Die Stuttgarter zeigen beim 3:2 (2:0) gegen den FC Luzern zwei völlig verschiedene Gesichter. Wie der Trainer das einzige Vorbereitungsspiel des Winters einordnet.
Sebastian Hoeneß war zwiegespalten. Auf der einen Seite hatte der VfB Stuttgart im Testspiel gegen den FC Luzern lange Zeit alles im Griff, verdient mit 3:0 geführt und die volle Spielkontrolle gehabt. Auf der anderen Seite gab es aber auch die Schlussphase mit einem Defensivverhalten, das weit entfernt von den eigenen Ansprüchen war und zu zwei späten Gegentoren führte (84./86.). Entsprechend fiel das Fazit des Trainers aus. „Mit den ersten 70 Minuten bin ich zufrieden“, sagte Hoeneß, „mit den letzten 20 gar nicht.“
In diesen leistete sich der VfB gleich mehrere Ballverluste aus der Kategorie vermeidbar. „Zu schnelle und zu einfache“, so Hoeneß. „Und danach sind wir nicht richtig ins Gegenpressing gegangen.“ Dass im zweiten Durchgang einige Spieler aus der U21 aufliefen, wollte der Trainer dabei nicht als Begründung gelten lassen. Zwar habe die Abstimmung nicht immer gepasst. „Aber das ist mir zu wenig als Grund. Ich will es nicht nur auf die Jungen schieben. Wir haben die Bälle zu leicht verloren, das waren nicht nur die Jungen.“
Auch im zweiten Durchgang standen etliche Spieler aus dem Bundesliga-Kader auf dem Feld: Ramon Hendriks und Lorenz Assignon in der Abwehrkette, Atakan Karazor und Pascal Stenzel auf der Doppelsechs, Chris Führich und Jamie Leweling in der Offensive.
Debüt von Jeremy Arevalo
„Es ist schade, dass wir diesen letzten Eindruck hinterlassen haben. Es hat ein Geschmäckle“, so Hoeneß, der die Schlussphase zugleich nicht überbewerten wollte: „Das überstrahlt ein bisschen das Spiel, was dem nicht gerecht wird. Wir hatten die volle Kontrolle über 70 Minuten.“
Zwei Themen standen dabei für den VfB im Fokus. Erstens: in den Rhythmus zu kommen, was für einige Spieler im Besonderen galt. Ermedin Demirovic etwa absolvierte sein erstes Spiel seit drei Monaten nach seiner Mittelfußverletzung und präsentierte sich rund in den Bewegungen – wenngleich ohne die großen Toraktionen. Neuzugang Jeremy Arevalo lief derweil erstmals überhaupt für die Stuttgarter auf – und offenbarte noch Luft nach oben, was die Bindung zum Spiel angeht.
Ein zweiter wichtiger Punkt, den das Trainerteam rund um das Testspiel gegen den Achten der Schweizer Super League in den Mittelpunkt gerückt hatte: das Schärfen von Automatismen im eigenen Ballbesitz, was im Stuttgarter Spielsystem bekanntlich eine zentrale Rolle spielt. „Und die waren sichtbar“, so Hoeneß, „in der ersten Hälfte muss es höher ausgehen.“ Letztlich blieb es bei drei Toren von Nikolas Nartey (19.), Justin Diehl (22.) und Chris Führich (68.).
Weiter geht es nach einem trainingsfreien Mittwoch mit der konkreten Vorbereitung auf den Jahresauftakt am Samstag (18.30 Uhr/Liveticker) in der Bundesliga beim Dritten Bayer Leverkusen. Etwas Zeit ist also noch, um die Abläufe mit Ball weiter zu schärfen – und die defensiven Schwächen abzustellen.