Stuttgarter bekennen sich Ein Outing kommt selten allein

Von Uwe Bogen 

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Wer sich outet, erfährt viel Respekt und Zuspruch. Auch „Lotto-Fee“ Chris Fleischhauer hat es getan. Wie bei Thomas Hitzlsperger waren bei ihm die Reaktionen nur positiv.

Stuttgart – Wer sich outet, erfährt viel Respekt und Zuspruch. Auch „Lotto-Fee“ Chris Fleischhauer hat es getan. „Solange in Schulen schwul ein Schimpfwort ist, ist dies notwendig“, findet der TV-Moderator. Wie bei Thomas Hitzlsperger waren bei ihm die Reaktionen nur positiv.

„Oh Mann, diese ganzen hübschen Kerle – es ist ein Jammer!“Ihren Frust wollte Diana B. auf der Facebook-Seite von Chris Fleischhauer loswerden, der sein Bekenntnis zu seiner Homosexualität dort wenige Tage vor dem viele noch immer überraschenden Outing von Thomas Hitzlsperger gepostet hat. Beim Neujahresempfang der Messe vor drei Jahre lernte der Stuttgarter Fernsehmann den Druck- und Medieningenieur Steffen Schneider kennen, mit dem er schon noch kurzer Zeit zusammenzog. Seitdem gehen die beiden jedes Jahr zum Messe-Empfang, um ihr Glück zu feiern.

Der Januar, der Monat des Outings. Wollte man einen blöden Witz machen, könnte man sagen: der Januar ist in diesem Jahr ja auch besonders warm. Der frühere VfB-Profi Hitzlsperger sorgte für Schlagzeilen, als löse er Jogi Löw als Bundestrainer ab. Auch Moderator Jochen Bendel verriet mit 46 Jahren kurz vor seinem Einzug ins „Dschungelcamp“ von RTL, dass er auf Männern steht. Und wer immer es tut, wird wie ein Held gefeiert.

 

Hitz löste dabei gar eine mediale Ekstase aus. Darüber sprach ich mit einem Freund. „Ich sollte mich auch outen“, überlegte dieser, „ich oute mich, dass ich nicht Fußball spielen kann.“ Doch dann kam er zu den wesentlichen Dingen: „Ist doch völlig egal, wer mit wem in die Kiste steigt. Hauptsache, ich komm’ dabei nicht zu kurz.“

Der 31-jährige Fleischhauer machte noch nie ein Geheimnis aus seiner Liebe. „Meine Familie und meine Kollegen wissen es schon lange“, sagt der Programmchef von Regio-TV am 333-Telefon. Ob bei den Vip-Partys beim Volksfest oder beim Kino-Event von Lotto und der Stuttgarter Nachrichten – stets kam er in Begleitung von Steffen Schneider. Doch jetzt wollte er nach reiflicher Überlegung mit dem Partner seine Homosexualität öffentlich machen. „In den 1990ern haben es Alfred Biolek, Hape Kerkeling und Klaus Wowereit getan, das hat uns geholfen“, sagt Fleischhauer, „jetzt sind wir für die jüngere Generation dran.“

Die vielen Kommentare zum Outing gehen auf Fleischhauers Facebook-Seite alle in eine Richtung: „Tolles Signal! Danke und alles Gute für Sie beide!“, ist da zu lesen. Oder. „Glückwunsch für deine Offenheit“. Und: „Ihr macht Mut!“

Jede Woche, berichtet Laura Halding-Hoppenheit, seit 37 Jahren die Wirtin des Schwulentreffpunkts Kings Club, wird sie von Besuchern gefragt, ob sie sich outen sollten. „Das musst du dir sehr gut überlegen“, sagt die „Mutter der Schwulen“ meist, „mach es, wenn du stark genug bist, Intoleranz , die folgen könnte, zu ertragen.“

In der Berufsgruppe der Fußballspieler sei dies besonders schwer. „Es stehen leider nicht nur diejenigen im Stadion, die jetzt tolle Kommentare zu den Outings ins Internet schreiben“, weiß die Wirtin, „sondern viele, die nichts im Kopf haben und ,schwule Sau’ rufen.“ Auch sie habe sich vor drei Jahrzehnten allerlei Beschimpfungen anhören müssen, wenn ihre Nachbarn oder Bekannte erfuhren, sie arbeite in einer Schwulenbar. Doch längst ist sie anerkannt. Am 23. Januar erhält Frau Halding-Hoppenheit für ihr Engagement für Toleranz und gegen Aids das Bundesverdienstkreuz im Neuen Schloss überreicht.

In den sozialen Netzwerken ist das Outing von Hitzlsperger und Co. gerade das beherrschende Thema. „Ich bin schwul“, postete etwa Manuel Knatterflatter Barkeeper im Climax Institute, was nicht der Wahrheit entspricht. „Mein Beitrag sollte sozialkritisch empfunden werden“, sagt er hinterher, „das haben leider die wenigsten verstanden.“ Es ging ihm darum, „ein paar ehemalige Freunden vom Bodensee – Fußballspieler, Ortsverein, Bayern Fans, DFB-Fans – , die sich sehr unmenschlich zum Thema Schwul äußerten, vor den Kopf zu stoßen.“ Die Kommentare, die er dafür erntete, lauteten etwa: „Haste deine Heteropillen wieder nicht genommen ?“ Oder: „Ich bin nicht mehr schwul – der Trend ist vorbei.“

Das Thema eignet sich für Sprüche. Und muss auch nicht immer ernst genommen werden. Doch eines sollten die „Dummköpfe im Stadion“ wissen, von denen Laura sprach: Sie haben, um es mit Thomas Hitzlsperger zu sagen, „ein paar Gegner“ mehr.

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