Nicht alle ausländische Sportler stellen an Weihnachten einen Christbaum auf. Foto: Günter Bergmann

Weihnachtstraditionen. Irak, Kanada, Brasilien, Honduras, Iran und Slowakei: Ausländische Sportlerinnen und Sportler aus Fellbach erzählen, ob und wie das Weihnachtsfest bei ihnen zu Hause gefeiert wird.

Andere Länder, andere Sitten. Doch wie anders – wie sehen die Bräuche und Rituale zu Weihnachten anderswo aus? Einige Sportlerinnen und Sportler der Fellbacher Vereine, deren Wurzeln nicht in Deutschland liegen, erzählen, wie in ihrer Heimat traditionell das Weihnachtsfest gefeiert wird.

 

Die höchsten Feiertage sind nicht die christlichen

Usame Suud, Basketballer beim SV Fellbach II: Seit seinem zehnten Lebensjahr geht Usame Suud, der hauptberuflich in einer Unternehmensberatung tätig ist, beim SVF schon auf Korbjagd. Seine Eltern stammen aus dem Irak, einem muslimisch geprägten Land, in dem zwar der 25. Dezember ein nationaler Feiertag ist, die christlichen Traditionen aber nur bei zwei Prozent der Bevölkerung eine Rolle spielen. Die höchsten Feiertage im Land sind auch nicht die christlichen im Dezember, sondern das Neujahrs- und Frühlingsfest „Nouruz“ am 21. März, der Tag der Republik am 14. Juli und der Tag der Unabhängigkeit von Großbritannien am 3. Oktober. Weihnachten in der arabischen Welt kennt der Fellbacher Basketballer aber von seiner christlichen Großmutter, die in Jordanien lebt und an den Heiligen Tagen gern die gesamte Familie um sich hat. Dann wird aus der Bibel vorgelesen und vor allem viel zusammen gegessen. Besonders Truthahn mit Reis, Süßkartoffeln und Erbsen sowie leckere Desserts stehen ganz oben auf der Liste. Die meisten Weihnachtstage im Leben des 28-jährigen Basketballers waren aber in der Regel klassisch westlich geprägt: Zum einen während seines sechsjährigen Studienaufenthalts in Iowa und in New Mexico in den USA (2017 bis 2022), aber auch zuhause in Fellbach, wo er aufgewachsen ist und in diesem Jahr das Fest zusammen mit seiner Freundin und deren Eltern feiert. Was dort auf den Tisch kommt, ist noch geheim: „Ich lasse mich aber gern überraschen“, sagt Usame Suud.

Alles ist bunt und laut und glitzert und blinkt

   

Lee Klopfers, Kraftdreikämpfer beim SV Fellbach: Für den 33 Jahre alten Kraftsportler, der auch als Gewichtheber an Wettkämpfen teilnimmt, wird das diesjährige Weihnachtsfest klassisch schwäbisch beginnen: Zusammen mit Mutter, Tante, Großmutter und anderen Verwandten wird gefeiert und gibt es Geflügel mit Spätzle zum Essen. Zuvor geht es zur Messe in die Kirche. Am 27. Dezember setzt sich der Software-Entwickler dann aber ins Flugzeug und fliegt zwölf Stunden lang in seine Geburtsstadt Vancouver an der kanadischen Westküste, wo schon der deutsch-kanadische Vater und die Stiefmutter warten, mit denen er im vergangenen Jahr ein etwas ungewohntes Weihnachtsfest gefeiert hat: „So wie man es bei uns aus dem Fernsehen kennt. Alles ist bunt und laut und glitzert und blinkt; an jedem Haus leuchten die Lichterketten“, sagt Lee Klopfers über die Erfahrungen in einem der Vororte der 700 000-Einwohner-Metroploe am Pazifik. Obwohl große Teile Kanadas im Winter sehr schneesicher sind, durfte sich Lee Klopfers 2023 nicht über weiße Weihnachten freuen. Der wichtigste Feiertag in Nordamerika ist der 25. Dezember, der „Christmas Day“. An diesem gibt es auch das bekannteste Weihnachtsessen des Landes: gefüllten Truthahn mit Kartoffelpüree, Preiselbeersoße und Gemüse. 2023 wurde der Fellbacher in Vancouver Zeuge und Besucher eines nachempfundenen deutschen Weihnachtsmarktes, der aber nicht viel mit den hiesigen Originalen gemein hatte: „Das war schon alles sehr kitschig und klischeehaft. Die Brezeln haben gar nicht dazu gepasst.“

