Die Massiven Töne feiern mit Clueso und Co. auf dem Stuttgarter Schlossplatz Geburtstag. Und ein Überraschungsgast der Fantastischen Vier schaut auch vorbei. Wie war die Show?
„Eins für den Rap, zwei für die Bewegung/Von klein auf geprägt durch die Umgebung/Es ist nicht, wo Du bist, es ist, was Du machst/Herzlich willkommen in der Mutterstadt!“ Natürlich beginnt die Party, mit der die Massiven Töne am Samstag im Rahmen des SWR Sommerfestivals auf dem Schlossplatz den 30. Geburtstag ihres Debütalbums „Kopfnicker“ feiern, mit dem Song „Mutterstadt“.
In dieser Stuttgart-Hymne verewigt das Hip-Hop-Trio im Jahr 1996 seine Heimatstadt als Motorstadt und Mekka der Rapper. Zu den Beats von DJ 5ter Ton schwärmen Schowi und Ju darin von Kultorten wie Paul’s Boutique, Udo Snack, Vegi Voodoo, Vinyl West und Freddys Records Store, vom Chillen mit Phillippe und vom Abhängen bei Thomilla.
Und weil dieser Song, wie kein anderer Stuttgart als Metropole des deutschen Hip-Hop feiert, schauen schon bei der Eröffnung dieser fast dreistündigen Show gleich auch Afrob und Max Herre vorbei. Sie werden nicht die einzigen Gäste sein, die die Massiven Töne bei der „0711 Family Jam“ auf die Bühne holen. Und wer glaubte, die Gästeliste, die vorab veröffentlicht wurde, sei lang, darf sich am Samstag noch über einige Überraschungen freuen.
Geburtstagsparty mit Max Herre, Jan Delay und Co.
Zwar fehlt Marteria, der kurzfristig seinen Auftritt aus familiären Gründen abgesagt hat, dafür gibt es aber einen Kurzauftritt von Dendemann. Und unmittelbar vor dem Finale wird es sogar fantastisch: Clueso kommt aus Erfurt, hat aber einst in Stuttgart seinen ersten Plattenvertrag unterschrieben. Und er wird zum Bindeglied zwischen den zwei großen Hip-Hop-Dynastien der Stadt: Erst rappt er zusammen mit Max Herre die Freundeskreis-Nummer „A-N-N-A“, und dann taucht plötzlich Michi Beck von den Fantastischen Vier auf der Bühne auf.
Die beiden singen nicht nur den Song „Zusammen“, sondern packen in ihn auch ein kleines Fanta-4-Medley, das von „Die da?!“ bis „MfG“ reicht – und weisen nebenbei dezent darauf hin, dass das Stuttgarter Hip-Hop-Wunder nicht erst 1996 mit dem „Kopfnicker“-Album der Massiven Töne beginnt, sondern schon 1991, als die Fantastischen Vier ihr Debüt „Jetzt geht’s ab“ veröffentlichen. Als Michi Beck und Clueso „Nehmt die Flossen hoch/Und die Tassen auch/Wir feiern heute bis zum Morgengrauen“ skandieren, hat der VfB in Berlin zwar bereits das DFB-Finale gegen den FC Bayern verloren, doch davon lässt sich die Hip-Hop-Crowd auf dem Schlossplatz die Stimmung nicht vermiesen. Und das obwohl nicht nur im Publikum, sondern auch auf der Bühne viele ein VfB-Trikot tragen.
Michi Beck, Clueso und viele VfB-Trikots
Neben Michi Beck oder Afrob hat auch Schowi ein Trikot übergezogen. Auf seinem ist die Nummer 10 und der Name Balakov zu lesen, der genau in jener Zeit, als das Massive-Töne-Debüt erschien, mit Fredi Bobic und Giovane Élber das magische Dreieck bildete und dem VfB 1997 den DFB-Pokal bescherte. Auch sonst ist der Abend von Nostalgie geprägt: „Wir machen den Schlossplatz zum 0711 Club“, verspricht Schowi bevor der Song „Hände hoch!“ dran ist und erinnert an die legendäre Party-Reihe, die von 1996 bis 2002 im Club Prag stattfand.
„Wo sind all die Ladys?“
Tatsächlich fühlt sich der Abend wie eine Zeitreise zurück in die 1990er Jahre an, wenn sich Deutsch-Rap-Vorreiter wie Jan Delay, Max Herre, Afrob, Curse, Denyo, Toni L, Torch, Das Bo oder die Stieber Twins das Mikrofon in die Hand geben. Nur die Frage „Wo sind all die Ladys?“, die von der Bühne herab immer wieder in Richtung Publikum gerufen wird, könnte man auch in die andere Richtung stellen.
Beim 0711-Club sind die Männer meistens unter sich. Neben Lucy Duffner, die sich als Stuttgarts Antwort auf Ikkimel versucht und den Abend eröffnen darf, gibt es auf der Bühne nur noch Platz für Cora E. und Meli. Es sei denn, man zählt noch die kleine Tochter von 5ter Ton mit, die im coolen rosa Adidas-Trainingsanzug in den Armen ihres Papas immer wieder mal den Cheerleader der Massiven Töne mimt. Auch als Max Herre den Song „1ste Liebe“ singt, kommt Joy Denalanes Stimme leider nur vom Band.
Schowi: „Wir sehen uns in 30 Jahren wieder!“
Passend dazu reimen die Massiven Töne in ihrem größten Hit „Cruisen“ dann im Finale des Abends: „Wir sind die Coolsten, wenn wir cruisen/Wenn wir durch die City düsen/Wir sind die Coolsten, wenn die süßen Ladys uns mit Küsschen grüßen.“ Und nachdem er davor gewarnt hat, dass man den Song nicht zu ernst nehmen dürfe – und dass man sich vor den Blitzern auf der Theodor-Heuss-Straße in Acht nehmen solle – verspricht Schowi noch: „Wir sehen uns in 30 Jahren wieder!“