Trainer Marco Wildersinn setzt beim 1:1 gegen Kickers Offenbach auf ein neues System und frische Kräfte, die lange auf ihre Chance warten mussten. Was bedeutet dies für die nächsten Spiele?
An den kommenden beiden Sonntagen haben die Stuttgarter Kickers mit den Auswärtsspielen beim FSV Frankfurt und bei der TSG Hoffenheim II ein arbeitsintensives Programm. An diesem Sonntag konnte Lutz Siebrecht noch das tun, für was der siebte Tag der Woche eigentlich da ist: In aller Ruhe und Gemütlichkeit zurückblicken. Er tat dies nach dem 1:1 gegen Kickers Offenbach voller Zufriedenheit: „Es war ein außergewöhnlich gutes und intensives Spiel in einer beeindruckenden Atmosphäre, es machte großen Spaß der Mannschaft zuzuschauen, keiner ging unzufrieden nach Hause“, sagte der Sport-Geschäftsführer der Blauen.
8740 Zuschauer im Gazi-Stadion
Mit einer kleinen Einschränkung: Dem Fußball-Fest vor 8740 Zuschauern im Gazi-Stadion fehlte der gute Schluss in Form von drei Punkten. Der Fehler von Torwart Leon Neaime führte zum 1:1 durch Jannes Wulff (70.). Da sie ohnehin sinnlos gewesen wären, suchte der 20-Jährige erst gar nicht nach Ausflüchten: „Ich unterlaufe den Ball bei der Ecke, das Gegentor geht klar auf meine Kappe.“ Dass er den Lapsus gut wegsteckte, zeigte er in der Nachspielzeit, als er den Ball mit einer Monsterparade von der Linie kratzte und wenigstens den Punkt festhielt.
Den hatten sich die Blauen redlich verdient, bringt sie aber mit Blick auf die Tabellenspitze nicht weiter. Im Gegenteil: Der Rückstand auf die TSG Hoffenheim II wuchs wieder auf acht Punkte an. Siebrecht wollte dem gar nicht so viel Bedeutung beimessen: „So ein Spiel bringt uns als Mannschaft und als Gemeinschaft weiter, unabhängig, in welcher Liga wir kommende Saison spielen.“
Qualitätsproblem beim Abschluss
Und solch ein Spiel bringt auch wertvolle Erkenntnisse. Dass sich die Mannschaft für ihren leidenschaftlichen und temporeichen Auftritt vor der Pause nicht mit einem Tor belohnte, dokumentiert ein eklatantes Qualitätsproblem im Strafraum. Es fehlt an Durchschlagskraft und Killerinstinkt, es fehlt ein Torjäger. Deshalb bleibt auch David Hummel vom Regionalligarivalen FC 08 Homburg weiter ein heißes Thema, der am Samstag beim 3:2 gegen den FC Gießen seine Saisontore zehn und elf erzielte.
Für das 1:0 (51.) der Kickers musste gegen den OFC ein umstrittener Elfmeter herhalten, den David Tomic sicher verwandelte. Den hatte David Kammerbauer herausgeholt. Und nicht nur in dieser Szene zeigte der linke Schienenspieler, dass er – ähnlich wie Marcel Schmidts rechts – dem Team mit seiner Power und Energie guttut.
Duo stark ohne Spielpraxis
Das gilt mindestens genauso für Paul Polauke, der wie Kammerbauer in den vergangenen Monaten so gut wie keine Spielpraxis hatte. Seine Zweikampfstärke, seine Mentalität und Emotionen passen zur Spielweise, die die Kickers anstreben. Von der ersten Sekunde an soll mit voller Intensität die absolute Bereitschaft erkennbar sein, das Spiel gewinnen zu wollen.
„Wir haben ein anderes Gesicht gezeigt, als zuletzt auswärts“, räumte auch Trainer Marco Wildersinn ein. Seine erstmalige Systemumstellung auf eine Dreierkette passte dabei gut ins Bild. Im Zentrum stellte sich dem OFC dadurch vielbeiniges Personal entgegen. Nur zum guten Schluss reichte es eben nicht, was an den kommenden beiden Sonntagen nachgeholt werden kann.
Vertrag von Trio läuft aus
Kammerbauer und Polauke dürften gute Chancen haben, wieder von Beginn an dabei zu sein, Schmidts ebenfalls (zumal Kapitän Nico Blank weiter ausfällt). Alle drei verbindet, dass ihr Vertrag am Saisonende ausläuft. Wildersinn und Siebrecht werden sich die Entwicklung weiter anschauen und dann entscheiden, wie es weitergeht. Der Sport-Geschäftsführer lässt sich nicht in die Karten blicken: „Vor Anfang April spreche ich mit keinem Spieler, dessen Vertrag ausläuft.“