Er ist ein Spätstarter auf der Tour der Tennisprofis. Umso süßer schmecken die Erfolge. In Wimbledon scheiterte Hendrik Jebens in der Doppelkonkurrenz erst im Viertelfinale – im Interview ordnet er diesen Erfolg ein.
An diesem Wochenende geht in London das Grand-Slam-Turnier von Wimbledon zu Ende. Deutsche Tennisprofis sind dann nicht mehr dabei. Einer der letzten im Turnier war bis Mittwoch Hendrik Jebens. „Das war unser bisheriges Karriere-Highlight“, sagt der Stuttgarter. Zusammen mit seinem Doppelpartner Constantin Frantzen stand er im Wimbledon-Viertelfinale.
Herr Jebens, Sie haben Anfang des Jahres in Australien erstmals bei einem Grand-Slam-Turnier gespielt, aber weder in Melbourne noch danach in Paris ein Match gewonnen...
...weshalb es unser großes Ziel war, in Wimbledon endlich einmal die erste Runde zu überstehen. Wir wussten, dass wir das Zeug dazu haben, denn die ganze Rasensaison lief schon sehr gut. Unter anderem ja auch bei den Boss Open auf dem Weissenhof. Aber am Ende ist diese erste Runde bei einem Grand-Slam-Turnier eben auch immer eine große Hürde. Dass wir die genommen haben, war dann schon auch eine Befreiung.
Was beim Sieg in Runde zwei gegen die Nummer eins der Doppel-Weltrangliste deutlich wurde.
Genau. Der Unterschied zu den kleineren Turnieren ist ja, dass du bei einem Grand-Slam-Turnier in jeder Runde ein Topteam besiegen musst. Dass uns das in Wimbledon gleich dreimal gelungen ist, war sicher nicht abzusehen.
Ausgerechnet in Wimbledon...
...wo noch einmal ein ganz anderes Flair herrscht als bei anderen großen Turnieren. Es gilt ja für fast alle Tennisspieler: Wenn man sich aussuchen dürfte, welches Turnier man mal gewinnen möchte, dann ist das Wimbledon.
Erst Wimbledon, dann Tennis-Bundesliga
Dafür hätten Sie noch mal drei Matches gewinnen müssen. Wurde dennoch ein bisschen gefeiert?
Wir waren am Mittwoch tatsächlich in London noch essen und auch was trinken. Dabei haben wir auch versucht, die vergangenen Wochen ein bisschen Revue passieren zu lassen. Denn, bei all dem Stress auf der Tour: Ich finde es wichtig, dass man solche Erfolge auch mal genießt. Viertelfinale in Wimbledon – das war schließlich unser bisheriges Karriere-Highlight.
Wie geht es nun weiter?
Für uns als deutsche Profis steht ja bald der nächste Kracher an – das Turnier am Hamburger Rothenbaum. Das ist wichtig für uns, da es ein ATP-500-er-Turnier ist. Genau auf diesem Level wollen wir uns ja langfristig etablieren. Davor spiele ich aber noch in der Bundesliga für den TC Bredeney.
Sie sind eher spät, quasi über den zweiten Bildungsweg und in der Doppelkonkurrenz auf die Profitour gekommen. Spüren Sie mittlerweile, dass Sie und Constantin Frantzen anders wahrgenommen werden?
Absolut. Zu Beginn des Jahres waren wir für viele Kontrahenten noch zwei Fragezeichen. Nun merken wir, dass uns die Gegner analysieren.
Was es nicht gerade einfacher macht.
Aber das drückt ja auch einen gewissen Respekt aus, der uns mittlerweile entgegengebracht wird. Und das macht uns am Ende auch besser – denn wir müssen neue Lösungen finden.