Seit Sommer gibt es Super Pop – eine Limo mit Essig und Ballaststoffen, die Pamela Reif bewirbt. Kaum jemand weiß, dass sie aus Stuttgart kommt. Ein Besuch bei Unibev.
Irgendwie süß und irgendwie sauer ist das Getränk. Dass der Zucker durch Stevia ersetzt wurde, schmeckt man, ebenso präsent ist die Apfelessig-Note. Das Ganze ist in Dosen im knalligen Design abgefüllt – und nennt sich Super Pop. Untertitel: the drink of tomorrow. „Neuropsychologisch bedienen wir alle Punkte, die klassische gezuckerte Limonaden besetzen“, sagt Fabian Huber, einer der Erfinder. Stattdessen soll Super Pop aber nicht nur optisch was hermachen, sondern auch wohltuend sein und eine bewusste Ernährung unterstützen.
Pro Dose sind sechs Gramm Ballaststoffe enthalten, zudem Apfelessig, natürliche Aromen und postbiotische Bakterienkulturen. „Wir sehen aus wie süßes Zeug, sind aber kein süßes Zeug. Wir versuchen diese Logik aufzubrechen“, erklärt Fabian Huber. Sein erklärtes Ziel: bekömmliche Produkte sexy machen.
Super Pop nimmt Fahrt auf: „Es läuft richtig, richtig gut“
Super Pop hat vor Kurzem nicht nur die Regale von Supermärkten, Tankstellen und Drogerien übernommen, sondern auch die Social-Media-Kanäle. Durch die erfolgreiche Fitness-Influencerin Pamela Reif hat das Ganze schnell Fahrt aufgenommen. Sie ist als Investorin bei Super Pop eingestiegen und bewirbt den Durstlöscher.
Weder sie noch Fabian Huber benutzen das Wort gesund, stattdessen wird das Getränk geschickt in einen solchen Zusammenhang gestellt, etwa indem die drahtige Pamela Reif in die Kamera sagt: „Ich trinke eigentlich nur Wasser und Tee. Wenn also ein anderes Getränke in meinen Alltag kommt, muss es schon perfekt sein.“ Die Rechnung geht offenbar auf. Laut Fabian Huber hat Super Pop in den ersten neun Wochen drei Millionen Dosen verkauft. „Es läuft richtig, richtig gut“, sagt er. „Wir sind aus dem Häuschen.“
Super Pop kommt aus Stuttgart
Was nur wenige wissen: Super Pop ist ein Stuttgarter Produkt. Vertrieben wird die Limo über die Firma Unibev mit Sitz am Feuersee. Fabian Huber hat die „Kreativschmiede für innovative Beverage-Konzepte“ 2020 mit Freunden gegründet, heute hat das Unternehmen 30 Mitarbeitende. Unibev hat in der Vergangenheit schon so einige Trenddrinks herausgebracht, unter anderem Bratee, den Eistee von Rapper Capital Bra.
Zum Portfolio gehören auch Lombi Cola, die Cola von Sänger Pietro Lombardi, oder VitaVate, 2022 mit drei Streamern herausgebracht. Je nach neuem Projekt macht Unibev laut Fabian Huber zwischen 15 und 60 Millionen Euro Umsatz im Jahr. „Unibev ist wie ein Fonds, der viele kleine Marken hält“, erklärt der 42-jährige Jurist und Betriebswirt.
Shitstorm zum Start: POP’IT vs. Super Pop
Super Pop ist der neueste Streich. An der Popularität hat auch ein Shitstorm wenig geändert. Im Sommer hatte die Stuttgarter Influencerin Alicia Joe ein Video veröffentlicht, in dem sie anklingen ließ, Super Pop habe seine Businessidee womöglich bei einem Start-up abgekupfert. „Das ist ein Narrativ, das läuft super“, sagt Fabian Huber, jedoch stimme die Ideenklau-Aussage nicht. Vielmehr hätten Super Pop und das Start-up Pop’It gleichzeitig begonnen, an Drinks zu arbeiten, die sich jeweils an Vorbildern aus den USA orientieren. Man sei sogar freundschaftlich miteinander verbunden. Dennoch: „Das hängt uns schon richtig nach“, sagt Fabian Huber.
Wie „gesund“ ist Super Pop?
Und wie steht es um die Wirkung von Super Pop? Monika Müller, die Leiterin der Ernährungs- und Diätberatung sowie der Diätschule am Stuttgarter Marienhospital, spricht von einer „besseren Alternative zu gezuckerten und koffeinhaltigen Getränken“. Sie hat sich die Inhaltsstoffe der neuartigen Limo angeschaut. Drei Ballaststoffe seien zugesetzt, und zwar aus Tapioka, Gummi arabicum und Topinambur, „das ist erst mal gut“. Diese löslichen Ballaststoffe binden demnach Wasser. Sie bildeten ein Gel, das wiederum Nahrung für die Bakterien im Darm sei, was bedeute, „dass es für die Darmflora und den PH-Wert im Darm positiv ist“. Der saure Apfelessig rege die Speichelbildung und die Verdauungssäfte an, wodurch die Verdauung angekurbelt werde. „Sauerkrautsaft hat einen ähnlichen Effekt“, sagt Monika Müller. Ohne Aber bleibt ihre Blick auf die Zutatenliste jedoch nicht. Apfelessig greife auf Dauer den Zahnschmelz an. Und zum Süßstoff Stevia gebe es durchaus widersprüchliche Studien. „Bei der Darmgesundheit ist die Forschung noch nicht so weit“, sagt sie, das Thema sei erst in der jüngeren Vergangenheit in den Fokus gerückt.
Derweil arbeitet das vierköpfige Super-Pop-Team am Feuersee bereits an neuen Produkten. Fokus: den Gesundheitsaspekt weiter ausbauen. Ende des Jahres sollen neue Mocktails ohne Alkohol herauskommen. Fabian Huber sagt: „Wir wollen den Dry January auf den Dezember vorziehen.“