Fairtiq, dass das Prinzip Check-in und Check-out mit einer eigenen App europaweit vermarktet und etwa in Frankreich flächendeckend vertreten ist.

Doch auch die letzte Pressekonferenz des grünen Verkehrsministers, auf der ihn Vertreterinnen und Vertreter der Verbünde aus Freiburg, Karlsruhe und Stuttgart flankierten, zeigte deutlich, dass CiCoBW von einem Standardprodukt immer noch entfernt ist. Jeder Verbund hat die neue Funktion auf eigene Weise in seine App integriert. Und immer noch nehmen nicht alle Verbünde im Land daran teil. Die so gekauften Tickets gelten aber überall in Baden-Württemberg.

Vielleicht habe man das Prinzip Check-in und Check-out nicht knackig und griffig genug vermarktet, räumte Hermann ein: „Das Deutschlandticket hat einfach alles überragt.“

Niedrigere Hürden

Der leichtere Zugang über eine bestehende App, sagte Alexander Pischon, Geschäftsführer des Verkehrsverbundes aus Karlsruhe, habe dort einen Nachfrageschub ausgelöst: „Die Nutzerzahlen bei uns sind von März auf April um 220000 gestiegen.“ Zum Vergleich: 2025 wurde die Funktion im ganzen Jahr und im ganzen Land 1,1 Millionen Mal genutzt.

In die am weitesten verbreitete Mobilitäts-App, den DB-Navigator der Deutschen Bahn, kann aber CiCoBW nicht sinnvoll eingebaut werden. „Dafür bräuchte es eine bundesweite Lösung“, sagt Hermann: „Ansonsten müssten sie 16 verschiedene Länder-Apps integrieren.“

Werden regionale Tarife überflüssig?

Wenn man die Sache zu Ende denke, sagte KVV-Chef Pischon, brauche man in Deutschland am Ende nur noch zwei Varianten des Ticketkaufs: Einerseits das Deutschlandticket im Abo, andererseits das neue Ticketsystem für Gelegenheitsnutzer.

Doch dafür dürfte es einen noch einmal viel längeren Atem brauchen als im Land. Denn selbst die von Hermann immer wieder angemahnte Zusammenlegung von Verkehrsverbünden in Baden-Württemberg, muss jetzt auf Wiedervorlage in den aktuell verhandelten grün-schwarzen Koalitionsvertrag noch einmal hineingeschrieben werden.