Holger Bachthaler (Mi.) arbeitet seit Oktober 2022 zum zweiten Mal für den FV Illertissen. Foto: IMAGO/Beautiful Sports

Die Nichtverlängerung des Vertrags von Trainer Marco Wildersinn ist beschlossen, nun gilt es für die Stuttgarter Kickers, den Nachfolger zu bestimmen. Einen Favoriten gibt es.

Die Stuttgarter Kickers spielen nicht mehr in der Bundesliga, auch nicht in der zweiten und auch nicht in der dritten Liga. Sie spielen in der Regionalliga. Doch für einen Viertligisten haben die Blauen durch ihre Tradition, Infrastruktur und Fankultur eine Strahlkraft wie wenige andere Clubs in dieser Spielklasse. Deshalb wundert die Flut an Bewerbungen nicht, die in Degerloch eingehen, wenn bekannt wird, dass dort eine Trainerstelle frei wird.

 

Seit Anfang dieser Woche steht offiziell fest, dass der am Saisonende auslaufende Vertrag von Trainer Marco Wildesinn nicht verlängert wird. Viele Namen werden gehandelt, doch nach Recherchen unserer Redaktion kristallisiert sich vor dem Spiel an diesem Samstag (14 Uhr) beim Bahlinger SC ein Name als Favorit heraus: Holger Bachthaler.

Der Vertrag des 51-jährigen läuft am Saisonende beim Bayern-Regionalligisten FV Illertissen aus. Das macht einiges einfacher und unterscheidet ihn schon mal von anderen denkbaren und ebenfalls ins Profil passenden Kandidaten wie Evangelos Sbonias (1. FC Köln II), oder Beniamino Molinari (VfR Aalen) oder Marvin Compper (Co-Trainer FC St. Gallen):

Geschäftsführer im öffentlichen Dienst

Aktuell übt Bachthaler den Trainerjob nicht hauptberuflich aus. Er ist im öffentlichen Dienst als Geschäftsführer im Zweckverband Iller-Roth-Günz in der kommunalen Verkehrsüberwachung tätig. Diese Arbeit würde er bei einem Engagement selbstverständlich ruhen lassen, was aber noch das eine oder andere Gespräch nach sich zieht. Dass ihn die Aufgabe bei den Blauen sehr reizen würde, steht fest – wie aus seinem Umfeld zu vernehmen ist.

Holger Bachthaler (re., mit Florian Krebs) nach dem DFB-Pokal-Sieg 2018 mit Ulm gegen die SGE. Foto: imago/Sportfoto Rudel

Zu Personalien äußert sich Lutz Siebrecht wie immer nicht. Was der Sport-Geschäftsführer bei der Bekanntgabe der Trennung von Wildersinn am Saisonende aber grundsätzlich mitteilte: „ Unser Ziel für die Kickers ist es, eine klare und verbindliche Spielidee weiterzuentwickeln und nachhaltig zu verankern. Diesen Weg werden wir in einer neuen personellen Konstellation gehen.“

Diese Spielidee ist hinlänglich bekannt. Sie ist geprägt von der Schule von Siebrechts Geislinger Landsmann Helmut Groß, dem verstorbenen Mentor von Ralf Rangnick: Mit viel Laufstärke und hoher Intensität den Gegner durch hohes Pressing früh anlaufen, ihn unter Druck setzen, vom Tor weghalten, selbst hohe Balleroberungen erzielen und mit schnellem Umschaltspiel zum gegnerischen Tor ziehen.

DFB-Pokal-Coup mit Ulm

Zu dieser generellen Herangehensweise passt Bachthaler (wie übrigens auch der künftige Trainerentwickler im Kickers-NLZ Wolfgang Geiger) wie die Faust aufs Auge. Nicht von ungefähr holte ihn RB Salzburg in seine Nachwuchsakademie. 2017/18 übernahm er die Nachfolge von Marco Rose als U-18-Coach, als der zu RB Leipzig wechselte. Danach zog es Bachthaler wieder in die Heimat, für drei Jahre hatte er als Chefcoach des SSV Ulm 1846 das Sagen. 2018 kegelte er mit den Spatzen Titelverteidiger Eintracht Frankfurt aus dem DFB-Pokal.

Anfragen von Haching und 1860

Anfragen für den Coach gab es immer wieder, unter anderem von der SpVgg Unterhaching und dem TSV 1860 München. Doch Bachthaler, der in Senden wohnt, übernahm am 1. Oktober 2022 den FV Illertissen, den er von 2012 bis 2016 schon einmal trainierte. Auch als Spieler war er für den FVI am Ball, den sein Vater Karl-Heinz (73) als Coach und Funktionäre jahrzehntelang maßgeblich prägte.

Seine größte Erfolge als Spieler feierte Holger Bachthaler beim FC Augsburg. 1993 gewann er die deutsche A-Jugend-Meisterschaft, 1994 die Bayernliga-Meisterschaft bei den Aktiven unter Trainer Armin Veh. Als B-Jugendlicher hatte Bachthaler ein Angebot vom VfB. Nun deutet einiges darauf hin, dass er 35 Jahre später als Trainer nach Stuttgart kommt – zu den Kickers.