Die Stuttgarter Kickers kassieren ein 1:5 gegen Hessen Kassel. Der Unmut der Fans vor allem am Trainer wächst – Präsidiumsmitglied Jürgen Kindler äußert sich zu dem Thema.
Die Fans im Block sind für ihre äußerst positive Grundhaltung gegenüber der Mannschaft bekannt. Doch nach dem 1:5 (0:2) der Stuttgarter Kickers im letzten Regionalliga-Saisonspiel gegen den KSV Hessen Kassel war auch bei den Treuesten der Treuen der Geduldsfaden gerissen: „Wir haben die Schnauze voll“, hallte es den Spielern nach dem Schlusspfiff entgegen. Auf der Haupttribüne gab es ein gellendes Pfeifkonzert, garniert mit nicht nur vereinzelten „Wildersinn-raus“-Rufen.
„Die negative Stimmung ist erklärbar, ich kann den Unmut verstehen, und am Ende stehe ich als Trainer im Fokus. Das war ein Schlag in die Magengrube, wir müssen viel hinterfragen“, sagte der Chefcoach nach dem Debakel durch die Tore von Adrian Bravo Sanches (27.), Nikos Zografakis (29./49.), Marco Hingerl (48.) und Cornelius Bräunling (79.). Für die Blauen traf Nevio Schembri (62.).
Der Trend nach der Winterpause zeigte auch in dieser Saison nach unten, mit dem absoluten Tiefpunkt im letzten Saisonspiel vor 4500 Zuschauern im Gazi-Stadion. Der Auftritt kam einem Offenbarungseid gleich. Es fehlte nicht nur an jeglicher Kreativität, sondern an Intensität, Widerstandsfähigkeit, an Emotionen, an Zweikampfstärke, an einer energiegeladenen und kraftvollen Spielweise. Und gegen Kassel besonders auffallend: Die Defizite in Sachen Tempo. Der Gegner präsentierte sich in allen Mannschaftsteilen deutlich handlungsschneller.
Lange Mängelliste
Bei dieser langen Mängelliste ist es verständlich, dass der Trainer sehr stark in der Kritik steht und die Frage legitim ist, ob es in dieser Konstellation überhaupt Sinn ergibt, in die neue Runde zu gehen. Zur Erinnerung: In der vergangenen Saison schickten die Blauen Aufstiegs-Trainer Mustafa Ünal als Vize-Meister in die Wüste. Auch er hatte – genauso wie Wildersinn jetzt – noch einen ein Jahr lang gültigen Vertrag.
An diesem Dienstag findet bei den Kickers eine (turnusmäßige) Präsidiums- und Aufsichtsratssitzung statt. So sicher wie der Fernsehturm in Degerloch steht, wird es dabei auch um die Personalie Trainer gehen. Wobei Präsidiumsmitglied Jürgen Kindler (Präsident Rainer Lorz war am Samstag beruflich in Berlin) keine Trainerdiskussion sieht – zumindest stand Samstagabend.
„Wir haben Vertrauen in den Trainer. Wir wollen Kontinuität und mit Marco Wildersinn auch in die neue Saison gehen. Wir wollen ihm eine besser zusammengestellte Mannschaft zur Verfügung stellen, mit anderen Charakteren.“ Neue Spieler kosten Geld, Geld das bei einer Trennung vom Trainer weniger zur Verfügung stehen würde.
Genau darüber dürften sich die Gremien am Dienstag garantiert intensiv austauschen.
Aufstellung Kickers
Neaime – Schmidts (56. Petrovic), Polauke (87. Behrendt), Borac, Kammerbauer (56. Berisha) – Lockl (79. Skenderovic), Blank, Kiefer – Schembri (79. Tekerci), Braig, Tomic.
Bank: Lord, Meien, Riehle.
Nicht im Kader: Dornebusch, Mitrovic, Riedinger, Awortwie-Grant, Hencke, Rexhepi, de Sousa, Stojak, Mauersberger.
Ergebnisse 2025
Regionalliga
Stuttgarter Kickers – FC Gießen 3:0, FC-Astoria Walldorf – Kickers 3:2, Kickers – 1. Göppinger SV 3:0, TSV Steinbach Haiger – Kickers 2:1, Kickers – Kickers Offenbach 1:1, FSV Frankfurt – Kickers 0:1, TSG 1899 Hoffenheim II – Kickers 3:0, Kickers – SGV Freiberg 3:2, Kickers – Bahlinger SC 1:2, SG Barockstadt Fulda-Lehnerz – Kickers 2:1, Kickers – Eintracht Trier 3:2, Kickers – SC Freiburg II 0:2, 1. FSV Mainz 05 – Kickers 4:1, Kickers – KSV Hessen Kassel 1:5. (jüf)