KI kann Kinder bei den Hausaufgaben an die Hand nehmen. Ihr unreflektiert vertrauen, sollten sie aber nicht. Foto: dpa/Axel Heimken

KI-Tutoren können beim Lernen unterstützen. Doch nicht alle Schülerinnen und Schüler profitieren gleichermaßen. Ein Experte spricht darüber, was Künstliche Intelligenz in der Nachhilfe leisten kann und was nicht.

Einen wissenschaftlichen Beleg, dass KI-Tutoren hilfreich sind, den gebe es noch nicht, sagt Benedikt Sauerborn. Er ist der Geschäftsführer des KI-Zentrums Schule, das zum Zentrum für Schulqualität und Lehrerbildung (ZSL) gehört und dem Kultusministerium unterstellt ist.

 

Das KI-Zentrum hat es sich zur Aufgabe gemacht, Künstliche Intelligenz im schulischen Kontext so nutzbar zu machen, dass es Lehrende und Lernende voranbringt und das Lernen nicht behindert. „Unsere These lautet: KI-Tutoren sind Teil einer Technologie, die – verständig eingesetzt – den Lernprozess unterstützen kann“, sagt Sauerborn.

Benedikt Sauerborn ist der Geschäftsführer des KI-Zentrums Schule, welches zum Zentrum für Schulqualität und Lehrerbildung (ZSL) gehört. Foto: privat

KI-Tutoren, wie sie von professionellen Nachhilfeinstituten angeboten werden, seien aber grundsätzlich nur so gut, wie ihre Preprompts. So nennt man die erste Anweisung, die von einem Experten verfasst wird und für den Nutzer nicht sichtbar ist. Sie muss alle Informationen enthalten, also unter anderem zum Lernstoff und zu der Art, wie gelernt werden soll.

Doch auch noch so ausgefeilte Preprompts seien immer noch allgemein und nicht individuell auf ein Kindes zugeschnitten, sagt Sauerborn.

KI-Chatbot macht lediglich ein Wissensangebot

KI-Tutoren als Nachhilfelehrer können nur funktionieren, wenn der Lernende Lust auf das Thema hat. „Ein KI-Chatbot ist in dieser Hinsicht wie ein Buch: Es ist ein Medium, das ein Wissensangebot macht“, sagt Sauerborn und ergänzt: Die intrinsische Motivation dieses Angebot anzunehmen, müsse der Schüler oder die Schülerin mitbringen.

Hinzu kommt: „Wissenschaftlich ist sehr gut erforscht, dass es unter anderem vom Vorwissen abhängt, ob Medien als Hilfsmittel funktionieren. Je mehr Vorwissen jemand mitbringt, desto leichter kann er oder sie Medien nutzen.“

Hingegen seien schwächere Schülerinnen und Schüler mit solchen Hilfsmitteln oft erst einmal überfordert. „Das heißt, ein KI-Tutor kann eine sehr hilfreiche Unterstützung für Eltern sein, deren Kinder sowieso schon fit sind, denn diese können alleine mit dem System arbeiten“, sagt Sauerborn.

Er ist selbst Familienvater. Auch seine Kinder lernen zuweilen mit Hilfe von KI, womit nicht nur von professionellen Nachhilfeinstituten entwickelte Tutoren gemeint sind. „Wichtig ist aber: Ich bin bei meinem Sohn, der 13 Jahre alt ist, immer noch bei diesem Lernen mit KI dabei und reflektiere mit ihm auch die Ausgaben der Sprachmodelle“, betont der Experte. Diese Begleitung sei immens wichtig. „Ich möchte nicht, dass mein Sohn der Ausgabe eines Sprachmodells so vertraut, wie er seinen Lehrkräften vertraut.“

Denn KI könne Fehler machen. „Man spricht von halluzinierenden KI-Systemen“, sagt Sauerborn. Die hinter der künstlichen Intelligenz stehenden Sprachmodelle arbeiten mit Wahrscheinlichkeitsnetzen. Diese „wissen nicht, wie die Wirklichkeit aussieht und können Quatsch ausgeben. Das gilt auch für KI-Tutoren“, sagt Sauerborn.

Es müsse durch weitergehende Maßnahmen eine Kontrollinstanz eingebaut werden. „Von Lehrkräften, die mit Chatbot-Tutoren arbeiten, bekommen wir die Rückmeldung, dass Sprachmodelle in einem klar definierten Rahmen weitgehend verlässliche Ausgaben erzeugen. Für den schulischen Kontext in der Breite empirisch erforscht ist das aber nicht“, sagt der Experte.

Wichtig ist ihm: „Es darf nicht unterschätzt werden, wie relevant Beziehungsarbeit beim Lernen ist. Ein Kind hat nicht zwangsläufig Lust, sich mit Bruchrechnen zu beschäftigen. Da hilft es, einen Erwachsenen zu haben, der motiviert.“ Darum ersetze ein KI-Tutor niemals einen guten Lehrer.