Kompass 4 setze Kinder unnötig unter Druck und niemand werde durch die Tests klüger, so die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft. Was diese stattdessen fordert.
Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) findet fast schon versöhnliche Worte. Sie wünscht den etwa 100 000 Schülerinnen und Schülern, die sich in dieser Woche mit den Kompass-4-Tests befassen müssen, sowie deren Eltern möglichst viel Gelassenheit und dankt den Lehrkräften für die Umsetzung.
„Wir begrüßen, dass Kompass 4 verändert wurde und hoffentlich nicht wieder weinende Kinder in den Klassenzimmern sitzen“, wird die GEW-Landesvorsitzende Monika Stein in einer Pressemitteilung zitiert. Das Kultusministerium habe versprochen, dass es dieses Jahr kein Grundschul-Abi geben werde. Zum Hintergrund: Nach dem Debakel bei der Premiere der im vergangenen Jahr neu eingeführten Kompetenzmessungen hat das Ministerium die Tests noch einmal überarbeitet.
„Kein Kind wird durch die Tests klüger“
An ihrer generellen Kritik an Kompass 4 hält die GEW jedoch fest – und das mit deutlichen Worten: die Gewerkschaft spricht von „bildungspolitischem Unsinn“. Monika Stein ergänzt: „Kein Kind wird durch die Tests klüger, Kinder werden unter Druck gesetzt, was gutes Lernen verhindert statt zu motivieren.“
Die GEW setze sich weiter für eine Grundschulempfehlung ein, bei der Eltern im guten Dialog mit den Lehrkräften über die Schullaufbahn der Kinder entscheiden. „Frau Schopper, hören Sie auf Tausende pädagogische Profis in Ihren Grundschulen, die ihre Schülerinnen und Schüler über einen langen Zeitraum kennen und vertrauen Sie in deren Beratungskompetenz“, so die Forderung von Monika Stein an die Kultusministerin Theresa Schopper (Grüne).
Die GEW plädiere dafür, den Kompass-Test wenn überhaupt nur bei Unklarheiten beim Übergang auf das Gymnasium einzusetzen, wenn also Elternwille und Gesamtwürdigung der Grundschule nicht übereinstimmen. Die Beratungsfunktion, die Kompass 4 zugeschrieben werde, überzeuge nicht. Und ohnehin sei es absurd, dass Kinder bereits nach der vierten Klasse auf verschiedene Schularten aufgeteilt werden.
Zudem fordert die Bildungsgewerkschaft eine Stärkung der Grundschulen. Sie müssten in die Lage versetzt werden, jedem Kind gerecht zu werden. „Wer Qualität stärken will, muss Lehrkräfte an Schulen mit großer Heterogenität in die Lage versetzen, der Unterschiedlichkeit der Kinder gerecht zu werden“, so Monika Stein.
Kompass 4 ist ein Teil der neuen verbindlichen Grundschulempfehlung, welche die Landesregierung im vergangenen Jahr im Zuge der Rückkehr zum neunjährigen Gymnasium eingeführt hat. Der Test kann mit darüber entscheiden, ob ein Kind aufs Gymnasium gehen darf oder nicht.