Trotz der ersten Niederlage nach 15 ungeschlagenen Regionalligaspielen in Serie kann der SGV Freiberg noch das Double holen, doch die Drittligalizenz hat der Club nicht beantragt. Präsident Emir Cerkez äußert sich vor dem Derby bei den Stuttgarter Kickers.
Natürlich hatte sich Emir Cerkez auf das Spiel bei den Stuttgarter Kickers im Gazi-Stadion auf der Waldau gefreut. Doch durch die Verlegung des württembergischen Regionalliga-Derbys auf diesen Mittwoch (19 Uhr) kann der Präsident des SGV Freiberg nicht live dabei sein. Der zweiwöchige Urlaub in seiner bosnischen Heimat in Sarajevo war schon lange gebucht. Solche Spiele vor vielen Zuschauern sind Saisonhöhepunkte für die Freiberger, die in dieser Runde schon einmal auf Degerlochs Höhen aufgekreuzt sind und im WFV-Pokal-Achtelfinale durch zwei Tore von Simon Klostermann in der Verlängerung mit 3:1 gewonnen haben. „Ich werde das Spiel aus der Ferne mitverfolgen und würde es allen Freibergern gönnen, wenn wir wieder erfolgreich sind“, sagt Cerkez.
Seit 15 Jahren steht der Dachdecker-Unternehmer nun schon als Präsident an der Spitze des Vereins und ist gleichzeitig auch der größte Gönner. Doch eine solche Erfolgsserie wie sie bis zum vergangenen Samstag Bestand hatte, war seinem Club in der Regionalliga noch nie vergönnt. 15 Punktspiele lang war das Team ungeschlagen. Die letzte Niederlage datierte vom 5. Oktober 2024, damals hatte es ein 2:3 beim 1. FSV Mainz 05 II gesetzt. Nun gab es gegen den gleichen Gegner eine 0:1-Heimniederlage. Mit einer Elf, in der einige Stammspieler, zwischen einem wichtigen Pokalspiel und dem Highlight bei den Kickers, geschont wurden. So kam zum Beispiel Ex-Kickers-Keeper Thomas Bromma zwischen die Pfosten und erwischte alles andere als einen guten Tag.
Chancen auf DFB-Pokal intakt
Am Mittwoch davor hatte der SGV im WFV-Pokal die Viertelfinal-Hürde bei Oberligist TSG Backnang mit 5:1 genommen. Freiberg kämpft nun im Halbfinale (30. April) gegen den Sieger der Partie SSV Reutlingen gegen TSG Balingen (9. April, 19 Uhr) um die Endspielteilnahme am 24. Mai im Gazi-Stadion.
Selbst der Knall-auf-Fall-Ausstieg von Trainer Roland Seitz in der Winterpause zum Ligarivalen FC 08 Homburg hatte keine negative Auswirkungen. Unter dem bisherigen Co-Trainer Kushtrim Lushtaku als Chef marschierte das Team, bis zum vergangenen Samstag, völlig unbeeindruckt weiter.
Im Dauer-Clinch mit der Stadt
Noch immer ist das Double möglich. Wird man am Ende Regionalliga-Meister und zieht als württembergischer Cupsieger in den DFB-Pokal ein? „Solche Prognosen überlasse ich anderen“, sagt Cerkez relativ kurz angebunden. Bei der Frage, warum sein Verein, wie schon im vergangenen Jahr, die Drittligalizenz aber erst gar nicht beantragt hat, wird er redseliger. Seine wortreiche Antwort kurz zusammengefasst lautet: Die Stadt Freiberg stelle sich seit Jahren gegen den Verein.
Man habe, nicht wie oft in der Öffentlichkeit dargestellt, Geld von der Kommune haben wollen. Vielmehr hätte der Verein gerne via der Option Erbbaurecht die erforderlichen infrastrukturellen Maßnahmen für ein 5000 Zuschauer fassendes Stadion selbst finanziert. Ohne, dass etwa zum Beispiel die Laufbahn für die Leichtathleten verändert worden wäre und andere Vereine oder der Schulsport darunter hätten leiden müssen, so Cerkez.
Verständnis für Spieler-Frust
Dass seine Spieler Frust schieben, weil die Lizenz nicht beantragt wurde, dafür hat der Präsident Verständnis. Kapitän Marco Kehl-Gomez hatte von einem „Schlag ins Gesicht“ gesprochen. „Ich muss ihm in jeder Hinsicht recht geben. Mein Herz zerbricht, weil ich wie ein Löwe kämpfe, aber die andere Seiten setzt sich nicht an einen Tisch mit uns, mir sind die Hände gebunden, ich habe keine Lösung.“
Woher er die Motivation nimmt, Geld in eine Mannschaft zu stecken, die am Ende womöglich die Früchte ihrer Arbeit gar nicht ernten kann? Cerkez wirkt nachdenklich: „Ich brenne voller Leidenschaft für den Sport, aber so langsam verliere ich die Motivation.“ Das soll aber nicht heißen, dass er den Verein im Stich lässt. Sogar eine erneute Amtszeit – Neuwahlen sind im Sommer 2026 – schließt er nicht kategorisch aus. Egal, was passiert, er werde den Verein weiter unterstützen.
Hoffnungen ruhen auf neuem Bürgermeister
Die Hoffnung, dass es vielleicht doch noch eine Liga nach oben geht, hat er nicht aufgegeben. Cerkez setzt dabei auf den neuen Bürgermeister Jan Hambach samt neuen Gemeinderat und zeigt sich versöhnlich: „Wir sind bereit, der Stadt Freiberg die Hand zu geben.“