Die emotionalen Ausschläge waren schon in beide Richtungen heftiger. Nach dem 4:0 der Kickers gegen den SC Freiburg II bleiben alle Beteiligten bodenständig. Eine neue Reife?
Bei Traditionsclubs im Allgemeinen und bei den Stuttgarter Kickers im Speziellen sind die emotionalen Ausschläge schon immer etwas heftiger als anderswo. Meistens ist die Gefühlslage im Umfeld rein vom Ausgang der 90 Minuten abhängig. Beim 4:0 (3:0) der Blauen beim Regionalliga-Heimspiel gegen den SC Freiburg II stimmte sogar beides: Resultat und Art und Weise des Auftritts.
Das war eine Woche zuvor beim 1:0-Auswärtserfolg beim TSV Steinbach Haiger ähnlich. Und trotz der beiden Zu-null-Spiele drängt sich der Eindruck auf: Jeder ordnet den Mini-Aufschwung wohltuend unaufgeregt ein. Schon gar nicht deutet irgendetwas darauf hin, dass einer Gefahr läuft, die Bodenhaftung zu verlieren. Bei den Verantwortlichen ist das ohnehin keine große Überraschung. Es gehört zu den Gepflogenheiten der Branche, dass tendenziell eher tiefgestapelt wird.
„Kein Grund durchzudrehen“
„Es gibt bei uns keinen Grund, jetzt durchzudrehen, zumal wir viele Themen haben, an denen wir noch arbeiten müssen“, stellte Trainer Marco Wildersinn nach dem höchsten Saisonsieg klar. Und der Sport-Geschäftsführer Lutz Siebrecht konstatierte sachlich-nüchtern: „Das war ein gutes Heimspiel, ein schönes Heimspiel, mit schönen Toren – nicht mehr und nicht weniger.“
Für beide sportlichen Entscheidungsträger steht über allem, dass die Grundtugenden auf den Platz gebracht werden: Intensität, Einsatz, Wille, Laufbereitschaft – das sind die Basics, die für den Fußball Marke Kickers stehen sollen. Und die auf der Zielgeraden der vergangenen Saison häufig nicht mehr zu sehen waren.
Keine Drittliga-Träume
„Schnee von gestern. Ich schaue nach vorne“, sagt Siebrecht. Bodenständig bleiben wolle man, das junge Team weiterentwickeln, heißt es immer wieder. Die Tabelle spielt dabei eine eher untergeordnete Rolle. „Wir spielen befreit auf, weil Freiberg schon aufgestiegen ist“, schrieb ein User im Kickers-Forum mit einem Augenzwinkern. Von eigenen Drittliga-Träumen spricht keiner. „Warum auch?“, entgegnet Siebrecht. Und auch er verweist auf die Überflieger vom SGV: „Es steht eine Mannschaft oben in der Regionalligatabelle, die alle sieben Spiele gewonnen hat und eine Tordifferenz von plus 20 aufweist.“
Hinzu komme: „Mit Träumen hat noch nie jemand seine Ziele erreicht, sondern nur mit harter Arbeit.“ Und genau dabei fühlen sich die Blauen mit ihrer Rasselbande auf einem guten Weg. „Ich tausche mich regelmäßig mit dem Präsidium, dem Trainerteam, den Spielern aus. Wir sind uns klar, wer wir sind, wo wir hinwollen. Gut möglich, dass sich das auch auf den gesamten Verein und das Umfeld überträgt“, sagt Siebrecht zu der von Augenmaß geprägten Erwartungshaltung. Konsequent, fokussiert und zielstrebig soll die inzwischen auch physisch stabilere Mannschaft die nächsten Schritte nach vorne machen.
Zaiser und Mauersberger vor Rückkehr
Vorteil: Die personellen Alternativen werden eher größer als kleiner. Mittelfeldstratege Maximilian Zaiser (Oberschenkelprobleme) und Offensivmann Christian Mauersberger (Meniskus-OP) stehen demnächst wieder zur Verfügung. Genauso der nachverpflichtete Stürmer Samuel Unsöld, der zuletzt wegen muskulärer Probleme pausierte. Siebrecht: „Das war eine reine Vorsichtsmaßnahme, wir wollten kein Risiko eingehen.“
Zumal in diesem Monat noch drei wichtige Partien anstehen. Zunächst die beiden Auswärtsspiele beim KSV Hessen Kassel (20. September) und beim FC Bayern Alzenau (27. September, beide 14 Uhr). Dann der schon jetzt mit Spannung erwartete Heimschlager gegen Spitzenreiter SGV Freiberg (30. September, 19 Uhr).