Bei sommerlichen Temperaturen kommt keine Weihnachtsstimmung auf

Eduardo Chacon Pineda, Fußballer beim TSV Schmiden: Bei einem deutschen Fernsehquiz könnte man bestimmt viel Geld verdienen, wenn man weiß, dass Tegucigalpa die Hauptstadt von Honduras ist. „Edu“, im Hauptberuf 3-D-Grafiker, hat die ersten 19 Jahre seines Lebens in der 1,3 Millionen Einwohner zählenden Stadt in Zentralamerika verbracht und dort mit seiner Familie Weihnachten gefeiert. Erst nach der Schulzeit ging es nach Europa, genauer gesagt nach Fellbach. „In vier Stunden ist man in der Karibik, aber bei diesen sommerlichen Temperaturen kommt keine Weihnachtsstimmung wie hier auf“, sagt der 30-Jährige, der sich gerne an zwei kulinarische Spezialitäten seiner Heimat in dieser Zeit erinnert: Tamales, ein Maismehlgericht, das in Bananenblätter eingehüllt und mit Fleisch, Käse oder Gemüse gefüllt wird, gehört ebenso zur Weihnachtszeit wie Semita, das typisch honduranische Zuckerbrot. Zwingend an den Weihnachtstagen ist ein Feuerwerk sowie „Posadas“ und „Pastorales“. Bei den Singspielen wird die Geburt Jesu nachgestellt. Eduardo Chacon war in diesem Jahr schon zu Besuch bei den Eltern (13 Stunden Flug). An Weihnachten geht es gemeinsam mit dem in Berlin lebenden Bruder zu Verwandten nach Utrecht in den Niederlanden, wo der Kirchenbesuch für die lateinamerikanischen Christen ebenso zum festen Programm gehört wie der klassische Weihnachtsgruß auf spanisch: „Feliz Navidad“.

      

Ein Feuerwerk verkündet die Geburt Christi

Thais Padial, Volleyballerin beim SV Fellbach: Weihnachtstage am Strand des Atlantik mit 25 Grad Celsius und brütender Hitze? Diese kennt Thais Padial noch aus den ersten sieben Jahren ihres Lebens in der brasilianischen Metropole Sao Paolo, die etwa 80 Kilometer vom Meer entfernt liegt. Von dort kam sie im Jahr 2000 mit den Eltern und dem älteren Bruder nach Korb, wo die Familie auch heute noch lebt und zusammen die Feiertage mit leckeren Speisen aus der alten Heimat feiert. Dazu gehören etwa eine Art Kasseler Fleisch mit Reis und Rosinen oder auch ein süßer Milchpudding aus Maniokmehl. Im südamerikanischen Land mit der höchsten Dichte an Katholiken in der Welt, ähneln viel Bräuche denen in Deutschland: der Gang in die Kirche (Missa do gaio = Messe des Hahns), der Weihnachtsbaum, der in Brasilien aber keine Tanne, sondern schon mal eine Bananenstaude ist. Der Papai Noel (Weihnachtsmann) kommt am 24. Dezember um Mitternacht und bringt die Geschenke mit. In vielen Regionen gibt es zudem um Mitternacht ein großes buntes Feuerwerk, das symbolisch die Geburt Jesu verkünden soll. Ein ganz besonderes Geschenk aus ihrer Kindheit hat Thais Padial (31), die hauptberuflich im Qualitätsmanagement des größten schwäbischen Herstellers von Maultaschen und Schupfnudeln arbeitet, noch heute: Ihre Lieblingspuppe Susi, die den Umzug nach Deutschland damals mitgemacht hat.

