Als Veronika Franco Olias hat sich Veronika Holz vor zwei Jahren gegen drei männliche Mitbewerber bei der Bürgermeisterwahl in Sulzbach durchgesetzt. Foto: Gottfried Stoppel

Die Bürgermeisterin von Sulzbach an der Murr trägt wieder ihren Geburtsnamen. Und sieht sich genötigt, auch die Hintergründe in einer Pressemitteilung zu erklären.

Die Pressemitteilung klingt harmlos. Verwaltungsdeutsch, wie es im Lehrbuch steht: „Geänderte Namensführung der Bürgermeisterin – aus Franco Olias wird Holz.“ Der Anlass? Eine Scheidung. Der Effekt? Eine kleine Kommune mit knapp 5000 Einwohnern weiß nun mehr, als ihr vielleicht lieb ist.

 

Wie die Pressestelle der Gemeinde Sulzbach an der Murr (Sachbearbeiterin: Frau Holz) mitteilt, hat Veronika Franco Olias wieder ihren Geburtsnamen Holz angenommen. Ab sofort also: Frau Bürgermeisterin Holz. Die Telefonnummer bleibt. Die E-Mail-Adresse auch. Nur der Name ist neu – oder besser: alt. Ein bürokratischer Akt mit emotionalem Beiklang.

Wenn die Verwaltung durchs Schlüsselloch schaut

Denn was da als Verwaltungsmitteilung an die Presse geschickt wird, trägt das Gewicht eines privaten Umbruchs. Nicht, weil Frau Holz das an die große Glocke hängt, sondern weil es in einem öffentlichen Amt offenbar dazugehört, selbst die Namensänderung dienstlich zu machen.

Im echten Leben reicht man die Scheidung beim Amtsgericht ein. Im Bürgermeisterinnenleben kommt gleich die Öffentlichkeit mit dazu. Die Grenze zwischen Amt und Mensch? Durchlässig wie das Murrwasser nach einem Starkregen.

Veronika Holz Foto: Gottfried Stoppel

Holz – das klingt bodenständig, nach Wurzeln, nach Festigkeit. Franco Olias dagegen war klangvoller, seltener, ein wenig exotisch. Jetzt also zurück zur Herkunft. Kein Rebranding, kein Neuanfang, sondern eher ein: Ich bin die, die ich war.

Namenswechsel bei Männern: Selten hinterfragt, kaum beachtet

Das Pikante daran: Kaum jemand hätte gefragt, wenn ein Mann den Namen wechselt. Martin Cohn, der frühere Bürgermeister von Rudersberg, mag da eine Ausnahme sein. Einst Kaufmann, jetzt Cohn – aus biografischen Gründen, wegen familiärer Geschichte, wie er erst einige Zeit nach seiner Umfirmierung anlässlich seiner Kandidatur als Oberbürgermeister in Leonberg in einem Interview erläutert hat.

Bei einer Frau hingegen wird der Namenswechsel gleich zur Erzählung. Zur Frage. Zur Mutmaßung. Was sagt das über ihre Stabilität? Ihre Belastbarkeit? Ihre Amtsfähigkeit? Fragen, die keinem Mann im Bürgermeisterstuhl je gestellt würden – es sei denn, er kommt plötzlich als Cohn zurück.

Gleiche Bürgermeisterin, neuer Name

Dass Veronika Holz mit 73,5 Prozent in ihr Amt gewählt wurde, scheint fast vergessen. Dabei bleibt alles, wie es ist – nur eben unter anderem Namen.

Natürlich braucht eine Verwaltung korrekte Angaben. Aktenzeichen, Titel, Namen – alles muss stimmen. Aber muss gleich die ganze Gemeinde wissen, warum sich die Bürgermeisterin nun anders nennt? Die Pressemitteilung hätte gereicht mit einem schlichten: „Die Bürgermeisterin heißt ab sofort Veronika Holz. Bitte beachten Sie dies bitte in der Kommunikation.“ Punkt. Kein Scheidungsgrund, keine Rückschlüsse.

Identitätssuche zwischen Amt und Öffentlichkeit

Denn hinter dem Verwaltungsakt steht eine Frau, die sich entschieden hat. Nicht fürs Amt, das hatte sie längst. Sondern für ihre Identität – eine, die offenbar nicht nur privat, sondern auch öffentlich verhandelt wird.

Veronika Holz bleibt dieselbe. Nur der Name ist anders. Oder wie sie selbst schreibt: „Ich freue mich darauf, mich auch weiterhin mit voller Kraft für das Wohl der Gemeinde, ihrer Bürgerschaft und aller lokalen Akteure einzusetzen.“ Man möchte sagen: Genau darum geht’s. Und um nichts anderes.