Wolfgang Lietdke würde auch gerne mit Kindergärten kooperieren. Foto: Eva Herschmann

Seit 25 Jahren leitet Wolfgang Liedtke die Kindersportschule des SV Fellbach, in der aktuell rund 700 Mädchen und Jungen motorisch gefördert werden.

1992 wurde die Kindersportschule des SV Fellbach, kurz Kiss, eröffnet, und seit 25 Jahren steht Wolfgang Liedtke an der Spitze dieser lebhaften Nachwuchsbewegung. Als der Sport-, Sozial- und Naturerlebnispädagoge Anfang 2001 mit einer 50-Prozent-Stelle die Kiss-Leitung übernommen hatte, nutzten rund 240 Kinder das breitensportliche Angebot am Nachmittag. Heute sind es um die 700 Mädchen und Jungen zwischen einem Jahr und zehn Jahren, und das bedeutet mittlerweile einen Fulltime-Job für den Chef.

 

Bei den Kooperationen ist noch Luft nach oben

Nicht nur Kinder, die freiwillig und aus Spaß und Freude an der Bewegung kommen, profitieren von der Kiss, auch Schulen und Kindergärten können das sportliche und pädagogische Angebot nutzen. Was solche Kooperationen anbetrifft, sei in Fellbach jedoch noch reichlich Luft nach oben, erklärt Liedtke: „Und wir wollen uns in Zukunft noch mehr ins Bildungssystem einbringen.“

Vereinsangebot wird professionalisiert

Kindersportschulen bieten eine ganzheitliche, sportartübergreifende Grundlagenausbildung für Kinder, mit dem Ziel, eine breite motorische Ausbildung und die Lust am Sporttreiben zu fördern. Außerdem professionalisieren sie das Vereinsangebot, weil qualifizierte Fachkräfte die Bewegungsentwicklung nach Lehrplan steuern. „Wir sind die Profis“, sagt Wolfgang Liedtke. Und die braucht es auch, denn durch die zunehmende Technisierung unserer Umwelt ist es Kindern kaum mehr möglich, ihren natürlichen Bewegungsdrang auf der Straße auszuleben. Für eine gesunde Entwicklung ist aber eine ausreichende, zielgerichtete körperliche Bewegung und ein Ausleben des natürlichen Bewegungsdrangs von elementarer Bedeutung. Auch die Sportvereine profitieren. Denn wissenschaftliche Untersuchungen belegen, dass eine vielseitige, sportartübergreifende Grundlagenausbildung, die sich an den Entwicklungsstand des Kindes anlehnt, die beste Voraussetzung für sportliche Leistungen im Jugend- und Erwachsenenalter schafft.

Kiss-AG in der Zeppelin- und Maicklerschule

Dass sich die Kindersportschule des SV Fellbach unter seiner Leitung so gut entwickelt hat, freut Wolfgang Liedtke, selbst zweifacher Vater. „Die soziale und psychische Entwicklung von Kindern können wir nicht wirklich beeinflussen, denn sie ist von vielen Faktoren abhängig. Aber regelmäßige Besuche in der Kiss können die Motorik fördern“, sagt der 58-Jährige. Und in der Kiss herrschten mit dem vereinseigenen Bewegungszentrum Loop, der Dance Academy und der Trendsport Academy beste Voraussetzungen und jede Menge Abwechslung bei professioneller Betreuung. Ein Vorteil, den auch Schulen erkannt haben. „Wir sind jeden Donnerstag in der Wichernschule und betreuen dort zwei feste Klassen“, sagt Liedtke. In der Zeppelinschule und in der Maicklerschule, beide Ganztagsschulen, gibt es jeweils eine Kiss-AG am Nachmittag.

Ganztagsschulen haben kein Auswirkung auf die Arbeit

Die Zunahme von Ganztagsschulen habe kaum Auswirkungen auf die Kiss, erklärt Wolfgang Liedtke. „Das Interesse ist nach wie vor groß. Wir beginnen jetzt halt erst um 15 Uhr, früher ist unser Programm um 14 Uhr gestartet.“ Manche Schulen bauten das sportlich-professionelle Angebot auch in ihr Nachmittagsbetreuungsprogramm ein, und die Zusammenarbeit mit den Bildungsinstitutionen laufe richtig gut. Die schulischen Partner schätzten das „qualitative Angebot“ und er und sein Team die Herausforderung der Arbeit mit der bunten Mischung von Mädchen und Jungen im Klassenverband.

Keine einzige Kindergartengruppe wird aktuell betreut

Gerne würden Liedtke und seine zwei festen Mitarbeiterinnen noch viel häufiger mit Schulen und mit Kindergärten in Fellbach zusammenarbeiten, denn die Kapazitäten sind noch lange nicht ausgereizt. Doch das funktioniere leider nicht ganz so gut. „In Fellbach gibt es für Kooperationen mit Kindergärten und Schulen gerade mal 30 Euro Zuschuss für eine Stunde. Damit zahlen wir nicht einmal die Instandhaltung. Also müssen die Kooperationspartner aus eigener Tasche was drauf legen, um unser Angebot zu nutzen. Die Folge ist, dass wir keine einzige Kindergartengruppe betreuen, und das ist wirklich schade.“