Präsident Rainer Lorz freut sich auf den 125. Geburtstag der Kickers, die fester Bestandteil der Sportkultur der Stadt Stuttgart und der Region sind. Foto: Baumann/Hansjürgen Britsch

An diesem Samstag feiern die Stuttgarter Kickers ihr 125-Jahr-Jubiläum. Nach dem Heimspiel gegen den FSV Frankfurt steht ein Festakt an. Präsident Rainer Lorz spricht über den schwierigen Spagat zwischen Erwartungshaltung und Finanzierbarkeit.

Es gab schon Jubiläen, da hat der eine oder andere Edelfan der Stuttgarter Kickers ein nettes Sümmchen gespendet. Gut möglich, dass das auch diesmal der Fall sein wird. Doch für das Wichtigste rund um die Festivitäten muss die Mannschaft von Trainer Marco Wildersinn selbst sorgen: „Es wird vom FSV Frankfurt keine Geschenke geben, bloß weil wir Geburtstag haben“, sagt Präsident Rainer Lorz vor dem Regionalliga-Heimspiel an diesem Samstag (14 Uhr) im Gazi-Stadion auf der Waldau.

 

Steilvorlage für Festakt

Es steht zwar erst der neunte Spieltag an, doch es geht um viel. Hinter Spitzenreiter Kickers Offenbach (18 Punkte) rangieren drei Teams mit 15 Punkten: Neben der TSG Hoffenheim II eben die Stuttgarter Kickers und ihr Gegner vom Bornheimer Hang. Neben der sportlichen Bedeutung geht es auch um die Stimmungslage beim abendlichen Festakt. „Wir wollen auf dem Rasen die Voraussetzungen liefern, damit wir schön feiern können“, sagt Lorz. Oberbürgermeister Frank Nopper, WFV-Präsident Matthias Schöck, ehemalige Spieler und Trainer wie Karl Allgöwer, Ralf Vollmer, Toni Kurbos, Robin Dutt, Dirk Schuster und viele andere Freunde der Blauen sind zu den Feierlichkeiten samt Showprogramm ins Friedrichsbau-Varieté geladen und haben auch zugesagt.

125 Jahre Stuttgarter Kickers werden gefeiert. Und was gab es nicht alles für Höhen und Tiefen seit der Vereinsgründung am 21. September 1899. Allein in den 14 Jahren seit Rainer Lorz 2010 das Präsidentenamt übernommen hat, überschlugen sich bisweilen die Ereignisse. Was ihm am meisten in Erinnerung blieb? Der 61-Jährige nennt die positiven Dinge: den Drittliga-Aufstieg 2012, das Abstiegsdrama mit Happy End ein Jahr später in Darmstadt, den WFV-Pokal-Sieg im Endspiel 2022 gegen den SSV Ulm 1846 und das DFB-Pokal-Spektakel vor ausverkauftem Haus gegen Eintracht Frankfurt.

Das war gut fürs Renommee und für den Geldbeutel. Womit beim Blick nach vorne das Negative angesprochen wäre. Durch das diesjährige WFV-Pokal-Aus gegen den Ligarivalen SGV Freiberg ist die Chance aufs lukrative DFB-Pokal-Ticket bereits nach dem Achtelfinale vertan. „Es ist äußerst ärgerlich, dass wir das hergeschenkt haben, das tut uns richtig weh“, sagt Lorz auch mit gut zwei Wochen Abstand. Dass danach aber gleich „die totale Weltuntergangsstimmung“ in Teilen des Umfelds verbreitet wurde, sei eben auch typisch Kickers.

Hoch emotionale Ausschläge

Es geht hochemotional zu – und das in beide Richtungen. Doch bei aller Schnelllebigkeit des Geschäfts, mit seinen kurzfristigen Ausschlägen nach oben und unten, gilt es aber immer auch, die Strecke einer Arbeit entsprechend einzuordnen und zu bewerten. Und da können die Blauen sportlich und strukturell in der jüngeren Vereinsgeschichte Schritte in die richtige Richtung vorweisen.

„Wir haben insgesamt eine sehr ordentliche Fortentwicklung und speziell eine sehr viel breitere Sponsorenbasis“, betont Lorz, nicht ohne auf die Fallstricke hinzuweisen: „Die Regionalliga ist eine ganz schwierige Liga, weil der Spagat zwischen Erwartungshaltung und Finanzierbarkeit eine echte Herausforderung ist. Es ist jedes Jahr ein Kampf, es einigermaßen hinzubekommen.“ Der VfB Stuttgart ist sehr erfolgreich, in den Champions-League-Teilnehmer fließe viel Geld aus der Wirtschaft. Deshalb seien die Kickers auch so extrem auf ihre Unterstützer mit Herzblut für die Blauen angewiesen.

Vorteile der dritten Liga

Fernsehgelder gibt es erst in der dritten Liga, die für viele Sponsoren wichtige bundesweite Präsenz wird auch erst in der dritten Liga geboten. Deshalb ist dieser nächste Schritt von so elementar wichtiger Bedeutung. Und klar ist die vergangene Saison zwar abgehakt, aber immer wieder kommt das gleiche Thema hoch: Dieser am letzten Spieltag vollends vergeigte Zehn-Punkte-Vorsprung im Kampf um den Aufstieg. „Mehr als ärgerlich war es, dass wir dieses Polster noch hergegeben haben. Wir haben eine Riesenchance vertan“, redet Lorz auch heute erst gar nicht drum herum.

Zumal sich nicht nur der aktuelle Spitzenreiter Kickers Offenbach, der schon seit 2013 den Wiederaufstieg anpeilt, deutlich stärker präsentiert als in den Vorjahren, sondern die Qualität an der Spitze der Liga insgesamt besser geworden ist. Es hilft nichts, sagt sich der Kickers-Chef: „Die blaue Familie ist in den vergangenen Jahren zusammengewachsen und lässt sich nicht unterkriegen.“

Schon gar nicht vor dem 125. Geburtstag.

Termine

Pflichtspiele
Stuttgarter Kickers – Eintracht Frankfurt II 2:1, FC Esslingen – Kickers 0:5 (WFV-Pokal), FC 08 Homburg – Kickers 1:1, Kickers – FC 08 Villingen 1:0, FC Normannia Gmünd – Kickers 1:3 n. V., FC Gießen – Kickers 2:2, Kickers – FC-Astoria Walldorf 1:0, 1. Göppinger SV – Kickers 0:0, Kickers – SGV Freiberg 1:3 n. V. (WFV-Pokal), Kickers – TSV Steinbach Haiger 5:1, Kickers Offenbach – Kickers 2:0, Kickers – FSV Frankfurt (21. September, 14 Uhr), SGV Freiberg – Kickers (28. September, 14 Uhr), Kickers – TSG 1899 Hoffenheim II (4. Oktober, 19 Uhr), Bahlinger SC – Kickers (12. Oktober, 14 Uhr), Kickers – SG Barockstadt Fulda-Lehnerz (19. Oktober, 14 Uhr), Eintracht Trier – Kickers (27. Oktober, 14 Uhr), SC Freiburg II – Kickers (2. November, 14 Uhr), Kickers – 1. FSV Mainz 05 II (9. November, 14 Uhr), KSV Hessen Kassel – Kickers (16. November, 14 Uhr), Eintracht Frankfurt II – Kickers (24. November, 14 Uhr), Kickers – FC 08 Homburg (30. November, 14 Uhr), FC 08 Villingen – Kickers (6./7./8. Dezember). (jüf)