Datenbasiertes Scouting erschweren die Schnäppchenjagd. Die Stuttgarter Kickers hoffen, in Abdoulie Mboob eines gemacht zu haben. Andere Beispiele zeigen, dass es nach oben gehen kann.
Die Parallele drängt sich irgendwie auf. Fabio Moreno Fell hat in der Saison 2023/24 für den Verbandsligisten TSV Gau-Odernheim 50 Tore geschossen. In den erfolgreichen Aufstiegsspielen zur Oberliga legte der Stürmer mit drei Treffern nach. Auch Abdoulie Mboob erzielte in der vergangenen Runde 30 Tore für den Türkischen SV Singen in der Verbandsliga. Auch er traf in den erfolgreichen Oberliga-Aufstiegsspielen dreimal.
Moreno Fells rasanter Aufstieg
In Zeiten des datenbasierten Scoutings auch in unterklassigen Ligen wird es immer schwieriger, das Rennen um Schnäppchen zu machen. Beide Spieler hatten die Stuttgarter Kickers auf dem Schirm. Im Fall von Moreno Fell war der 1. FSV Mainz 05 schneller, zudem wohnt der gebürtige Spanier in Rheinhessen. Inzwischen hat der eigentlich für die Regionalligamannschaft der Mainzer verpflichtete 25-Jährige (zwei Tore beim 3:0 gegen die Kickers am 23. August 2025) Einsätze in der Bundesliga und in der Conference League vorzuweisen.
„Der Fußball schreibt manchmal besondere Geschichten“, sagt Meikel Schönweitz, Technischer Direktor der 05er. „Es ist außergewöhnlich, wenn man einen Spieler im Frühjahr in der Verbandsliga beobachtet und ihn dann Ende des Jahres in der Bundesliga auflaufen sieht.“ Einen Riesensprung machte in dieser Winterpause auch Mateo Biondic (sieben Regionalliga-Saisontore, fünf Vorlagen). Der 22-jährige Deutsch-Kroate wechselte von Eintracht Trier zum belgischen Meister Union Saint-Gilloise.
So schnell wird es für Abdoulie Mboob nicht nach oben gehen. Er versucht sein Glück in den restlichen 14 Spieltagen erst einmal in der Regionalliga bei den Stuttgarter Kickers. Nachdem ein Probetraining beim türkischen Zweitligisten Sivaspor im Sommer nicht zur einer Verpflichtung geführt hatte, kehrte der 23-Jährige nach Singen zurück, spielte ab September für den Oberliga-Aufsteiger (elf Tore in elf Spielen) – mit dem Deal, in der Winterpause bei einem entsprechenden höherklassigen Angebot gehen zu können.
Auracher traut es Mboob viel zu
„Er ist schnell, dynamisch, hat rechts wie links einen guten Abschluss, und er ist kopfballstark“, lobt ihn Patrick Auracher. Der ehemalige Kickers-Profi weiß das aus eigener Erfahrung. Der 36-Jährige ist Verteidiger und Co-Trainer beim Oberligisten TSV Essingen – und bei der 1:3-Heimniederlage des TSV im vergangenen November machte Mboob alle drei Singener Tore. Auch in den bisherigen Vorbereitungsspielen im Kickers-Dress wusste er zu gefallen und bewies mit drei Treffern seinen Torriecher.
Auracher traut ihm, von seinen Anlagen her, auf alle Fälle höherklassige Aufgaben zu. Doch es gibt noch ein paar andere Kriterien, die hinzukommen, bei dem Prozess, sich durchzusetzen. „Die fußballerisch-technischen Fähigkeiten unterscheiden sich oftmals gar nicht so sehr, die körperlich Komponente spielt vielmehr eine sehr große Rolle. Der Spieler muss schnell erkennen, was in einer höheren Liga gefordert ist und das auch umsetzen“, sagt Kickers-Coach Marco Wildersinn. Entscheidendes Stichwort dabei: Lernfähigkeit.
Ebnoutalib startet durch
Bei Younes Ebnoutalib war diese neben dem außergewöhnlichem Talent zweifelsohne gegeben. Der 22-Jährige stürmte in der Vorrunde der Saison 2024/25 noch für den damaligen Regionalligisten FC Gießen. „Nach fünf Spielen war klar, der Mann ist super spannend und jeder wollte ihn“, erinnert sich Wildersinn. Auch beim 2:2 gegen die Kickers am 17. August 2024 traf Ebnoutalib.
In der darauf folgenden Winterpause wechselte er für 50 000 Euro zu Zweitligist SV Elversberg. Sein Marktwert stieg im Laufe des Jahres um das 160-fache. Diesen Januar holte ihn Bundesligist Eintracht Frankfurt in seine Geburtsstadt – für eine Ablöse von acht Millionen Euro. Gleich bei seinem Debüt traf der Offensivmann gegen Borussia Dortmund (3:3), im Spiel beim VfB Stuttgart (2:3) verletzte er sich am Knie.
Ebenfalls in der Winterpause war Ayoube Amaimouni-Echghouyab von Drittliga-Aufsteiger TSG 1899 Hoffenheim II zur Eintracht gewechselt. Auch diesen Offensivmann kannten die Kickers aus Duellen in der Regionalliga. „Bei ihm war noch klarer als bei Ebnoutalib, dass er nach oben durchstartet. Bewegungsabläufe, Technik, Spielverständnis – all das war außergewöhnlich gut“, schildert Wildersinn seine Eindrücke zu dem 21-Jährigen, der wie Ebnoutalib Wurzeln in Marokko hat.
Die von Abdoulie Mboob liegen in Gambia, aufgewachsen ist der Schweden, ausgebildet wurde er bei AIK Fotboll. „Man sieht schon, dass er was drauf hat“, sagt Wildersinn. Ob und wie weit es für den Stürmer nach oben geht, kann aber keiner seriös voraussagen.
Termine 2026
Testspiele
Stuttgarter Kickers – Young Boys Reutlingen (Verbandsliga) 4:3. Kickers – 1. CfR Pforzheim (Oberliga) 6:1. Kickers – SpVgg Unterhaching (Regionalliga Bayern) 3:2. Samstag, 7. Februar, 14 Uhr: FC Bayern München II (Regionalliga Bayern) – Kickers, Campus FC Bayern. Samstag, 14. Februar, 14 Uhr: Kickers – 1. FC Nürnberg II (Regionalliga Bayern), ADM-Sportpark oder Gazi-Stadion auf der Waldau.
Regionalliga
Kickers – 1. FSV Mainz 05 II (21. Februar, 14 Uhr), Kickers Offenbach – Kickers (28. Februar, 14 Uhr). Noch nicht fix terminiert u. a.: Kickers – TSV Steinbach (6./7./8. März), SC Freiburg II – Kickers (13./14./15. März), Kickers – KSV Hessen Kassel (20./21./22. März), Kickers – FC Bayern Alzenau (27./28./29. März). (jüf)