Melkamu Frauendorf kam in Äthiopien zur Welt und mit vier Jahren zu Adoptiveltern nach Deutschland. Der Kickers-Spieler spricht über seine Karriere und die Zeit in Liverpool.
Der bisherige Höhepunkt seiner Karriere? Melkamu Frauendorf muss nicht lange überlegen: Der 9. Januar 2022. Im Alter von nur 17 Jahren feierte der aktuelle Regionalligaspieler der Stuttgarter Kickers in der FA-Cup-Partie des FC Liverpool gegen den Drittligisten Shrewsbury Town (4:1) vor über 52 000 Zuschauern sein Profidebüt für die Reds. Zehn Minuten vor Schluss nahm ihn Trainer Jürgen Klopp vor der Einwechslung zur Seite mit dem knappen Rat: „Hab einfach nur Spaß und mach dein Ding!“
Erlebnis FC Liverpool
Kurz danach hatte Frauendorf ein Riesenlächeln im Gesicht: „Ich war unglaublich glücklich und konnte es kaum realisieren. Die zehn Minuten auf dem Spielfeld haben sich angefühlt wie eine Minute“, sagt Frauendorf im Rückblick. Vier Jahre lang lebte der Offensivmann nach seinem Wechsel von der TSG Hoffenheim in Liverpool, untergebracht mit drei anderen Spielern bei einer Gastfamilie, zu der er bis heute enge Kontakte pflegt.
Frauendorf spielte überwiegend in der U-18-Premier-League und in der Premier League 2, in der sich die englischen U-21-Topteams messen. Den Durchbruch bei den Profis schaffte er nicht. „Die Konkurrenz war riesig, ich wollte wieder regelmäßiger in einer ersten Mannschaft spielen“, begründete er seine Rückkehr nach Deutschland, die ihn im Sommer 2024 zu Hannover 96 führte. Dort kam er auf 24 Einsätze in der Drittligamannschaft, stieg mit dem Team ab und wechselte vor dieser Saison zu den Kickers.
„Das ist ein klasse Verein mit enormer Strahlkraft, bei dem ich mich richtig wohlfühle und froh bin, hier zu sein“, sagt Frauendorf. Überhaupt: Dankbarkeit, Demut und Bescheidenheit prägen seine Worte. Was auch an seinen Wurzeln liegt. Er kam in Kembata (Äthiopien) zur Welt, einer für Dürren anfälligen, ländlichen Region mit hoher Bevölkerungsdichte. Hunger, der vor allem bei Kindern zu Unter- und Mangelernährung führt, beschäftigt die Menschen. Dort im Osten Afrikas kickte der kleine „Mel“ in frühester Kindheit auf der Straße, ohne runde Bälle, barfuß, auf mit Stöcken gebauten Toren.
„Die Menschen dort sind mit Kleinigkeiten zufrieden, glücklich und lebensfroh. Ich nutze das für mich als Motivation“, sagt der Fußballer, der gemeinsam mit seinem Bruder Melesse engen Kontakt zu seiner Herkunftsfamilie hält, sie unterstützt und auch versucht, sie zu besuchen.
Im Alter von vier Jahren war Melkamu mit seinem eineinhalb Jahre älteren Bruder Melesse nach Deutschland gekommen. Ein Ehepaar aus Schefflenz adoptierte die beiden, in dem Ort im Neckar-Odenwald-Kreis wuchsen sie auf. Schnell gingen sie in der F-Jugend des SV Schefflenz ihrer Leidenschaft nach, wechselten erst ins Kinderperspektivteam, dann ins Nachwuchsleistungszentrum der TSG Hoffenheim. Melkamu spielte sechs Jahre für die TSG, ehe er das Angebot aus Liverpool bekam. Melesse verließ die TSG nach Ende der U 23 und war zuletzt beim Verbandsligisten TuS Mechtersheim am Ball, konzentriert sich nun aber auf seine Berufsausbildung.
Neue Position passt gut
Melkamu Frauendorf aber setzt weiter voll auf die Karte Fußball und will es bei den Kickers wissen. „Super, dass wir mit einem Sieg aus der Winterpause gestartet sind“, freute er sich über den 1:0-Erfolg am vergangenen Samstag gegen den 1. FSV Mainz 05 II. Zum ersten Mal kam er dabei in einem Pflichtspiel im neuen 3-4-2-1-System als linker Schienenspieler zum Einsatz – und machte seine Sache sehr ordentlich, auch in der Defensive: „Ich habe mich schnell daran gewöhnt. Die Position passt durch mein Tempo, meine Dynamik und meine Tiefenläufe sehr gut zu mir.“
Nach einem Muskelfaserriss im Oberschenkel vor der Winterpause und Patellasehnenproblemen zu Beginn der Vorbereitung ist Melkamu Frauendorf nun wieder topfit. Das will er auch am Samstag (14 Uhr) beim Auswärtsspiel bei Kickers Offenbach zeigen. Der Bieberer Berg ist zwar nicht Anfield in Liverpool, aber das stimmungsvollste Auswärtsspiel in der Regionalliga Südwest wird es allemal.
Saison 2025/26
Ergebnisse
1. Göppinger SV – Stuttgarter Kickers (0:2/zweite WFV-Pokal-Runde), SG Barockstadt Fulda-Lehnerz – Kickers 0:1, Kickers – SV Sandhausen 3:2, VfR Aalen – Kickers (0:2/dritte WFV-Pokal-Runde), Kickers – Eintracht Trier 1:1, 1. FSV Mainz 05 II – Kickers 3:0, Kickers – Kickers Offenbach 1:2, TSV Weilimdorf – Kickers (1:2/WFV-Pokal-Achtelfinale), TSV Steinbach Haiger – Kickers 0:1, Kickers – SC Freiburg II 4:0, KSV Hessen Kassel – Kickers 3:0, FC Bayern Alzenau – Kickers 3:0, Kickers – SGV Freiberg 1:1, FSV Frankfurt – Kickers 3:0, Kickers – Bahlinger SC 3:0, TSG Balingen – Kickers 0:2, Kickers – TSV Schott Mainz 2:1, FC 08 Homburg – Kickers 2:1, Kickers – FC-Astoria Walldorf 2:1, Kickers – SG Sonnenhof Großaspach 2:1, Kickers – SG Barockstadt Fulda-Lehnerz 0:1, SV Sandhausen – Kickers 2:1, Eintracht Trier – Kickers 2:4, Kickers – FSV Mainz 05 II 1:0.
Termine
Kickers Offenbach – Kickers (28. Februar, 14 Uhr), Kickers – TSV Steinbach Haiger (7. März, 14 Uhr), SC Freiburg II – Kickers (14. März, 14 Uhr), Kickers – SGV Freiberg (WFV-Pokal-Viertelfinale/17. März, 19 Uhr), Kickers – KSV Hessen Kassel (21. März, 14 Uhr), Kickers – FC Bayern Alzenau (28. März, 14 Uhr). (jüf)