David Braig genießt seinen Torerfolg im Spiel gegen den SC Freiburg II. Foto: Baumann

Er brauchte etwas Anlaufzeit, aber jetzt trifft er wieder! Doch David Braig ist mehr als nur ein Stürmer für die Stuttgarter Kickers. Was macht den 34-Jährigen so besonders?

Bestimmt liegt diese Gelassenheit auch an seinem schon relativ gesetzten Fußballalter. „So leicht lasse ich mich nicht aus der Ruhe bringen, so leicht lasse ich mich nicht verrückt machen“, sagt David Braig. Es hat bis zum siebten Spieltag der Fußball-Regionalliga gedauert, bis der Stürmer der Stuttgarter Kickers in einem Punktspiel in dieser Saison erstmals getroffen hat.

 

Doppelpack gegen SCF II

Der 34-Jährige schnürte beim 4:0 gegen den SC Freiburg II gleich einen Tore-Doppelpack und bereitete die beiden anderen Treffer von Flamur Berisha auch noch mit vor. Dazu präsentierte er sich enorm lauf- und einsatzfreudig, machte den profi-erprobten Innenverteidigern des Sportclubs mit seinem aggressiven Forechecking das Leben extrem schwer.

„Dieses Spiel war eine Erleichterung“, räumt Braig offen ein, „das war Balsam auf die Seele – der Beleg, dass Einsatz und Intensität belohnt werden für die Mannschaft und mich.“ Vielleicht war es auch eine Art Initialzündung. Wie im Vorjahr, als Braig ebenfalls erst am siebten Spieltag seine ersten Erfolgserlebnisse feierte. Beim 5:1 gegen den TSV Steinbach Haiger netzte er seinerzeit auch zweimal ein.

Braig (re.) jubelt mit seinen Mitspielern Udogu, Kiefer und Tomic beim 4:0 gegen den SCF II. Foto: Pressefoto Baumann

Braig – das Phänomen. Es ist seine sechste Saison bei den Blauen. Als er im Januar 2020 vom SSV Ulm 1846 nach Degerloch wechselte, waren noch Mijo Tunjic und Cristian Giles seine Sturmkollegen. Später kamen Angreifer wie David Nieland, Niklas Antlitz, Daniel Kalajdzic, Meris Skenderovic oder zuletzt Marlon Faß und Samuel Unsöld. Eine Zeit lang stellte ihn der damalige Coach Mustafa Ünal auch mal Rechtsaußen, als Kevin Dicklhuber ins Sturmzentrum rückte. Durchgesetzt hat sich am Ende als Mittelstürmer aber immer nur: Der „Braiger“, wie er von allen bei den Kickers genannt wird.

Körperlich topfit

Dass er sich immer wieder seinen Stammplatz zurückholt, kommt nicht von ungefähr. Es ist das Resultat von viel Fleiß und harter Arbeit. Für seine Art Fußball zu spielen, ist eine körperlich Topfitness die Voraussetzung. „Ich habe in der Vorbereitung richtig viel geschuftet“, verrät er. Seine Probleme im Rückenbereich bekam er durch gezielte Mobilisations- und Beweglichkeitsübungen für die Hüfte immer besser in den Griff. Mit dem Satz „nichts bekommt man auf der Welt doch geschenkt“ bringt er seinen eisernen Willen zum Ausdruck.

Da sich ein Sprung in die erste, zweite oder dritte Liga nicht zwingend abzeichnete und es in der Regionalliga keine Reichtümer zu verdienen gibt, hat er sich früh für ein zweites Standbein entschieden. Braig hat ein Wirtschafts-Ingenieur-Studium abgeschlossen und geht neben dem Fußball auch aktuell einer geregelten Arbeit nach. Er arbeitet 20 Stunden pro Woche bei Deloitte als Consultant im Bereich Forensik. Ab 7.30 Uhr sitzt er in der Regel am Schreibtisch. Für seine Hobbys Tennis und Golf oder Wandern mit Langzeit-Freundin Ani bleibt so gut wie keine Zeit. In welchem Bereich er nach der Karriere arbeiten möchte, im Fußball oder in der Wirtschaft, da will sich der Aktienfan noch nicht festlegen: „Ich bin für beide Welten offen und könnte mir alles vorstellen.“

„Stürmer wird an Toren gemessen“

Zunächst aber will er noch ein paar Jährchen Fußball spielen. Am liebsten bei den Kickers, bei denen sein Vertrag am Saisonende allerdings ausläuft. Braig ganz pragmatisch: „Ich muss einfach weiter Argumente sammeln. Ein Stürmer wird nun mal an seinen Toren gemessen.“ Wobei seine Wertigkeit über das Spielfeld hinausgeht. „Er hat einen außergewöhnlichen Charakter“, lobt ihn Lutz Siebrecht. Dem Sport-Geschäftsführer der Kickers ist er 2008 erstmals aufgefallen, in der damals von seinem Kumpel Frank Kaspari trainierten Ulmer A-Jugend.

