Die Kickers-Fans wählten ihn zum Spieler der Saison. Nun steht Christian Mauersberger nach seiner Meniskusverletzung vor dem Comeback. Er spricht über Ziele und seinen Ex-Club Freiberg.
Es gibt Dinge außerhalb des Sports, die beflügeln während einer langen und zähen Rehazeit. Christian Mauersberger nennt ein schönes Beispiel aus seinem Sommerurlaub auf Kreta. Da hat er sich mit seiner Freundin Laura verlobt. „Ich habe fleißig trainiert für den Kniefall mit der Schiene am Bein, aber alles hat gut funktioniert“, sagt der Offensivmann des Fußball-Regionalligisten Stuttgarter Kickers mit einem Schmunzeln und ist sich ganz sicher: „Auch so etwas verleiht einem einen Schub.“
Erst Alzenau, dann Freiberg
Nun brennt der 30-Jährige auf sein Comeback. Ob das schon am Samstag (14 Uhr) im Spiel beim FC Bayern Alzenau oder erst am kommenden Dienstag (19 Uhr/Gazi-Stadion) im Heimspiel gegen seinen Ex-Club SGV Freiberg der Fall sein wird, ist noch offen. Seit zweieinhalb Wochen befindet er sich jedenfalls wieder im Mannschaftstraining. Jede Einheit tut ihm gut, um an Wettkampfhärte zuzulegen, um das Vertrauen ins Knie zu stärken. Vergangene Woche bremsten ihn Rückenprobleme. Mauersberger tauscht sich täglich mit dem Trainerteam und der medizinischen Abteilung aus. Er befindet sich voll im Zeitplan und möchte nichts überstürzen.
Sein letztes Spiel hat er am 30. März 2025 bestritten – beim 1:0-Sieg beim FSV Frankfurt. In der Woche danach zog er sich im Training einen Riss des Innenmeniskus zu. Danach boten sich ihm zwei Optionen: eine Teilentfernung des Meniskus (mit dem späteren Risiko einer Arthrose) oder nähen lassen. Mauersberger entschied sich für eine Meniskus-Naht und nahm eine längere Ausfallzeit in Kauf.
Ohne ihn gingen von den restlichen acht Saisonspielen sechs verloren. Was nicht allein an seinem Ausfall lag, aber eben auch einer der Gründe für den Leistungsabfall des Teams von Coach Marco Wildersinn war. Denn er bringt zweifelsohne die Qualitäten mit, die für beide Spielphilosophien wichtig sind: Für den Ballbesitzfußball die technischen Qualitäten, einen sauberen ersten Kontakt, Dribbelstärke, Spielübersicht, Kreativität, Frische und Unbeschwertheit. Für das Umschaltspiel die nötige Laufstärke, Handlungsschnelligkeit und Aggressivität bei der Balleroberung.
Für die Fans der Blauen Gründe genug, ihn zum Spieler der Saison 2024/25 zu wählen. „Das tat total gut und bedeutete für mich eine Extra-Motivation für die Reha“, sagt Mauersberger, der beim Saisonfinale aufs Spielfeld hinkte und sich auf Krücken vor dem B-Block feiern ließ.
Solch eine Wertschätzung zeigt ihm, dass er sich bei den Blauen in Degerloch am richtigen Ort befindet. „Ich fühle mich pudelwohl und habe in den letzten Jahren schon noch einmal Blut geleckt, was meine Profikarriere betrifft“, sagt der offensive Mittelfeldspieler. Eigentlich hatte er damit abgeschlossen, als er nach den Stationen Chemnitzer FC, FC Schalke 04 II und FSV Zwickau für sich den Resetknopf drückte und von 2018 bis 2020 in der Verbands- und Oberliga hobbymäßig für den 1. FC Rielasingen-Arlen kickte.
Er konzentrierte sich auf ein Gemeindepraktikum, später auf sein Theologiestudium am Bibelstudienkolleg in Ostfildern, das er derzeit ruhen lässt. Spätestens mit dem Wechsel vom SGV Freiberg 2023 zu den Kickers gilt das Hauptaugenmerk des früheren U-19-Nationalspielers (in einem Team mit Joshua Kimmich und Leon Goretzka) wieder dem Sport – ohne sich dem ganz großen Druck auszusetzen. „Fußball ist ein Wochengeschäft. Mal bist du der Held, mal der Depp. Davon habe ich mich gelöst, auch weil ich ein festes Fundament zu Jesus habe“, sagt Mauersberger.
Glaube beflügelt
Auch der Glaube hat ihn in seiner Rehaphase beflügelt. Nun will er endlich wieder bei einem Pflichtspiel auf den Platz. Spätestens gegen Freiberg? Die optimale Zwischenbilanz seines Ex-Clubs mit acht Siegen aus acht Spielen nötigt auch ihm Respekt ab. Seinen ehemaligen Zimmerkollegen Marco Kehl-Gomez, mit dem er auch schon in Chemnitz zusammenspielte, sieht er dabei als absoluten Schlüsselspieler des SGV an.
„Er ist extrem wichtig für die Mannschaft – auf und außerhalb des Spielfeldes. Er hat die Gabe, ein Leader zu sein, so etwas kannst du nicht trainieren“, sagt Mauersberger. Bei den Kickers gibt es dieses eine und einzige Alphatier nicht. Die Führungsrolle muss auf mehrere Schultern verteilt werden.
Auch deshalb ist es wichtig, dass Christian Mauersberger möglichst bald wieder aufs Spielfeld zurückkehrt.
Saison 2025/26
Ergebnisse
1. Göppinger SV – Kickers (0:2/zweite WFV-Pokal-Runde), SG Barockstadt Fulda-Lehnerz – Stuttgarter Kickers 0:1, Kickers – SV Sandhausen 3:2, VfR Aalen – Kickers (0:2/dritte WFV-Pokal-Runde), Kickers – Eintracht Trier 1:1, 1. FSV Mainz 05 II – Kickers 3:0, Kickers – Kickers Offenbach 1:2, TSV Weilimdorf – Kickers (1:2/WFV-Pokal-Achtelfinale), TSV Steinbach Haiger – Kickers 0:1, Kickers – SC Freiburg II 4:0, KSV Hessen Kassel – Kickers 3:0.
Termine
FC Bayern Alzenau – Kickers (Samstag, 27. September, 14 Uhr), Kickers – SGV Freiberg (Dienstag, 30. September, 19 Uhr), FSV Frankfurt – Kickers (Sonntag, 5. Oktober, 14 Uhr), Kickers – Bahlinger SC (Samstag, 11. Oktober, 14 Uhr), TSG Balingen – Kickers (Samstag, 18. Oktober, 14 Uhr), Kickers – TSV Schott Mainz (Samstag, 25. Oktober, 14 Uhr), FC 08 Homburg – Kickers (Sonntag, 2. November, 14 Uhr), Kickers – FC-Astoria Walldorf (Samstag, 8. November, 14 Uhr), SG Sonnenhof Großaspach – Kickers (Samstag, 15. November, 14 Uhr), Kickers – SG Barockstadt Fulda-Lehnerz (Samstag, 22. November, 14 Uhr), SV Sandhausen – Kickers (Sonntag, 30. November, 14 Uhr). (jüf)