Wenn alle Stille Nacht singen, geht dem Handballer das Herz auf

Richard Babjak, Handballtrainer beim TSV Schmiden: Für europäische Christen gibt es viele unterschiedliche Traditionen, die sie mit den Weihnachtstagen verbinden: Sei es der geschmückte Christbaum, der Kirchgang oder das Zusammensein mit der Familie. Für Richard Babjak gehört eine Sache seit frühester Kindheit bis heute außerdem noch dazu: „Wenn meine Frau eine leckere Sauerkrautsuppe, also Kaspustnica macht, dann bin ich glücklich. Mehr brauche ich eigentlich nicht“, sagt der ehemalige Champions-League-Spieler, der die Feiertage diesmal nur mit seiner Gattin verbringt und sich im Hauptgang auf Fisch mit Kartoffelsalat (Ryba so zeviakovym salatom) und Mayonnaise freut. Abgerundet wird das Mahl am 24. Dezember von Mohnkugeln (makove gulky) zum Nachtisch. Am 27. Dezember kommen in diesem Jahr die Eltern aus Presov, einer 80 000-Einwohner-Stadt im Nordosten der Slowakei zu Besuch. Das geschieht alle zwei Jahre, jeweils abwechselnd mit den Weihnachtsbesuchen des 34-Jährigen in der Heimat. „Wenn wir zuhause sind, dann kommt die ganze Familie aus allen Ecken angereist und dann gehen die Erwachsenen um Mitternacht in die Christmette“, sagt Babjak. Außer auf die Sauerkrautsuppe fiebert der Handballer auf noch etwas hin: „Wenn alle zusammen Stille Nacht, heilige Nacht singen, dann ist das einfach wunderschön“, sagt Babjak, der bereits am Sonntag den heimischen Baum für sich und seine Frau geschmückt hat.

Auch Perser versuchen sich an Weihnachten an Semmelknödel

Nila Javanshad, Volleyballerin beim SV Fellbach: Das badische Bretten, in dem der Sommer-Zugang der Fellbacher Regionalliga-Volleyballerinnen geboren und aufgewachsen ist, ist fast 5000 Kilometer von der iranischen Hauptstadt Teheran entfernt. Von dort aus kam einst der Vater als 17-Jähriger nach Deutschland, später auch die Mutter; viele Verwandte leben noch immer dort. „Früher war ich regelmäßig zu Besuch im Iran und habe die Eindrücke und die fremden Gerüche geliebt“, sagt die Studentin an der Hochschule der Medien in Stuttgart-Vaihingen. In der Weihnachtszeit backt und isst sie gerne Plätzchen oder steht mit der Mutter am Herd, um bei der Herstellung der für Perser so völlig fremden Semmelknödel zu helfen. Im Zentrum Teherans, wo viele Christen zuhause sind, findet man tatsächlich geschmückte Christbäume und Weihnachtskrippen mit dem Jesuskind. Für die 200 000 Christen in der islamischen Republik gibt es an Heiligabend auch Gottesdienste, in den Familien gehören Hühnchen, Khoresht-e Fesenjan (Ente mit Walnuss), vielerlei Eintöpfe und Shir Berenj (Milchreis), Kekse und Halva (ein klebrig-süßes Konfekt) zu den traditionellen Essen. An Weihnachten besuchen die persischen Christen auch die Gräber geliebter Verstorbener. Auch das Versenden von Weihnachtskarten ist Tradition. Beschert werden unter iranischen Christen hauptsächlich die Kinder – vorwiegend mit neuen Kleidern.