Braig, Berisha: Treffsicheres Duo. Foto: imago/Eibner

Von 2015 bis 2018 arbeitete Siebrecht später (in seiner Funktion als Sportlicher Leiter) mit Braig in der ersten Mannschaft beim SSV 1846 zusammen. In der Saison 2022/23 schoss der 1,86 Meter große Stürmer als Oberliga-Torschützenkönig die Spatzen mit 26 Saisontoren zum Aufstieg. Als es in Ulm nicht mehr rund für ihn lief, lotste ihn Siebrecht dann zu seinem neuen Club, den Kickers. „Er benötige auf dem Platz eineinhalb Jahre Anlaufzeit, aber im zwischenmenschlichen Bereich war er schon immer unglaublich wichtig für die Mannschaft, genauso wie unsere anderen Routiniers Nico Blank und Lukas Kiefer“, betont Siebrecht.

Braig – die Konstante im Sturm und der Kitt in der Kabine. Er sieht sich selbst als „Papa der Mannschaft“, als Vorbild, als Ratgeber, als Klebstoff für den Zusammenhalt. Manchmal ist er auch derjenige, der richtig Feuer macht. Was nach den Abgängen von dominanten Typen wie Luigi Campagna oder Ruben Reisig noch wichtiger geworden ist. Braig nimmt auch die Neuzugänge an die Hand. „Manche sensibilisiere ich, dass sie für einen der größten Regionalligaclubs spielen, vergleichbar mit Offenbach“, sagt Braig. Er redet überlegt und unerschrocken. Klartext ist sein Markenzeichen, verbiegen lässt er sich nicht.

Nur wenn es um ein Saisonziel geht, wird er – wie so gut wie alle im Verein – vorsichtig. Braig sagt vor dem Doppelpack in Kassel an diesem Samstag und eine Woche später in Alzenau (jeweils 14 Uhr) lediglich: „Wenn wir weiterhin so intensiv und laufbereit auftreten wie in den vergangenen Spielen und Konstanz in unsere Leistungen bringen, dann können wir auch auswärts erneut etwas Zählbares holen.“ Es wären die optimalen Voraussetzungen für den Heim-Knüller gegen Spitzenreiter SGV Freiberg am 30. September (19 Uhr).

Saison 2025/25

Ergebnisse und Termine
1. Göppinger SV – Kickers (0:2/zweite WFV-Pokal-Runde), SG Barockstadt Fulda-Lehnerz – Stuttgarter Kickers 0:1, Kickers – SV Sandhausen 3:2, VfR Aalen – Kickers (0:2/dritte WFV-Pokal-Runde), Kickers – Eintracht Trier 1:1, 1. FSV Mainz 05 II – Kickers 3:0, Kickers – Kickers Offenbach 1:2, TSV Weilimdorf – Kickers (1:2/WFV-Pokal-Achtelfinale), TSV Steinbach Haiger – Kickers 0:1, Kickers – SC Freiburg II 4:0, KSV Hessen Kassel – Kickers (Samstag, 20. September, 14 Uhr), FC Bayern Alzenau – Kickers (Samstag, 27. September, 14 Uhr), Kickers – SGV Freiberg (Dienstag, 30. September, 19 Uhr), FSV Frankfurt – Kickers (Sonntag, 5. Oktober, 14 Uhr), Kickers – Bahlinger SC (Samstag, 11. Oktober, 14 Uhr), TSG Balingen – Kickers (Samstag, 18. Oktober, 14 Uhr), Kickers – TSV Schott Mainz (Samstag, 25. Oktober, 14 Uhr), FC 08 Homburg – Kickers (Sonntag, 2. November, 14 Uhr), Kickers – FC-Astoria Walldorf (Samstag, 8. November, 14 Uhr), SG Sonnenhof Großaspach – Kickers (Samstag, 15. November, 14 Uhr), Kickers – SG Barockstadt Fulda-Lehnerz (Samstag, 22. November, 14 Uhr), SV Sandhausen – Kickers (Sonntag, 30. November, 14 Uhr). (jüf)