Sport-Geschäftsführer Lutz Siebrecht hat die laufende Saison nicht abgehakt, blickt aber dennoch schon auf die neue Runde. Foto: Baumann/Hansjürgen Britsch

Bei 14 Punkten Rückstand auf Spitzenreiter TSG Hoffenheim II ist der Aufstiegszug für die Stuttgarter Kickers vor dem Heimspiel gegen den SGV Freiberg abgefahren. Was sind die Gründe? Welche Lehren müssen mit Blick auf die neue Saison gezogen werden?

Ob er den Kollegen von der TSG Hoffenheim II schon zu Meisterschaft und Aufstieg gratuliert hat? „Das wäre verfrüht. Aber sie haben die besten Chancen, die besten Spieler, und sie haben es in der eigenen Hand“, sagte Lutz Siebrecht, der Sport-Geschäftsführer des Fußball-Regionalligisten Stuttgarter Kickers, nach dem 0:3 am Sonntag im Dietmar-Hopp-Stadion. Trainer Marco Wildersinn ging sogar einen Schritt weiter: „Die TSG hat enorme Qualität. Sie werden hochgehen. Da führt definitiv kein Weg dran vorbei.“

 

Mittwoch kommt SGV Freiberg

Der Rückstand der Kickers auf „Hoffe zwo“ beträgt satte 14 Punkte. Warum der Aufstiegszug bereits vor dem siebtletzten Saisonspiel an diesem Mittwoch (19 Uhr/Gazi-Stadion) gegen den SGV Freiberg abgefahren ist, hat seine Gründe.

Mangelnde Durchschlagskraft Ein Blick auf die Regionalliga-Torjägerliste sagt über die Offensivschwäche einiges aus. Vorne ist nicht ein Spieler der Blauen dabei. Erfolgreichster Schütze ist David Braig mit zehn Treffern, davon fünf Elfmeter. „Auch wenn man nicht alles an einem Spieler festmachen kann, ein guter Torjäger ist schon Grundvoraussetzung, wenn man erfolgreich sein will“, räumt Siebrecht ein. Insgesamt hat sich die Mannschaft im bisherigen Saisonverlauf zu selten für ihren Aufwand belohnt, da die Durchschlagskraft, die Gier, der Killerinstinkt im letzten Drittel fehlten. Nach Informationen unserer Redaktion steht Stürmer David Hummel (FC 08 Homburg/zwölf Saisontore) deshalb ganz oben auf der Wunschliste der Blauen.

Zulegen an körperlicher Robustheit

Körperliche Robustheit Bei aller außergewöhnlich guter Qualität, die die TSG II zweifelsohne mitbringt: Wenn ein Nachwuchsteam eines Bundesligisten auch körperlich – in Sachen Größe, Robustheit, Zweikampfstärke – einer Männermannschaft deutlich überlegen ist, lässt das tief blicken. Dann ist klar, wo es bei den Kaderjustierungen anzusetzen gilt. Ein wuchtiger, physisch und athletisch starker Mann wie etwa der Hoffenheimer Ex-Kickers-Spieler Ruben Reisig würde den Blauen gut zu Gesicht stehen. Zumal die relativ kleine Kickers-Mannschaft auch nicht über überdurchschnittlich viel Tempo verfügt.

Führungsspieler Insgesamt präsentierten sich die Blauen zu lieb, zu nett. Ein mentalitätsstarker Führungsspieler, der wie Luigi Campagna (2021 bis 2024) mal ein Zeichen setzt, fehlt. Einer, der Verantwortung übernimmt, wenn es nicht rundläuft, und das Spiel in die richtige Richtung lenkt. Felix Dornebusch ist zwar Torwart und hat dadurch nur bedingt Einfluss aufs Feldspiel, doch sein Kreuzbandriss kam – ähnlich wie die Verletzung von Niklas Kolbe in der Vorsaison – zur Unzeit. Der meinungsstarke 30-jährige Keeper ist auch außerhalb des Spielfeldes mit seiner Erfahrung ein wichtiger Baustein, der wegbrach.

Siebrecht will seine Lehren aus dieser Saison noch nicht öffentlich zum Besten geben. „Die Analyse läuft noch, zudem ist die Runde noch nicht gelaufen. Wir wollen weiter alles investieren, jedes Spiel nutzen, um uns weiterzuentwickeln“, betont der Sport-Geschäftsführer.

Toptalente langfristig gebunden

Der Weg jedoch ist jetzt schon klar: Auf junge, hungrige Spieler, die nach der dritten Liga lechzen, wird gesteigerter Wert gelegt. Dass Toptalente wie Oskar Hencke und Lirjon Abdullahu langfristig an den Verein gebunden wurden, belegt dies. Die regelmäßigen Einsätze von Leon Neaime, Mario Borac und Nevio Schembri genauso.

Natürlich muss grundsätzlich immer auch, was die Altersstruktur betrifft, die Mischung in einer Mannschaft stimmen. Doch Spieler, die aus höheren Spielklassen kommen (wie etwa Brian Behrendt oder Meris Skenderovic), werden künftig weniger eine Rolle spielen. Die Kunst wird darin liegen, trotz eines bestimmt nicht zu kleinen Umbruchs, trotz des Aufbaus einer jungen, entwicklungsfähigen, auch perspektivisch starken Mannschaft oben mitzuspielen. Siebrecht will sich dazu noch nicht äußern: „Erst einmal stellen wir einen Kader zusammen, dann sprechen wir über Ziele, die wir erreichen wollen.“ Wobei mit Sicherheit nicht ausbleiben wird, dass auch mit Spielern mit über den Sommer hinaus laufenden Verträgen über eine vorzeitige Auflösung verhandelt wird.

Siebrecht: Trainerteam bleibt definitiv

Im Vorjahr haben die Kickers, noch unter der Regie des damaligen Sportdirektors Marc Stein, Aufstiegstrainer Mustafa Ünal nach der Vizemeisterschaft entlassen. Trotz eines noch ein Jahr laufenden Vertrags. Stein-Nachfolger Siebrecht lässt keinen Zweifel daran, dass es mit Chefcoach Marco Wildersinn (Vertrag bis 2026) weitergeht: „Wir gehen definitiv mit dem bestehenden Trainerteam in die neue Saison.“

Davor wollen sich die Blauen noch von ihrer besten Seite zeigen. Zumal fünf der ausstehenden sieben Saisonspiele vor eigenem Publikum über die Bühne gehen.

Ergebnisse und Termine 2025

Regionalliga
Kickers – FC Gießen 3:0, FC-Astoria Walldorf – Kickers 3:2, Kickers – 1. Göppinger SV 3:0, TSV Steinbach Haiger – Kickers 2:1, Kickers – Kickers Offenbach 1:1, FSV Frankfurt – Kickers 0:1, TSG 1899 Hoffenheim II – Kickers 3:0, Kickers – SGV Freiberg (9. April, 19 Uhr), Kickers – Bahlinger SC (12. April, 14 Uhr), SG Barockstadt Fulda-Lehnerz – Kickers (19. April, 14 Uhr), Kickers – Eintracht Trier (27. April, 14 Uhr), Kickers – SC Freiburg II (3. Mai, 14 Uhr), 1. FSV Mainz 05 – Kickers (10. Mai, 14 Uhr), Kickers – KSV Hessen Kassel (17. Mai, 14 Uhr). (jüf)