Mohamed Baroudi war mit seiner erfrischenden Art Publikumsliebling bei den Stuttgarter Kickers. Die Gründe für seinen Abgang werden von beiden Seiten unterschiedlich dargestellt.
Am 4. Juli kam Mohamed Baroudi noch einmal auf das Gelände des Oberligisten Stuttgarter Kickers. Gemeinsam mit seinen ebenfalls zum Regionalliga-Aufsteiger SGV Freiberg gewechselten Teamkollegen Ruben Reisig und Lirim Hoxha verabschiedete er sich von seinen alten Kameraden: „Ich habe zwei Sätze geredet und dann geheult wie ein Schlosshund. Die Kickers waren elf Jahre lang mein zweites Zuhause.“
Ausstiegsklausel genutzt
Bleibt die Frage, warum der 20-Jährige dann überhaupt gegangen ist. Klar ist, dass er im Fall eines Nichtaufstiegs eine Ausstiegsklausel im Vertrag hatte. „Der Fußballgott war leider nicht auf unserer Seite, dennoch wollte ich eigentlich bleiben“, sagt Baroudi, „doch das Angebot war unter aller Kanone.“ Er spricht von „fehlender Wertschätzung“, sogar von „Respektlosigkeit“. Marc Stein lässt diese Vorwürfe nicht gelten: „Wir haben ihm frühzeitig signalisiert, dass wir ihn halten wollen, ihm gute Möglichkeiten aufgezeigt, sich hier weiterzuentwickeln, und aus meiner Sicht auch alle seine Vorstellungen erfüllt“, sagt der Kickers-Sportdirektor.
Baroudi war in der vergangenen Vorrunde der Senkrechtstarter bei den Kickers. Mit seiner erfrischenden, herzlichen Art spielte sich der quirlige Offensivmann vom Typ Straßenfußballer in die Herzen der Kickers-Fans. Unvergessen sein Traumtor nach einem 70-Meter-Solo beim Auswärtssieg in Villingen. Anfragen flatterten ihm und seinem Berater Kevin Kuranyi ins Haus von Clubs wie dem 1. FC Saarbrücken, der SV Elversberg, dem FC 08 Homburg – auch der VfB Stuttgart II hatte die Fühler ausgesteckt. Das Interesse erlahmte etwas, als Baroudi im Laufe der Rückrunde bei den Blauen nicht mehr wie zuvor ablieferte. Häufig brummte er auf der Bank. Die Gründe dafür lagen auch im privaten und persönlichen Bereich, auf die der Junge mit den marokkanischen Wurzeln nicht näher eingehen möchte. „Wir haben versucht, ihn auf allen Wegen zu unterstützen“, sagt Sportdirektor Marc Stein. Baroudi behauptet: „Geholfen haben mir neben der Mannschaft nur drei Leute.“
Ünal als Förderer
Er nennt Teamkoordinator Jakob Braun, Sponsor Klaus Bluthardt und Trainer Mustafa Ünal. „Musti hat mir so viel beigebracht, ihm habe ich sportlich sehr viel zu verdanken“, sagt Baroudi. Nicht nur das: Der Coach suchte gemeinsam mit Bluthardt nach einer Bleibe. Der Mietvertrag für eine Zweieinhalb-Zimmer-Wohnung in Stuttgart-Steckfeld hätte Baroudi nur noch unterschreiben müssen, dazu kam es nicht. Nach seinem Wechsel nach Freiberg herrschte plötzlich Funkstille. Bluthardt zeigt sich „menschlich enttäuscht“, fühlt sich „veräppelt“. Ünal stellt klar: „Ich wollte Momo als Mensch helfen, ob er wechselt oder nicht, war für mich zweitrangig.“
Nun wohnt Baroudi, der das Fachabitur in der Tasche hat und Sportmanagement studieren möchte, in Freiberg und spielt für den SGV. „Die Regionalliga ist für meine Entwicklung der beste nächste Schritt“, sagt der Stürmer, den es traurig stimmt, dass er von Kickers-Fans in diversen Foren oder auch beim Aufeinandertreffen in der Stadt beleidigt wird, zum Beispiel als „geldgeil“ bezeichnet wird. „Ich werde die Kickers immer im Herzen tragen und zu 100 Prozent irgendwann zurückkommen.“