Schon in wenigen Wochen nehmen die Busfahrer der Stuttgarter Straßenbahnen (SSB) beim Fahrkartenkauf kein Bargeld mehr an. Noch vor kurzem waren die SSB bei dem Thema ausgewichen.
Von 1. Juli an kann man Fahrkarten in den Bussen der SSB nur noch bargeldlos kaufen – mit EC- und Kreditkarte sowie Apple Pay und Google Pay auf dem Smartphone. Dies hat das Unternehmen jetzt angekündigt und prescht damit innerhalb des Verkehrs- und Tarifverbundes Stuttgart (VVS) ein Stückweit vor.
Der Verbund hat in diesem Jahr begonnen, verstärkt für das bargeldlose Zahlen im Bus zu werben, hat dies aber lediglich als zusätzliche Alternative zu Barzahlung propagiert.
Seit vier Jahren haben SSB-Busse Bezahlterminals
So haben auch die SSB vor vier Jahren begonnen. Seither sind alle eigenen Busse des Unternehmens mit entsprechenden Geräten ausgerüstet. Bei den privaten Busfirmen, die im Auftrag der SSB die Linien 53, 54, 58, 60, 64, 66, 73 und 90 betreiben, sind weiterhin nicht alle Busse mit entsprechenden Geräten ausgestattet. Hier wird also teilweise weiterhin bar bezahlt werden müssen.
Noch vor zwei Wochen wurde eine Anfrage unserer Zeitung, was künftig bei dem Thema geplant sei, ausweichend beantwortet. „Die SSB bereitet sich darauf vor, dass bargeldloses Zahlen in allen Bereichen weiter an Bedeutung gewinnen wird“, sagte eine Sprecherin im Einklang mit der bisherigen Kommunikationsstrategie des VVS, der immer betont hatte, dass man auf Menschen Rücksicht nehmen wolle, die keinen Zugang zu bargeldlosen Zahlungsmöglichkeiten hätten. Dass Stuttgart nun nur noch das bargeldlose Bezahlen anbiete, sei abgestimmt gewesen, sagt ein VVS-Sprecher.
Die SSB verweisen darauf, dass aktuell im Durchschnitt nicht einmal ein Ticket pro Fahrt direkt beim Fahrpersonal verkauft werde. Insofern sei die doppelte Ausstattung für den Barverkauf im Bus nicht mehr wirtschaftlich. Der Verkauf von Einzeltickets ist im übrigen seit der Einführung des Deutschlandtickets 2023 deutlich zurückgegangen. Vier von fünf Fahrten finden aktuell mit diesen Abos statt.
Zudem würden die Fahrer entlastet, sagt Nils Himmelmann, Unternehmensbereichsleiter Betrieb bei den SSB: „Münzen zählen und Wechselgeld herausgeben ist nicht mehr notwendig.“ Auch das Risiko, dass Busse oder Busfahrer beraubt werde auf diese Weise beseitigt.
In Berlin und Hamburg sind Busse seit 2024 bargeldlos
Andere Verkehrsunternehmen in Deutschland seien bereits auf den rein bargeldlosen Verkauf in Bussen umgestiegen oder stünden kurz davor, argumentieren die SSB. In Berlin und Hamburg gibt es schon seit 2024 keinen Barverkauf mehr. In Münster gilt dies seit November 2025,. in Düsseldorf seit Januar diesen Jahres und in Nürnberg ganz aktuell seit Anfang Mai.
Im VVS haben bisher nur die SSB flächendeckend die Geräte für den bargeldlosen Verkauf. Ansonsten nennt der Verbund die Busfirma Friedrich Müller Omnibusunternehmen (FMO), ein Tochterunterehmen der Deutschen Bahn, das seine Busse auf VVS-Linien im Rahmen des turnusgemäßen Austausches mit den jeweils mehrere tausend Euro teuren Geräten fürs bargeldlose Bezahlen ausgestattet habe. Die Busse sind in den Landkreisen Böblingen, Esslingen, Ludwigsburg und im Rems-Murr-Kreis unterwegs. Nur Komplettumstellungen ganzer Anbieter seien sinnvoll zu kommunzieren, heißt es beim VVS.
VVS hat über die Geräteausstattung keinen Überblick
Bisher hat der Verbund auch keinen systematischen Überblick, wie weit die Ausstattung mit den entsprechenden Bezahlgeräten bei seinen Buspartnern überhaupt schon gediehen ist. Man sei gerade dabei, das zu erfragen, heißt es beim Verbund. Mit Ergebnissen rechnet man Ende Mai. Busse, in denen man bargeldlos bezahlen kann, sollen einen entsprechenden Aufkleber erhalten.
Wer Bargeld verwenden wolle, könne das weiterhin an Fahrkartenautomaten tun, sagen die SSB. Allerdings sind nur wenige Bushaltestellen mit solchen Geräten ausgestattet. Im Zuge der Modernisierung dieser Automaten wurden auch bereits Standorte ausgedünnt, weil die Bedeutung dieses Verkaufskanals ebenfalls zurückgeht. Die Dichte an Automaten sei aber im Stuttgarter Stadtgebiet besonders hoch, sagt ein Sprecher des VVS.
Die anderen Alternativen, welche die SSB erwähnen, verlangen hingegen digitale Kompetenz – etwa der Ticketkauf über die App am Smartphone. Bisherige Bargeldkäufer im Bus sind Menschen, die auch hier oft keinen Zugang haben.
Mit einem Wisch das Ticket kaufen?
Die SSB werben zudem für eine im VVS gerade erst neu eingeführte Möglichkeit, über die GPS-Ortsbestimmung am Smartphone seine Fahrkarten ohne Tarifkenntnis und konkrete Ticketauswahl zu erwerben. CiCoBW heißt die erst vor wenigen Tagen auf die App des VVS aufgespielte Funktion.
Hier können Fahrgäste in ganz Baden-Württemberg im Nahverkehr immer automatisch zum günstigsten Preis unterwegs sein. Und unabhängig davon, wie oft man fährt, sind die Kosten auf maximal 72 Euro im Monat gedeckelt. Allerdings muss man dafür bereit sein, seine Positionsdaten zu offenbaren.