Nach seiner Finalniederlage auf dem Weissenhof gegen den US-Amerikaner Taylor Fritz hat Alexander Zverev schon den Höhepunkt der Rasensaison im Blick.
Der Rasen auf dem Center Court gehörte am späten Sonntagnachmittag den Menschen, die das Turnier auf dem Stuttgarter Weissenhof erst möglich machen. Als der im Endspiel unterlegene Alexander Zverev bereits unterwegs in Richtung Flughafen war, um in Richtung Halle/Westfalen abzuheben, wo er in den nächsten Tagen beim ATP-Turnier die nächste Etappe auf seiner Vorbereitung auf Wimbledon zurücklegen wird, tanzten ungefähr 50 Bedienstete auf dem Grün auf dem Killesberg. Sie feierten sich selbst. „Ein Hoch auf uns“, schallte aus den Boxen, ein Mitarbeiter schleppte die erste Bierkiste auf den Rasen.
Eine knappe Stunde zuvor standen dort noch die Protagonisten des Endspiels im Mittelpunkt. Der Weltranglistendritte Zverev hatte gegen den US-Amerikaner Taylor Fritz nach vier Niederlagen 2024 zum fünften Mal nacheinander im direkten Duell verloren (Fritz rückt damit von diesem Montag an auf Rang vier der Weltrangliste vor).
Zverev knöpfte sich den Angstgegner dann bei seiner Rede übers Stadionmikrofon vor: „Ich habe die Schnauze voll von dir“, sagte der Hamburger mit einem breiten Grinsen in Richtung Fritz: „Bleib weg von mir, ich will dich die nächsten zwei, drei Jahre nicht mehr sehen – und komm bitte nicht mehr nach Deutschland.“
Zverev hatte seine gute Laune nach dem 3:6, 6:7 (0:7) also schnell wiedergefunden. „Es war eine wunderschöne Woche in Stuttgart, mein erstes Finale auf Rasen seit acht Jahren“, sagte er noch: „Ich habe sehr intensiv trainiert in dieser Woche, für mich das war das Turnier mehr als positiv, ich habe alles rausgeholt, was ich haben wollte.“
Bis auf den Sieg bei den Boss Open am Ende – es wäre der erste auf Rasen in Zverevs Karriere gewesen und der 25. Turniersieg insgesamt. Gegen Fritz aber war der 28-Jährige fast chancenlos: „Ich habe nicht so gut aufgeschlagen und nicht so gut returniert, das habe ich schlechter gemacht als in den Tagen zuvor. Taylor war einfach besser.“
Auch nach einer rund 80-minütigen Regenunterbrechung zu Beginn des zweiten Satzes fand der Weltranglisten-Dritte aus Hamburg vor rund 5500 Zuschauern auf dem ausverkauften Center Court keine Mittel gegen die starken Aufschläge seines Gegners – dafür fand er nach der Niederlage noch auf dem Platz knackige Worte.
Denn Zverev richtete eine kleine Kampfansage an die Konkurrenz mit Blick auf Wimbledon (der Rasenklassiker beginnt am 30. Juni) – und die entstand so: Der Turnierdirektor Edwin Weindorfer hatte dem unterlegenen Finalisten bei seiner Rede zugerufen, dass er dann eben im nächsten Jahr auf dem Weissenhof seinen ersten Turniersieg auf Rasen holen werde. Später, bei Zverevs Rede, brüllte ein Fan von den Rängen dazwischen: „Sascha, Wimbledon!“ Darauf ging Zverev sofort ein. Er sagte, auch als Replik auf Weindorfers Aussage: „Keine Sorge, ich gewinne schon Wimbledon.“ Dann grinste Zverev wieder.
Spaß oder Ernst?
Eine halbe Stunde später, auf der Pressekonferenz in der zum Medienzentrum umfunktionierten Tennishalle des TC Weissenhof, antwortete die deutsche Nummer eins auf die Frage, wie viel Spaß und wie viel Ernst in seiner Siegesprognose für Wimbledon vorher auf dem Platz gesteckt habe, vielsagend nur dies: „Warum nicht?“
Tja, warum nicht? Zwei Gründe, die dagegen sprechen, hören auf die Namen Jannik Sinner und Carlos Alcaraz – die beiden topgesetzten Dominatoren gehen als haushohe Favoriten für die Endspiel-Teilnahme ins Grand-Slam-Turnier von London. Zverev wiederum will nun in Halle weiter in Form kommen und könnte dort schon auf den Italiener Sinner treffen, der in Westfalen ebenfalls am Start ist.
„Ich versuche, dort noch besser zu spielen als in Stuttgart“, sagte der Olympiasieger von 2021 am Sonntagnachmittag noch auf dem Killesberg, wo er auch den ersten deutschen Sieg seit dem Erfolg von Michael Stich im Jahr 1991 verpasst hatte. Im selben Jahr triumphierte der Elmshorner ja im deutschen Endspiel gegen Boris Becker auch in Wimbledon – dort also, wo Zverev in seiner Karriere bisher noch nie über das Achtelfinale hinausgekommen ist. Das will der Weltmeister von 2018 und 2021 in diesem Jahr dringend ändern.
Zverev übrigens richtete den Blick in Stuttgart auch noch weiter in die Zukunft. Für das Publikum, darunter auch Fußball-Weltmeister Mats Hummels, hatte er nach seiner Finalniederlage am Sonntag noch eine Ansage im Gepäck: „Vielen Dank euch allen“, rief Zverev den Fans auf dem Weissenhof zu: „Bis nächstes Jahr, ich komme wieder.“