Die Keimzelle des Technologieparks Tübingen-Reutlingen am Standort Tübingen: Sternwarte mit dem Planetenpark und dem Biotechnologiezentrum mit den Mietern Curevac, Immatics und Synovo. Foto: tfrt GmbH/Christine Decker

Curevac soll noch dieses Jahr an Biontech verkauft werden. Doch andere Firmen im Tübinger Technologiepark wollen den Umsatz kräftig steigern. Auch neue Gebäude werden gebaut.

Noch immer beherrschen Baukräne die Szenerie im Tübinger Wissenschafts- und Technologiecampus bei der Sternwarte hoch über der Stadt. Auf dem Gelände sind neben Curevac auch eine ganze Reihe kleinerer Unternehmen aktiv. Und sie müssen nicht hungern auf dem Areal, das die Einheimischen auch als „Obere Viehweide“ bezeichnen. Ein Überblick.

 

Cegat

Das größte der kleineren Unternehmen ist Cegat und Geschäftsführer Dirk Biskup kann über ein schnelles Wachstum berichten. Im vergangenen Jahr stieg der Umsatz um zehn Prozent auf etwas mehr als 47 Millionen Euro. „Eine solche Steigerung erwarten wir auch für 2025 und 2026“, sagt Biskup. Der Auslandsanteil liegt bei 70 Prozent. Cegat schreibt schwarze Zahlen und zahlt damit auch Gewerbesteuer – was längst nicht bei allen Biomedizinfirmen der Fall ist. Das Unternehmen untersucht etwa Gene und entschlüsselt die DNA von Menschen, um Erbkrankheiten auf die Spur zu kommen. Zu den Kunden gehören Ärztinnen und Ärzte, aber auch Pharma- und Biotech-Unternehmen. Genanalysen sollen auch helfen, zu einer individuellen Therapie bei Patienten zu kommen. Beschäftigt werden etwa 200 Mitarbeitende. Dazu kommen weitere 200 Beschäftigte im Zentrum für Humangenetik von Saskia Biskup. Im April 2024 wurde neben dem bestehenden Firmensitz ein neues Gebäude eingeweiht. Dafür wurden 25 Millionen Euro investiert. Zusammen gibt es jetzt Platz für 500 Beschäftigte. Es könnten also noch welche dazukommen – womit Biskup auch rechnet. Und ein weiteres neues Gebäude? Vielleicht, für die Forschung und zusammen mit HB Technologies. Dabei handele es sich aber lediglich um erste Überlegungen.

HB Technologies

HB Technologies hat kräftig in seine Tochtergesellschaft Intavis investiert, an der weitere Anleger beteiligt sind. Etwa 20 Millionen Euro seien für ein neues Gebäude und die notwendigen Einrichtungen ausgegeben worden, berichtet Steffen Hüttner, der Geschäftsführer von HB Technologies. Eingeweiht wurde das Gebäude im Frühjahr. Intavis produziert mit rund 60 Beschäftigten Peptide, die etwa für Impfstoffe gegen Krebs verwendet werden. Der Umsatz bei HP Technologies wurde von Hüttner für 2023 auf vier Millionen Euro beziffert, für Intavis auf zwei Millionen. Für 2024 gibt es nur eine gemeinsame Umsatzzahl von 7,5 Millionen Euro. Intavis habe seinen Umsatz im vergangenen Jahr um 50 Prozent gesteigert, sagt Hüttner. Neue Mitarbeiter könnten hinzukommen, wenn Intavis die Produktion hochfahren könnte. Die Arbeit wurde erst eingeschränkt aufgenommen, da noch eine Zulassung fehlt. HB Technologies stellt mit 55 Beschäftigten Software für Medizin- und Biotechnikfirmen her. Dabei geht es darum, vieles, das heute bei Firmen und in Laboren noch von Hand erledigt wird, zu digitalisieren. Eine Software des Tübinger Unternehmens steuert beispielsweise eine Anlage, die Blutspenden für das Rote Kreuz untersucht.

Ovesco Endoscopy

Noch in diesem Herbst will Ovesco mit dem Neubau eines Gebäudes direkt neben dem vorhandenen beginnen. Dafür sollen neun Millionen Euro investiert werden. Im Sommer 2027 soll der Bau fertig sein. Man brauche den Platz für neue Mitarbeiter und den Ausbau der Logistik, sagt Firmenchef Professor Marc Schurr. Das Unternehmen stellt unter anderem spezielle Clips und Produkte mit Clips her, die für die unterschiedlichsten Anwendungen benutzt und in den Körper eingeführt werden. Dort können dann etwa Blutungen entdeckt oder geheilt werden. Für 2025 peilt Ovesco eine Steigerung des Umsatzes von 33 Millionen Euro auf 37 Millionen Euro an. Zwei Drittel des Umsatzes werden im Ausland erzielt. In den vergangenen zehn Jahren habe das Unternehmen ein durchschnittliches Wachstum um 20 Prozent erreicht. Beschäftigt werden 190 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen, davon 140 in Tübingen. Ovesco will auch in den kommenden Jahren jeweils eine zweistellige Zahl an Mitarbeitenden einstellen.

Immatics

Auch Immatics kommt gut voran – wenn es auch noch keine Umsätze gibt, sondern das Geld von Investoren und Partnern wie dem US-Biotechnik-Konzern Moderna kommt. „Wir sind zum Teil in einer späten klinischen Phase und bereiten gerade den Gang auf den Markt vor“, sagt der Tübinger Standortleiter Dominik Maurer. Das Unternehmen entwickelt Behandlungsmethoden gegen Prame, einem Protein, das in mehr als 50 Krebsarten vorkommt. Von den 700 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sind 300 am Hauptstandort Tübingen beschäftig. Dort wurde erst im vergangenen Jahr ein elf Millionen Euro teures Gebäude eingeweiht. In diesem ist Immatics alleiniger Mieter. Dort habe man jetzt genügend Raum für 100 weitere Beschäftigte. Auch in zwei weiteren Gebäuden wurden Räume gemietet. „Wir haben wir jetzt erst mal Platz genug“, sagt Maurer. Standorte gibt es auch in München und in Houston / Texas. Im vergangenen Jahr hat Immatics insgesamt 145 Vollzeitbeschäftigte eingestellt, für 2025 gibt es noch keine Zahlen.

Synovo

Synovo ist noch relativ klein, hat aber ein ehrgeiziges Ziel: „Ich hoffe, in 2025 durch bestehende Kunden ein Wachstum von zehn bis 15 Prozent zu erreichen“, sagt Geschäftsführer Michael Burnet. Aktuell liege der Umsatz im mittleren einstelligen Millionenbereich. Bei der Gewinnung neuer Kunden sieht Burnet Hemmnisse, weil die Genehmigungsverfahren für neue Therapien so langsam seien, „dass viele potenzielle Kunden lieber nach China gehen, wo Termine planbar sind“. Synovo entwickelt mit 42 Beschäftigten neue Substanzen im Bereich entzündlicher Erkrankungen. Bereits 2020 wurde ein teilweise vermietetes Gebäude in der Stadt errichtet. Das Unternehmen arbeitet aber auch in einem Gebäude im Technologiepark.