Lutz Siebrecht freut sich gemeinsam mit Trainer Marco Wildersinn über den Einzug ins WFV-Pokal-Halbfinale. Foto: Baumann/Alexander Keppler

Durch den 3:1-Pokalsieg der Stuttgarter Kickers gegen den SGV Freiberg sammelt Trainer Marco Wildersinn weiter Pluspunkte. Das Spiel zeigt aber auch, wo der Kader Verstärkung braucht.

Christian Mauersberger gehörte gemeinsam mit Per Lockl, Keeper Felix Dornebusch und dem nicht nur wegen seines Traumtors zum 3:1-Endstand überragenden David Tomic zu den auffälligsten Spielern der Stuttgarter Kickers beim Sieg gegen den SGV Freiberg. Nach dem Einzug ins WFV-Pokal-Halbfinale sprach Mauersberger aus, was die 3780 Zuschauer im Gazi-Stadion dachten: „2026 läuft’s richtig gut für uns, es macht richtig Spaß, und wir ernten derzeit die Früchte unserer Arbeit.“

 

Seit sechs Spielen unbesiegt

In Zahlen sieht das so aus: Von den vergangenen sechs Pflichtspielen (inklusive dem 4:2 vor der Winterpause in Trier) wurden fünf gewonnen und wurde einmal unentschieden gespielt. Zudem setzt die Mannschaft im neuen Jahr genau das um, was als Ergebnis der Analyse ganz oben auf der Agenda stand: Sie spielt in einem einfachen, klaren Spielsystem intensiv gegen den Ball.

Sie presst hoch, sammelt zweite Bälle ein, hat deutlich mehr Präsenz im gegnerischen Strafraum und strahlt dadurch mehr Torgefahr aus. Im Pokalduell gegen den Regionalliga-Spitzenreiter war das zugegebenermaßen erst in der zweiten Halbzeit der Fall. Erst nach der Pause bissen sich die Kickers so richtig rein in die Partie, spielten mit mehr Power und deutlich aggressiver. Vor allem vor der Pause (als Dornebusch die Kickers im Spiel hielt) wurde ein Manko offenkundig, das der Gegner mit dem omnipräsenten Häuptling Marco Kehl-Gomez zu wenig nutzte: In Sachen körperlicher Robustheit, Größe und Reife hatte der SGV Vorteile. Die Blauen kompensierten das nach dem Wechsel durch ihren unermüdlichen Kampfgeist und ihre Effizienz bei den Toren. „Die haben wir uns durch Herz und Leidenschaft auch verdient“, sagte Trainer Marco Wildersinn.

Seine Rückkehr ist ein wesentlicher Grund für die Erfolgsserie der Kickers: Torwart Felix Dornebusch. Foto: Baumann/Alexander Keppler

Der Chefcoach hat mit der Erfolgsserie auch persönlich Pluspunkte gesammelt. In der Winterpause war es praktisch ein offenes Geheimnis, dass sein am Saisonende auslaufender Vertrag nicht verlängert wird, Namen wie Holger Bachthaler (FV Illertissen) oder Beniamino Molinari (VfR Aalen) kursierten. Inzwischen hat sich die Stimmung gedreht. Was für Wildersinn spricht: Er hält nicht stur an irgendetwas fest. Er war bereit, sein über Jahre hinweg praktiziertes 4-3-3-System zu ändern und auf eine Dreierkette umzustellen.

Er scheut sich auch nicht, die schützende Hand von Spielern zu nehmen, zu denen er einen besonderen Bezug hat – wie zum Beispiel Maximilian Zaiser, mit dem er zwei Jahre bei den Würzburger Kickers zusammenarbeitete. Der Trainer zeigt sich im Sinne der Sache anpassungsfähig. Noch ist längst nichts entschieden – doch geht der positive Lauf weiter, könnte es durchaus sein, dass die Kickers und Wildersinn gemeinsam in ein drittes Jahr gehen.