Da kommt Freude auf: Lukas Kiefer (Mi.) bejubelt mit seinen Kickers-Kollegen sein Tor gegen Eintracht Trier. Foto: Pressefoto Baumann

Lukas Kiefer gehört zu den unumstrittenen Stammkräften bei Fußball-Regionalligist Stuttgarter Kickers. Neuerdings zeigt der Mittelfeldspieler regelmäßig lange Zeit vermisste Knipserqualitäten. Wie ist das zu erklären?

Warum es plötzlich mit dem Toreschießen klappt? „Schwierig zu sagen“, antwortet Lukas Kiefer. Dann fällt ihm nach einer kurzen Denkpause, begleitet von einem herzhaften Lachen, doch noch etwas ein: „Vielleicht liegt’s an meiner Verlobung.“ Glück in der Liebe, Glück im Abschluss? Wie auch immer, fest steht: Im März gab es das Zukunftsversprechen mit Freundin Sibel, seit April trägt sich der Mittelfeldspieler von Fußball-Regionalligist Stuttgarter Kickers regelmäßig in die Torschützenliste ein. Beim 3:2 gegen Eintracht Trier traf er im dritten Spiel hintereinander. Vor dieser Serie war der unumstrittene Stammspieler in dieser Saison nur einmal erfolgreich, am 17. August 2024 beim 2:2 in Gießen. In den beiden Spielzeiten davor kam er jeweils nur auf einen einzigen Saisontreffer.

 

Samstag kommt SC Freiburg II

Das ist mehr als mager für einen, der immer spielt, in den allermeisten Fälle von der ersten bis zur letzten Spielminute. „Ich bin in dieser Runde eigentlich immer wieder in Abschlusssituationen im torgefährlichen Raum gekommen, nur neuerdings klappt es einfach mit dem Toreschießen“, sagt Kiefer, der zudem neun Assists beisteuerte. Gegen Trier reichte es nach einem seiner Tore endlich auch zu einem Sieg, was davor in Fulda (1:2) und gegen den Bahlinger SC (1:2) nicht der Fall war. „Darüber hatte ich mir auch schon meine Gedanken gemacht“, räumt der 32-Jährige vor dem Heimspiel an diesem Samstag (14 Uhr/Gazi-Stadion) gegen den SC Freiburg II mit einem Schmunzeln ein.

Nun gehört zu Kiefers Geschichte auch die Tatsache, dass er seit Beginn dieser Saison eine etwas andere Rolle ausfüllt. Bis zum Beginn dieser Saison spielte er zu 80 Prozent auf der Sechser-Position, sicherte vor der Viererkette ab, konzentrierte sich auf Defensivaufgaben. Meistens spielte er unter Coach Mustafa Ünal allein in der Zentrale vor der Abwehr, nur wenn er gemeinsam mit Luigi Campagna auflief, übernahm er den offensiveren Part. „Früher durfte Lukas nicht über die Mittellinie“, formulierte es Trainer Marco Wildersinn nach dem 3:2 über Trier leicht überspitzt und nicht wörtlich gemeint, „wir lassen ihn jetzt ein bisschen von der Leine.“

Für Fleiß belohnt

Kiefer ist ein sogenannter Box-to-Box-Spieler, der sich mit seiner enormen Laufstärke vor allem zwischen den Strafräumen bewegt. Nun hat er endlich die Effizienz im Abschluss, die ihm lange Zeit abging, sonst hätte er statt vier bestimmt schon ein Dutzend Tore auf seinem Konto. „Lukas investiert sehr viel, macht tiefe Laufwege, erarbeitet sich viele Chancen, es freut mich sehr, dass er sich nun für seinen Fleiß belohnt“, sagt Sport-Geschäftsführer Lutz Siebrecht, der in seiner Zeit beim SSV Ulm 1846 Kiefer einst vom 1. FC Saarbrücken zu den Spatzen holen wollte.

Aus Ulm nach Degerloch

Ohne Erfolg. Den ehemaligen VfB-Jugendspieler zog es 2016 lieber zum SV Waldhof (bis 2018), danach zurück zum VfB Stuttgart II (bis 2020) und erst dann nach Ulm (bis 2022), als Siebrecht längst nicht mehr in Amt und Würden war.

Jetzt ist der Kickers-Macher froh, dass der gebürtiger Böblinger noch bis 2027 bei den Blauen unter Vertrag steht. Er bildet gemeinsam mit Per Lockl (24) und David Tomic (27) das eingespielte Mittelfeld-Herzstück. „Da wächst etwas zusammen, wir ergänzen uns sehr gut, weil wir auch unterschiedliche Typen sind“, sagt Kiefer. Er selbst ist der laufstarke Arbeiter, der viel in die Tiefe geht und Ruhe ausstrahlt.

Lockl sorgt für Stabilität

Tomic, der zweite Achter, ist filigraner, ein dribbelstarker Ideengeber, der bereits neun Saisontore auf dem Konto hat. Und Lockl kommt zumindest für Regionalligaverhältnisse dem Idealbild eines fußballerischen Gesamtpakets ziemlich nahe und sorgt damit auf der Sechser-Position für Stabilität in der Zentrale vor der Abwehr.

Ob der 1,74-m-Mann nicht vielleicht weiter vorne auf der Achter-Position (noch) besser aufgehoben wäre und stattdessen ein körperlich robuster, wuchtiger, größerer Spieler auf der Sechs seine Rolle übernehmen könnte? Kiefer findet das Thema Größe, was das Mittelfeld betrifft, nicht entscheidend: „Größe heißt nicht automatisch, dass man besser dagegenhält. Zumal die meisten hohen Bälle in die hintere Kette gehen. Nur wenn wir in der Abwehr nur 1,75-m-Leute hätten, würde ich mir Sorgen machen.“

Torriecher behalten

Er setzt in den letzten drei Saisonspielen und erst recht mit Blick auf die neue Saison vor allem auf mehr Konstanz und Stabilität in den Leistungen und einen nicht mehr ganz so aufgeblähten Kader. Wenn er dann noch seinen Torriecher über den Sommer hinaus beibehält, würde das garantiert nicht schaden.

Ergebnisse und Termine 2025

Regionalliga
Stuttgarter Kickers – FC Gießen 3:0, FC-Astoria Walldorf – Kickers 3:2, Kickers – 1. Göppinger SV 3:0, TSV Steinbach Haiger – Kickers 2:1, Kickers – Kickers Offenbach 1:1, FSV Frankfurt – Kickers 0:1, TSG 1899 Hoffenheim II – Kickers 3:0, Kickers – SGV Freiberg 3:2, Kickers – Bahlinger SC 1:2, SG Barockstadt Fulda-Lehnerz – Kickers 2:1, Kickers – Eintracht Trier 3:2, Kickers – SC Freiburg II (3. Mai, 14 Uhr), 1. FSV Mainz 05 – Kickers (10. Mai, 14 Uhr), Kickers – KSV Hessen Kassel (17. Mai, 14 Uhr). (jüf)