Dieser Gebäudekomplex an der Torstraße und der Hauptstätter Straße wird bis auf Rohbaustandard zurückgebaut und modernisiert. Foto: Lichtgut/Achim Zweygarth

Im Schwabenzentrum, das Anfang der 1980er Jahre entstand, gibt es viel zu tun. Die Stadt muss für bis zu 36 Millionen Euro ihren Bürostandort sanieren. Am anderen Ende des Areals kommt die Reparatur von Sturmschäden nicht recht voran. Dort ist aber nicht die Stadt am Zug.

Stuttgart - In der Stadtverwaltung laufen auf Hochdruck Planungen für eine Rochade, die drei wichtigen Ämtern neue Standorte bringen wird: dem Statistischen Amt der Landeshauptstadt und der Stadtkämmerei auf Dauer, dem Amt für öffentliche Ordnung vorübergehend. In der Eberhardstraße 39 müssen 260 Arbeitsplätze ausgelagert werden, damit der Gebäudekomplex B4 des Schwabenzentrums komplett umgemodelt werden kann. Und zwar zum Preis von rund 36 Millionen Euro.

Besucher dieses Gebäudes, vor allem aber Mitarbeiter hadern schon länger mit den Zuständen, klagten über den Modernisierungsrückstand, über verkalkte Sanitäreinrichtungen und über Silberfischchen auf den Böden, lösten sogar schon Kakerlakenalarm aus. Die Vorgesetzten bestellten den Kammerjäger, ein städtischer Sprecher verwies aber auch darauf, dass Kakerlaken in Stuttgarts Innenstadt keine seltene Erscheinung seien. Ihr Auftreten sei fast normal, weil sie sich im Umfeld der Gastronomie und der Fernwärmeleitungen wohlfühlten. Die Mängel in der Eberhardstraße 39 gehen aber noch viel tiefer.

Der betagte Riese braucht eine neue energetische Hülle

„Die strukturellen und brandschutztechnischen Defizite sind groß“, sagt Steffen Walz, stellvertretender Leiter des städtischen Hochbauamts. Verschiedene Studien hätten ergeben, dass man an die Wurzel gehen muss und den Gebäudekomplex oberhalb des Erdgeschosses auf den Rohbauzustand zurückbauen müsse. Unten müsse in großen Teilen der Betrieb weitergehen, weil es dort andere Nutzer als die Stadtverwaltung gibt – und auch sieben andere Eigentümer. Da der Bau bereits annähernd 40 Jahre alt ist, werde es bei der energetischen Sanierung nicht damit getan sein, Fenster mit besserer Wärmedämmung einzubauen. Der Gebäudekomplex B4, wie er heißt, weil er von den Elementen des Schwabenzentrums zwischen der Marktstraße und der Torstraße der vierte und letzte Bau ist, muss auch sonst eine „neue energetische Hülle“ bekommen. Die Fassaden werden danach ein moderneres Erscheinungsbild haben, sagt Steffen Walz, aber nicht üppiger verglast sein.

Der enorme Eingriff wird die bisher im B4 angesiedelten Arbeitsplätze für rund zwei Jahre verdrängen. Das Ordnungsamt soll Mitte 2019 in das gegenwärtige Domizil der Stadtkämmerei in der Schmalen Straße ziehen, wenn die Kämmerei im Neubau anstelle der bisherigen Rathausgarage in der Eichstraße untergekommen ist. Das Statistische Amt muss nur ein paar Meter weiter ziehen: in einen Flügel des Gebäudekomplexes B3 (Eberhardstraße 35–37), wo die Stadt auch Büros hat und wo im Zuge der Notariatsreformen Räume frei werden. Dort soll das Statistische Amt dauerhaft bleiben.

Fußgängerpassage bis mindestens Ende Mai gesperrt

Im Schwabenzentrum hat die Stadt mit dem Sozialamt und dem Baurechtsamt (beide Eberhardstraße 33) auch noch andere Dienststellen, das Viertel zwischen der Hauptstätter Straße und der Eberhardstraße zwischen Kaufhaus Breuninger und Torstraße kennt aber noch viele andere Nutzungen und Eigentümer. Einer davon, die Allianz Real Estate, muss an der Fassade seiner Immobilie zumindest kleinere Reparaturen vornehmen. Das ist die Folge der stürmischen Burglind, die Anfang Januar auch über die Stuttgarter Innenstadt gefegt war. Danach mussten wegen der Gefahr, dass Bauteile auf Passanten herabstürzen, der Treppenaufgang und die Rolltreppe zwischen dem Nordausgang der Stadtbahnhaltestelle Rathaus und der Eberhardstraße gesperrt werden. Einen durchgängigen Aufzug von den Bahnsteigen zum Straßenniveau gibt es nicht. Rollstuhlfahrer müssen daher an den Südausgang beim Josef-Hirn-Platz ausweichen. Wer gehen kann, aber eine Rolltreppe braucht, kann sich am Nordausgang nur mit einem Umweg und den Rolltreppen an der Breuninger-Unterführung behelfen.

Allianz Real Estate prüft zurzeit mehr als nur Reparaturen

Eigentlich sollten die Sperrungen und Einschränkungen längstens bis Ende Februar dauern, doch daraus ist Ende März geworden. Mehr noch: Jetzt rechne man damit, dass die Reparaturen und die Sperrung bis Ende Mai oder Anfang Juni andauern, sagt Roland Deger, Pressesprecher von Allianz Real Estate in München. Man wisse inzwischen, dass die Schäden tiefergehend und vielleicht umfangreichere Reparaturen notwendig seien. Nun brauche man in diesem Versicherungsfall zusätzliche Gutachten. Die Sperrung wolle man so schnell wie möglich aufheben.

Unabhängig vom Schadensfall prüfe man auch Möglichkeiten zur Optimierung und Weiterentwicklung der Immobilie B1. Aktueller Stand: „Es gibt erste interne Überlegungen, jedoch keine konkreten Planungen oder Entscheidungen.“

Dagegen prüft die Industriehof AG, der der Gebäudekomplex B3 gehört, derzeit „keine größeren Maßnahmen“, sagte Brigitte Reibenspies, Pressesprecherin der LBBW Immobilien, unter deren Dach die einstmals städtische Industriehof AG heute angesiedelt ist.

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